NEOS-Mandatar Kuhn: "„Pendler sein ist nicht einfach“. NEOS-Mandatar fährt nur noch mit Öffis zur Arbeit und muss da beim Weg zum Bahnhof viele Hürden überwinden.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:54)
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NEOS-Mandatar ist vom Auto auf Rad und Öffis umgestiegen. Doch das Pendlerleben hat so seine Tücken!

Den Umweltgedanken hochzuhalten, ist für Pendler gar nicht so einfach. Das hat NEOS-Mandatar Roman Kuhn – er wohnt in der Hans-Kudlich-Straße – nun in einem Selbstversuch festgestellt.

„Angesichts des Klimawandels fragt man sich natürlich, was man selber dagegen tun kann. Ich habe daher im Frühjahr mein Fahrrad aus der Garage geholt und bin damit regelmäßig die drei Kilometer von meinem Haus bis zum Bahnhof geradelt“, berichtet der Gemeinderat. Manchmal habe freilich die Bequemlichkeit gesiegt und er sei doch mit dem Auto gefahren – vor allem bei Schlechtwetter.

Auto verkauft und auf Fahrrad umgestiegen

Um dieser Versuchung einen Riegel vorzuschieben, hat Kuhn im August dann einen großen Schritt zur Verbesserung seines ökologischen Fußabdrucks getan. „Ich habe mein Auto verkauft und stand nun also mit meinem Fahrrad alleine da. Das ging im Sommer noch gut und funktioniert auch im Herbst. Aber jetzt, da der Winter vor der Tür steht, stellt sich mir die Frage: Lege ich mir einen Taucheranzug zu oder fahre ich mit dem Bus“, sagt Kuhn.

Der Bus siegte wenig überraschend und der NEOS-Mandatar entdeckte auch eine App des Verkehrsverbundes Ostregion, die er sich auf sein Handy lud, um den Fahrplan zu studieren. Und da taten sich dann die ersten Hürden im neuen, autofreien Pendlerleben auf. Kuhn musste nämlich feststellen, dass er den Zug um 6.32 Uhr, mit dem er bislang nach Linz fuhr, nicht mehr erreichen konnte – weder mit CityAST noch mit Bus.

„Mit dem Anrufsammeltaxi komme ich frühestens um 6.42 Uhr am Bahnhof an. Auch am Abend bin ich damit sehr eingeschränkt. Ich muss um spätestens 18.31 Uhr wieder in Amstetten sein, weil das Taxi da zum letzten Mal in meine Richtung fährt. Einen längeren Arbeitstag sieht der öffentliche Verkehr für mich also nicht vor“, sagt Kuhn.

Natürlich hat er auch überlegt, auf den Bus umzusteigen. Die Heimfahrt ist um 18.05 Uhr mit einem VOR-Bus möglich, der beim Dornerwirt hält. „In der Früh kann ich diesen aber nicht nutzen, weil es auf der gegenüberliegenden Straßenseite keine Haltestelle gibt. Ich könnte mich höchstens an die Straße stellen und hoffen, dass der Chauffeur mich mitnimmt.“

Als Alternative bleibt für den NEOS-Gemeinderat daher nur der Frühkurs des CityBusses, der beim Merkurmarkt hält. Damit erreicht er um 6.55 Uhr den Bahnhof. Der ÖBB-Railjet fährt um 6.56 Richtung Linz, ist also unerreichbar. „Aus diesem Grund bin ich eben um 7.01 Uhr mit der Westbahn gefahren, statt um 6.32 Uhr.

Doch diese stellt mit Dezember ihren Fahrplan um, wodurch der Zug schon um 6.57 Uhr abfahren wird. Ich habe also zwei Minuten von der Bushaltestelle zum Bahnsteig. Ich muss wohl schon jetzt mit dem Lauftraining beginnen, denn die Westbahn wartet nicht auf mich und macht keine Kompromisse“, sagt Kuhn. Das zeige sich auch daran, dass mit Inkrafttreten des neuen Fahrplanes der Zug um 6.32 Uhr gestrichen wird. Auf Anfrage Kuhns wurde ihm von der Westbahn mitgeteilt, dass dieser nicht wirtschaftlich zu führen sei.

„Werden im Zug keine Heizung brauchen“

„Die Antwort war zu erwarten. Ich habe vorsorglich jetzt schon einmal die Leute gezählt, die um 7 Uhr in die Westbahn einsteigen, die von Wien kommend ohnehin schon sehr voll ist. Das waren in Amstetten 52 Personen. Wenn da nun auch noch alle dazukommen, die bisher mit dem Zug um 6.32 Uhr gefahren sind, dann wird es im Zug so eng, dass wir im Winter bestimmt keine Heizung mehr brauchen“, befürchtet Kuhn.

Fazit seines Selbstversuches: Um das Pendeln ohne Auto attraktiver zu machen sei es notwendig, die Busse und das City-AST noch besser auf die Fahrpläne der überregionalen Züge abzustimmen. „Wichtig ist es dabei auch, für die Pendler eine Zeitreserve von fünf bis sechs Minuten einzuplanen. In einer Minute ist der Zug nicht zu erreichen“, sagt Kuhn. Er fordert zudem, dass die Stadt die Fahrzeiten des CityASTs ausdehnt: von 6 bis 20 Uhr.
Kuhn hat auch noch einen Tipp für große Leute: „Für sie ist der CityBus nicht gemacht. Also, wenn man nach hinten geht, immer den Kopf einziehen!“