Optimismus und Skepsis: Meinungen zur Hauptplatz-Umgestaltung

Erstellt am 27. Juli 2022 | 04:05
Lesezeit: 6 Min
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So präsentiert sich die Rathausstraße derzeit dem Betrachter und der Betrachterin. Die Autos dominieren die Szene.
Foto: privat
Die NÖN hat Kaufleute und Unternehmer nach ihrer Meinung zur geplanten Umgestaltung des Zentrums befragt.
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Für September ist der Spatenstich für die Umgestaltung des Hauptplatzes samt Rathausstraße geplant. Im Jänner 2023, nach dem Weihnachtsgeschäft, sollen dann tatsächlich die Bagger rollen und das Zentrum in eine Schwammstadt und eine verkehrsberuhigte Zone verwandeln. Die NÖN hat sich umgehört, wie die Kaufleute und Unternehmer dazu stehen.

Ewald Hanser vom Schuhhaus Hanser in der Rathausstraße, war von der Präsentation des Projekts beim Cityforum, das vor ein paar Wochen im MozArt stattfand, bitter enttäuscht. „Außer einem Bild, das an die Wand projiziert wurde, haben wir nichts gesehen. Das war Wischi-Waschi. Es gibt noch keine konkreten Pläne. Das ist eigentlich ein Trauerspiel für eine Stadtgemeinde wie Amstetten, und da von einem modernen Baustellenmanagement zu reden ist völlig unverständlich“, macht er seinem Unmut Luft. Er fühlt sich in das Projekt nicht eingebunden und hält auch nichts von der angekündigten Verkehrsberuhigung der Innenstadt. „Was tun wir mit den Leuten, die von der Parksiedlung oder von Ardagger, Viehdorf und Grein hereinkommen und durch die Stadt fahren müssen?

Wie soll das gehen, wenn da am Hauptplatz dann Kinder spielen? Was ist, wenn ein Ball auf die Straße rollt? Man denkt da überhaupt nicht.“ Hanser fragt sich auch, wie ältere oder beeinträchtigte Menschen in die Stadt kommen sollen, wenn es künftig viel weniger Parkplätze gibt. Die Einzelgespräche, zu denen die Stadt die Unternehmer nun geladen hat, sieht er skeptisch. „Wie soll ich zum Baustellenmanagement Wünsche kundtun, wenn ich überhaupt nicht weiß, was kommt. Da gehören, wie bei der Stadterneuerung im Jahr 2002, größere Zusammenkünfte gemacht, damit alle hören, wenn jemand eine gute Idee einbringt, und diese nicht einfach unter den Tisch fallen.“

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Und so sieht ein erster Entwurf der Planer aus, der aufgrund der wenigen Parkplätze auch für Irritation sorgte.
Foto: 3:0 Landschaftsarchitektur

Nicht so skeptisch wie Hanser sieht Wolfgang Ellegast von der Fleischerei Ellegast in der Rathausstraße die geplante Umgestaltung. „Das etwas geschehen soll, halte ich für richtig und auch die Idee mit den Bäumen ist nicht so schlecht.“ Ellegast sorgt sich vor allem um die Zahl der Parkplätze. „Meine Bitte an die Gemeinde ist, dass sie uns die nicht wegnehmen. Die Rathausstraße ist eine Einkaufsstraße und da brauchen wir die Abstellflächen dringend für Leute, die schnell in ein Geschäft gehen und etwas holen wollen.“ Schon jetzt seien in der Rathausstraße viele Parkplätze durch Dauerparker (Anrainer mit einer Parkkarte) blockiert, es dürften nicht noch mehr wegfallen.

Eva Wagner von der Sunshine-Gallery in der Rathausstraße sieht „Veränderungen grundsätzlich positiv, weil sie neue Chancen und Möglichkeiten eröffnen. „Ich bin der Meinung, dass Amstetten etwas Neues braucht und auch, dass wir die Stadt herunterkühlen müssen, weil wir den Klimawandel nicht ignorieren können. Schwammstadt, Wasser und Schatten sind da gute Ansätze.“ Für Wagner ist es aber wichtig, dass die Kaufleute trotz des Umbaus überleben können. Da müsse die Stadt auch alle ins Boot holen. „Denn es hat niemand etwas davon, wenn es am Schluss eine neu gestaltete Innenstadt, aber keine Geschäfte mehr gibt. Mein Laden in der Rathausstraße liegt mitten drinnen. Ich möchte daher genau wissen, wann etwas passiert und wie lange es dauert.“

Sehr viel kritischer sieht Michael Baumann dem Vorhaben der Gemeinde entgegen. Seine Frau Heike ist Inhaberin von „Baumanns concept & store“ in der Rathausstraße. „Ich habe mich in Sachen Schwammstadt eingelesen. Tatsache ist, dass es noch kein Projekt gab, wo man eine Innenstadt, in der die Geschäfte voll in Betrieb, Gebäude bis zu 500 Jahre alt sind, und wo es im Untergrund unzählige Leitungen gibt, umgestaltet hat.“

Alle Kaufleute seien dafür, dass etwas geschehe, aber sie wollten nicht zwei Jahre Chaos vor der Tür haben. „Wir haben Corona irgendwie überlebt, jetzt haben wir Putin und die Inflation und nun kommt auch noch ein Umbau der Innenstadt, der zwei Jahre dauert. Das wird für die Kaufleute eine wirtschaftliche Katastrophe“, befürchtet er. Baumann, wirft der Stadtregierung „Arroganz“ vor und hält die Schwammstadt für ein „politisches Prestigeprojekt der Türkisen, mit dem man Macht demonstrieren will.“ Eine wirkliche Einbindung der Geschäftsleute und vor allem auch der Hausbesitzer gäbe es nicht. „Den einzigen Zugang, den ich für die Betroffenen sehe – und da ist auch schon etwas im Gange – ist, dass sie eine uneingeschränkte Haftungserklärung von der Stadt für die betroffenen Gebäude fordern und diese für Kosten wie Reinigung von Dachrinnen und Abwasserrohren vom Laub der geplanten 100 Bäume aufkommen muss. Eigentlich fehlen mir die Worte, wie man in Amstetten mit Bürgern und Unternehmern umgeht.“

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Amstetten, Adolf Hammerl, steht den Plänen zur Innenstadtgestaltung grundsätzlich wohlwollend gegenüber. „Ob die Schwammstadt technisch gesehen gescheit oder ein Risiko ist, kann ich nicht beurteilen. Da wir als Bank auch in den nächsten Jahrzehnten auf unserem Standort im Zentrum bleiben wollen, sehe ich aber alles, was den Hauptplatz attraktiviert, positiv.“ Hammerl versteht zwar die Sorgen der Unternehmer bezüglich Parkplätze, findet es aber notwendig, in die Zukunft zu denken und nicht immer das Auto ins Zentrum zu rücken. „Stadtentwicklung muss man globaler sehen.“ Für den Sparkassen-Vorstand ist es wichtig – und das hofft er im Einzelgespräch zu erfahren –, wann konkret Bauarbeiten im Bereich der Sparkasse geplant sind und daher der Zutritt für die Kunden erschwert sein wird. Die Sparkasse plant übrigens im Erdgeschoß selbst einige Adaptierungsarbeiten an der Filiale.

Katharina Krammer, Geschäftsführerin des Weltladens am Hauptplatz, freut sich auf die Umgestaltung. „Die Idee der Schwammstadt und, dass mehr Bäume kommen, finden wir gut. Man sieht ja jetzt bei der Hitze, dass wenig los ist in der Stadt. Wenn es mehr Schatten und auch Wasser gibt, wird das sicher anders sein.“ Krammer begrüßt auch die Begegnungszone und, dass es weniger Autos in der Stadt geben soll. Ihre Wünsche bezüglich Baustellenmanagement wird sie im Einzelgespräch einbringen. „Wir wissen, dass das für alle eine harte Zeit wird und gut koordiniert werden muss. Aber es ist gut, dass etwas passiert und Amstetten sich auf die Zukunft vorbereitet.“

Eine Stellungnahme hat auch die Wirtschaftskammer abgegeben. Grundsätzlich begrüßt man das Vorhaben zur Attraktivierung der Innenstadt. „Das muss aber mit viel Gespür angegangen werden und wir erwarten uns ein innovatives Baustellenmanagement, damit der stationäre Handel und die Kundenfrequenz möglichst wenig beeinträchtigt werden“, sagt Andreas Geierlehner . Wichtig sei, dass der Kunde auch künftig in die Stadt hineinfahren und sein Auto so abstellen könne, dass er kurze Wege zu den Geschäften habe. „Denn die Kaufstromanalyse zeigt, dass zwei Drittel des Gesamtumsatzes aus dem Umland kommt.“

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