Schwester über Leben im Orden: „Sind nicht weltfremd“. Schwester Franziska, Generaloberin der Franziskanerinnen, erinnert sich an ihren Eintritt in den Orden und erzählt, warum Klosterschwestern mitten im Leben stehen.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 06. Januar 2018 (06:11)
Doris Schleifer-Höderl
Schwester Franziska erinnert sich gerne an ihre Zeit als Schülerin des ersten Jahrganges der HBLA Amstetten, heute HLW, zurück. „Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft und meine Lieblingsfächer Steno, Maschinschreiben und Buchhaltung kommen mir heute in meinem Amt als Generaloberin sehr zugute.“

„Ich bin in Rapot tenstein geboren, bin also eine Waldviertlerin. Kennengelernt habe ich den Orden während meines ersten Jahres in der Handelsschule in Zwettl. Die Gemeinschaft hat mich so fasziniert, dass für mich schon mit 15 Jahren feststand, dass ich Klosterschwester werden möchte“, berichtet Generaloberin Schwester Franziska.

Schon im Jahr darauf kam sie als Kandidatin nach Amstetten ins Mutterhaus, das ja der Ort für die Ordensausbildung der angehenden Schwestern ist. Da sie noch so jung war, entschloss sie sich dazu, die HBLA (HLW) zu absolvieren, weil sie später im Orden als Hauswirtschaftslehrerin eingesetzt werden sollte.

„Waren eine eingeschworene Gemeinschaft“

„Kurz vor Schulbeginn machte ich die Aufnahmeprüfung und mit elf weiteren Mädchen bildeten wir den ersten Jahrgang des neuen Bildungszweiges, damals noch untergebracht im Amstettner Gymnasium“, erinnert sich die nun 57-jährige Ordensfrau. „Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft, wir haben immer viel gemeinsam unternommen und sind auch gegen Ungerechtigkeiten geschlossen aufgetreten.“

Die Lieblingsfächer von Schwester Franziska waren Stenografie, Maschinschreiben und Buchhaltung. „Da hatte ich natürlich auch schon Vorkenntnisse, weil ich diese Fächer bereits in der Handelsschule in Zwettl hatte. Sie kommen mir auch noch heute in meinem Amt als Generaloberin zugute.“

Schon als Mädchen war Schwester Franziska im kirchlichen Bereich engagiert. Ihr Vater war Vorbeter und im Pfarrgemeinderat von Kirchbach tätig. Sie war in Zwettl auch in der Jugendlegio integriert. Es habe sie, so erzählt sie, schon immer fasziniert, mit anderen zu beten, ältere Menschen zu besuchen oder in der Kirche zu helfen.

Mit 21 Jahren die Profess abgelegt

Ganz leicht gefallen ist es Schwester Franziska, die mit drei Brüdern und zwei Schwestern aufgewachsen ist, damals allerdings nicht, ihre Eltern von ihrem Entschluss zu informieren.

„Ich habe zuerst meine Oma gebeten, es meiner Mutter zu sagen. Dann habe ich aber doch selbst allen Mut zusammengenommen, bin in die Küche gegangen und habe meine Mutter angesprochen. Sie fragte mich nur: ,Glaubst du, dass dort alles golden ist?‘. Ich entgegnete ihr: ,Mit Sicherheit nicht!‘ und das war es dann. Mehr wurde über meinen Entschluss an diesem Abend nicht mehr gesprochen.“

Bereut hat die Klosterschwester ihren Schritt nie und würde sich heute sofort wieder dazu entschließen Ordensfrau zu werden. „Ich wollte immer für andere da sein, den Glauben leben und damit verbunden Bildung vermitteln.“

Seit 2004 ist Schwester Franziska Generaloberin der Am stettner Franziskanerinnen und auch stellvertretende Leiterin der Vereinigung der 105 Frauenorden Österreichs. Zwölf Schwestern sind derzeit in Amstetten im Orden tätig und sie bemerken in den letzten Jahren eine vermehrte Sehnsucht der Menschen nach dem Glauben.

„Vor allem durch Papst Franziskus haben sich viele Möglichkeiten aufgetan, um die christliche Grundhaltung durch unser Leben zu veranschaulichen. So gut es geht, ergreifen wir diese Chancen. Wir sind keine weltfremden Menschen, die sich abkapseln. Ganz im Gegenteil, wir Franziskanerinnen wollen mitten im Leben stehen, denn unser Einsatz für Glaube, Bildung, Ehrfurcht vor der Schöpfung und Menschenwürde ist heute wichtiger denn je!“