„Sonderschule ist wichtig“. ÖAAB startete Unterschriftenaktion und erhält dabei Unterstützung von Eltern und Lehrern.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 13. Juni 2017 (05:18)
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Für den Erhalt der Sonderschule: Lehrervertreter Martin Traxler, Amstettens Vizebürgermeister Dieter Funke, Nationalrat Andreas Hanger, Mutter Maria Schwein-Kodomayr, Landesschulratspräsident Johann Heuras, ÖAAB-Bezirskobmann Hannes Pressl, die Direktorinnen Elisabeth Domesle, Elisabeth Mayer und Michalea Möbius sowie Haags Bürgermeister Lukas Michlmayr.

Signalen aus dem Unterrichtsministerium, die Allgemeinen Sonderschulen abschaffen zu wollen, erteilte in der Vorwoche der ÖAAB im Bezirk mit Unterstützung von Lehrern und Eltern eine klare Absage. Auch Landesschulratspräsident Johann Heuras war in die Amstettner Sonnenschule gekommen, um seinen Standpunkt klarzulegen. „Eine besonders schlechte Pädagogin ist die Verunsicherung und gerade diese löst die momentane Inklusionsdebatte aus.

Eltern wissen nicht, wie es mit ihren Kindern weitergeht und auch Lehrer sorgen sich um ihre Zukunft. Das ist kontraproduktiv“, kritisierte er. Für Heuras ist die Idee, alle Kinder in einer Regelschule zu betreuen, eine Illusion. Man brauche die Inklusion, aber auch die Sonderschulen. „Denn es kann nicht jede Regelschule die Infrastruktur anbieten, die es in einer sonderpädagogischen Einrichtung gibt. Außerdem sollen die Eltern die Wahlmöglichkeit haben.“

Derzeit gibt es in NÖ rund 3.000 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, davon besuchen rund 48 Prozent eine Sonderschule, 52 Prozent Integrationsklassen. Für Heuras ist da der Plafond noch nicht erreicht. „Ich glaube, dass eine Inklusionsquote von 65 bis 70 Prozent machbar ist, aber dann brauchen wir immer noch die Sonderschuleinrichtungen.“

Die Leiterin der Sonnenschule, Elisabeth Domesle, berichtet, dass der Begriff Sonderschule leider noch immer negativ behaftet sei. „Wir haben deshalb vor 17 Jahren in Amstetten den Namen Sonnenschule eingeführt und der hat sich erfreulicherweise durchgesetzt.“ Domesle glaubt, dass die vielfältigen Angebote einer Sonderschule in einer Regelklasse einfach nicht geboten werden können.

„Es muss um das Wohl der Kinder gehen“

Als Leiterin des Zentrums für Integrative Pädagogik in der Schulgemeinde Amstetten ist Domesle zugleich auch für die Betreuung jener Kinder mit besonderen Bedürfnissen (und derenen Eltern und Lehrer) zuständig, die in Regelschulen unterrichtet werden. „Das Ziel ist hier wie da, den Kindern langfristig die Teilnahme an allen Bereichen des Lebens zu ermöglichen. Ich bin aber sicher, dass die Abschaffung der Sonderschulen uns um 50 Jahre zurückwerfen würde.“

Direktorin Michaela Möbius aus Waidhofen hebt hervor, dass die Sonderschulen ja im Gegensatz zu den Regelschulen keine Schüler ablehnen dürften. „Und so individuell auf ein Kind einzugehen, wie das bei uns geschieht, wird in der Regelschule kaum möglich sein.“

Elisabeth Mayer, Direktorin der Allgemeinen Sonderschule in Haag, betont, dass man bei der Diskussion nicht aus den Augen verlieren dürfe, dass es vor allem um das Wohl des Kindes gehe. Als Mutter einer Tochter mit Trisomie 21 (Down Syndrom) weiß sie ganz genau, wovon sie spricht. „Wir haben selbst überlegt, ob wir unsere Tochter in die Sonderschule geben sollen oder nicht. Inzwischen sind wir sehr froh darüber. Ich glaube nicht, dass die Fortschritte, die sie gemacht hat, in einer Integrationsklasse möglich gewesen wären.“ Genauso sieht das Mutter Maria Schwein-Kodomayr. Ihr Kind besucht die Sonnenschule. „Diese Schule ist super, die Lehrer sind sehr, sehr gut und die Betreuung ist optimal. Sie muss einfach bestehen bleiben!“

Für den Haager Bürgermeister Lukas Michlmayr steht das auch außer Frage. „Die Diskussion ist ja auch für uns Schulerhalter ein Problem, weil wir nicht wissen, wie künftig der Raumbedarf aussehen wird. Wie sollen wir da Entscheidungen treffen?“ Er fragt sich auch, wer die Kosten für eine Inklusion tragen wird. „Denn da braucht man in den Regelschulen viele zusätzliche Betreuungskräfte. Die Gemeinden können das nicht zahlen. “

Für Amstettens VP-Vizebürgermeister Dieter Funke ist Inklusion in der Bezirkshauptstadt für die nächsten 30 Jahre ohnehin kein Thema. „Wir haben gerade eine Zentralschule gebaut. Wir hätten nicht den zusätzlichen Platz dafür.“

Der NÖ-Lehrer-Personalvertreter Martin Traxler bescheinigt den Pädagogen in den Sonderschulen hervorragende Arbeit. „Ich kann nur unterstreichen, was die Mütter gesagt haben. Und die Wahlfreiheit für die Eltern muss erhalten bleiben.“

Die ÖAAB-Vertreter, Bezirksobmann Hannes Pressl und Nationalrat Andreas Hanger, stehen natürlich ganz aufseiten der Lehrer und Eltern. „Wir haben auch eine Unterschriftenliste ins Leben gerufen, wo man sich für den Erhalt der Sonderschulen aussprechen kann.“

Schülerzahlen

Amstetten: 126 Kinder besuchen die Sonnenschule, 34 die Heilklassen in Mauer und die Klasse im Krisenzentrum. 68 Kinder in Regelschulen werden im Rahmen des Zentrums für Inklusiv- und Sonderpädagogik betreut (ZIS),

Waidhofen: Sonderschule: 56 Kinder, ZIS: 75 Kinder

Haag: Sonderschule: 89 Kinder, ZIS: 60 bis 70 Kinder

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