Soogut sucht Freiwillige. Obwohl Bedarf steigt: Fördergelder für Sozialmärkte mit Jänner gestrichen.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 30. Januar 2020 (04:34)
Soogut-Öffentlichkeitssprecherin Uschi Oswald, Amstetten-Marktleiter Ingomar Golob und seine Stellvertreterin Marianne Hinterberger haben im Vorjahr wieder mehr Einkäufe verzeichnet und suchen bedingt durch den Wegfall von Fördergeldern dringend ehrenamtliche Mitarbeiter.Schleifer-Höderl
Doris Schleifer-Höderl

Dass es die soogut-Sozialmärkte braucht, ist unumstritten. Insgesamt werden derzeit sieben Märkte sowie drei zusätzliche Verkaufsstellen in Niederösterreich betrieben. Obwohl die Zahl der Kunden und der Bedarf ständig steigen, hat nach dem AMS im Jänner 2019 mit Anfang dieses Jahres auch das Land die Fördergelder eingestellt. „Wir sind deshalb zu Umstrukturierungsmaßnahmen gezwungen“, erklären soogut-Öffentlichkeitssprecherin Uschi Oswald und Ingomar Golob, Leiter der Standorte St. Pölten und Amstetten, wie auch Logistikleiter sowie Waren- und Spendenbeauftragter von soogut.

Konkret muss die Zahl der Hauptmitarbeiter um die Hälfte reduziert werden. Die Sozialmärkte sind daher künftig auf freiwillige Helfer angewiesen, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. „Wir brauchen zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter, die uns regelmäßig bei der Warenabholung, beim Sortieren von Obst und Gemüse, bei der Regalbetreuung, im Lager sowie im Verkauf, im Second Hand Bereich, beim Kochen und Servieren, bei der Kassatätigkeit sowie in der Warenbeschaffung unterstützen“, erklärt Ingomar Golob. Wünschenswert sind tageweise Einsätze, die sich im zeitlichen Ausmaß von etwa fünf bis sechs Stunden bewegen.“

Täglich rund 100 Kunden im Markt

Im vergangenen Jahr haben im Schnitt täglich rund 100 Kunden im Markt in der Wagmeisterstraße 7 in Amstetten eingekauft und im Schnitt 7,66 Euro pro Einkauf ausgegeben. „Derzeit werden an die 2.800 Menschen durch diesen Sozialmarkt versorgt“, sagt Ingomar Golob.

„Mit den Verkaufsstellen St. Valentin und Waidhofen an der Ybbs sind es sogar rund 3.000 Menschen. Vor allem Mindestpensionisten, Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen zählen zu unseren Kunden – und es werden immer mehr!“ Altersmäßig sind es vor allem Menschen ab 40 plus, die im Sozialmarkt einkaufen. Viele können die steigenden Lebenserhaltungskosten kaum noch abdecken. „Darum ist es auch so wichtig, dass es uns weiterhin gibt. Schade, dass es noch immer Leute gibt, die das nicht erkennen“, sagt Amstettens Marktleiter-Stellvertreterin Marianne Hinterberger.

Soogut hofft natürlich auch weiterhin auf die Unterstützung der Firmen und Betriebe, die Waren zur Verfügung stellen. „Aber auch Geldspenden sind künftig für uns sehr wichtig. „Die Reduktion der Mitarbeiter bringt zwar Einsparungen im Bereich der Personalkosten, die Instandhaltungs- und Mietkosten sind jedoch gleichbleibend und müssen aus Eigenwirtschaftlichkeit finanziert werden“, sagt Uschi Oswald.

Sie möchte aber auch einkaufsberechtigte Menschen bestärken, im soogut-Sozialmarkt einzukaufen. „Wir möchten ihnen Bewusstsein darüber vermitteln, dass sie mit ihren Einkäufen einen wichtigen Beitrag leisten. Sie kaufen nachhaltige Lebensmittel ein. Lebensmittel, die bereits produziert und Umweltressourcen verbraucht haben und nun für die Entsorgung bestimmt sind. Auch unser Second Hand Bereich setzt ein klares Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft.“

soogut-markt bringt Menschen zusammen

soogut hat aber auch eine wichtige soziale Komponente. Durch das Café, wo täglich auch mittags Menüs ausgegeben werden, treffen unterschiedlichste Bevölkerungsschichten aufeinander – jene, die zum Einkauf bei soogut mittels Einkaufspass berechtigt sind, aber auch jene, die ihre Mittagspause hier verbringen. „Im Vorjahr haben wir etwa 40 Portionen pro Küchentag ausgegeben. Insgesamt wanderten rund 8.320 Mittagsmenüs über die Theke“, sagt Hinterberger.