Sorge um Familie: "Schaut schlimm aus in Afghanistan!"

Der gebürtige Afghane Mohammed Hamid (33), der sechs Jahre in Amstetten verbrachte und 2020 nach Wien zog, wo er jetzt mit Frau und Kind lebt, verfolgt die Ereignisse in seinem Heimatland sehr genau. „Die Situation schaut ganz schlimm aus. Viele Menschen in Afghanistan haben jetzt große Angst“, berichtet er.

Hermann Knapp
Hermann Knapp Erstellt am 26. August 2021 | 14:26
Frauen in Afghanistan sind besonders gefährdet
Frauen in Afghanistan sind besonders gefährdet
Foto: APA/AFP

Hamid musste 2014 aus Afghanistan fliehen – weil er als Dolmetscher für die amerikanische Armee arbeitete, wurde er bedroht. Zuerst ging er nach Russland und kam von dort nach Österreich. Inzwischen hat er eine Daueraufenthaltsgenehmigung, hat eine Ausbildung zum Mechatroniker absolviert und ist in einem Unternehmen in Wien beschäftigt.

Seine Eltern und Geschwister leben noch in Kabul und Hamid macht sich große Sorgen um sie. Seine Mutter und eine Schwester sind Lehrerinnen, auch seine zweite Schwester arbeitet. „Doch jetzt können sie nicht einmal mehr aus dem Haus gehen.  Freunde und Bekannte erzählen mir, dass Menschen geschlagen und gequält werden.“ Er steht per WhatsApp mit seinen Lieben in Afghanistan in Kontakt. Weil die Banken zu sind, haben sie auch kein Geld zur Verfügung.

Den Beteuerungen der Taliban, dass niemand, der im Land bleibt, Angst haben müsse, glaubt Hamid nicht. „Ich fürchte, dass es sein wird wie bei ihrer ersten Herrschaft bis 2001, als sie Furcht und Schrecken verbreitet haben. In den letzten 20 Jahren haben viele unserer jungen Leute eine Ausbildung gemacht und eine Universität besucht, das wird nun alles nicht mehr gehen.“

Von der Vorgänger-Regierung ist Hamid enttäuscht. „Unser Präsident und seine Regierung haben einen Handel mit den Taliban gemacht. Sie haben das Land übergeben und sich ins Ausland abgesetzt. Aber sie waren auch eine eigene autoritäre Gruppe und auch nicht demokratisch. Das hat es den Taliban auch so leicht gemacht, das Land zu übernehmen.“ Hamid vermutet auch, dass die CIA mit den Taliban in Kontakt ist. „Es hat da sicher geheime Gespräche gegeben, nur worüber, weiß niemand.“

Vom Westen wünscht sich der Afghane, dass er die Menschen in seiner Heimat in dieser Situation unterstützt, vor allem jene, die noch das Land verlassen wollen. „Wenn ich mir vorstelle, dort zu sein, fühle ich mich schrecklich. In Gedanken bin ich bei meiner Familie. Sie haben keine Chance herauszukommen.“

Keinesfalls, so Hamid, sollten jetzt Menschen nach Afghanistan zurückgebracht werden. „Denn das wäre, wie wenn man sie ins Feuer schickt.“