Tabu Gewalt: Prävention dank Film. Neuer Film zeigt die Arbeit des Amstettner Kidsnest-Kinderschutzzentrums.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 11. Dezember 2020 (06:19)
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Kidsnest-Kinderschutzzentrum- Leiterin Theresia Ruß hofft mit dem Imagefilm, die Hemmschwelle, sich an die Einrichtung zu wenden, zu senken.
Kidsnest- Kinderschutzzentrum

Das Kidsnest-Kinderschutzzentrum ist Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche und deren Familiensystem bei allen Formen der Gewalt. „Als Facheinrichtung bieten wir seit 20 Jahren Hilfe und Unterstützung an“, berichtet Kidsnest-Kinderschutzzentrum-Leiterin Theresia Ruß. „Der Film gibt einen Einblick in unsere praktische Arbeit und zeigt Haltungen auf, die für die Arbeit notwendig sind.“

Gemeinsam mit dem Filmteam Sonority und Kindern als Laienschauspielern, die keine Betroffenen sind, hat man einen Film produziert. Ziel ist es, dass die Hemmschwelle, sich an ein Kidsnest-Kinderschutzzentrum zu wenden, sinkt. Gefördert ist der Film vom Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend im Rahmen eines Projektes der Plattform gegen Gewalt. „Gewalt in allen verschiedenen Formen ist keine Privatsache und soll immer beendet werden. Dies kann auch nur in Teams und einem Netzwerk von Unterstützern passieren“, erklärt die Diplomsozialarbeiterin und Mediatorin Ruß.

„Von Entsetzen über Mitleid bis hin zur Dämonisierung kochen Emotionen bei öffentlichen Diskussionen zu diesem Thema hoch.“ Kidsnest-Kinderschutzzentrum- Leiterin Theresia Ruß über Gewalt in den Familien

Im Vorjahr hat das Kidsnest 492 Personen in 3.222 Beratungs- und Therapiestunden betreut. „Doch nach wie vor gibt es viele, die sich aus Scham nicht an uns wenden“, so Theresia Ruß. Grund dafür: Wenn Kinder und Jugendliche und deren Familiensystem von Gewalt in allen möglichen Formen betroffen sind, kann die Reaktion von außenstehenden Menschen darauf sehr unterschiedlich sein. „Von Entsetzten über Mitleid bis hin zur Dämonisierung kochen Emotionen bei öffentlichen Diskussionen zu diesem Thema hoch. In den Medien werden besonders schwerwiegende Tragödien von sexuellem Missbrauch, Quälen von Kindern bis hin zu Mord gezeigt“, erklärt Ruß.

Dahinter sei oft ein langer, intensiver Leidensweg von Kindern und Jugendlichen verborgen. Meist gäbe es eine Spaltung in der Bevölkerung zu dem Thema: Die einen verharmlosen, die anderen verteufeln. Bei der Diskussion bemerke man oft Ohnmacht und Hilflosigkeit. „Kinder haben keine eigene Stimme in der Öffentlichkeit, sie sind auf uns Erwachsene angewiesen“, weiß Ruß. Mit dem Film, den es in einer Kurzversion sowie in einer Landversion auf YouTube zu sehen gibt (siehe Infobox), soll das Tabu gebrochen und aufgezeigt werden, dass Hilfe notwendig und möglich ist.