Gebürtige Russin Anna Wirth: „Der Krieg ist ein echter Albtraum“

Erstellt am 02. März 2022 | 03:34
Lesezeit: 3 Min
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Anna Wirth (vorne mit Baby auf dem Arm) mit Ehemann Maximilian Wirth und Freunden beim noch völlig unbeschwerten letzten Russland-Urlaub im Jahr 2018. Im April hatte die gebürtige Russin, die seit 2005 in Österreich lebt, den nächsten Heimaturlaub bei ihren Eltern und der Familie ihrer Schwester in Moskau geplant. Dieser scheint jetzt in weite Ferne gerückt zu sein.
Foto: Familie Wirth
Anna Wirth ist gebürtige Russin, in Moskau aufgewachsen und lebt seit 2005 in Österreich. Der NÖN schilderte sie die zwei Sichtweisen dieses Krieges.
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Anna Wirth kennen im Mostviertel viele aus dem Fernsehen. Die gebürtige Russin, die 2005 als Assistentin der Geschäftsführung der Firma Umdasch nach Österreich gekommen war, ist Redakteurin bei M4TV, dem Fernsehsender ihres Mannes Maximilian Wirth. Ihre Eltern und die Familie ihrer Schwester leben noch in Moskau. Sie führen derzeit ein noch normales Leben, „wobei sie wie sehr viele russische Bürger unter Schock stehen. Denn mit einem echten Krieg gegen die gesamt Ukraine hat auch in Russland niemand gerechnet. Wir alle haben geglaubt, dass es bei einem lokalen Militär-Konflikt in Luhansk und Donezk bleibt“, schildert Anna Wirth. Viele Russen würden sich auch für das Verhalten Russlands schämen. Die täglichen Demos in Russland seien ein Zeichen, dass die einfachen Menschen diesen Krieg nicht wollen.

Laut Wahrnehmung von Anna Wirth sind Russen und Ukrainer zwei Völker, die einander sehr nahe stehen. „Wir haben zwar unterschiedliche Pässe, Währungen und Präsidenten, aber ein gemeinsames Kulturerbe. Viele in Russland beliebte Schauspieler und Sänger stammen aus der Ukraine. Jeder Russe hat eine Verbindung in die Ukraine – Verwandte, Schulfreunde, Geschäftspartner oder Kollegen. Das macht diesen Krieg so dramatisch und so brutal. Für die meisten ist dieser Krieg ein echter Albtraum“, sagt Anna Wirth.

Sie und viele ihrer Freunde und Bekannten haben den Eindruck, dass die einzigen, die diesen Krieg wollen, die Politiker seien. „Nur je länger der Krieg dauert, desto schwieriger wird es, wieder zusammenzufinden. Zurück bleibt dann gegenseitiger Hass. Und das macht mich traurig“, sagt Anna Wirth, hofft und betet darum, dass die Politiker doch bald zu einer friedlichen Lösung kommen.

Anna Wirth will den NÖN-Lesern aber auch die andere Sicht auf diesen Krieg nicht vorenthalten. Denn auch diese gibt es in ihrem Heimatland sowie vor allem in der Ost-Ukraine. Eine ehemalige Schulkollegin aus Donezk nimmt diesen Krieg ganz anders wahr. „Dieser Militär-Konflikt ist nicht neu. Der hat vor acht Jahren begonnen und bereits vielen Menschen das Leben gekostet. Nur in diesen acht Jahren waren es die ukrainischen Soldaten, die die Dörfer im Donezk becken geplündert und die dort lebende russische Bevölkerung brutalst behandelt haben. Ich habe viele Gruselgeschichten, die ich gerne für immer vergessen würde, aber es funktioniert nicht“, ist es für die Schulkollegin aus Donezk klar, dass das, was jetzt passiert, irgendwann einmal so passieren musste.

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