Verkehrssystem Veränderung wäre „ein Topfen“. Berechnungen ergaben: Linksabbiegen auf Linzer Straße würde nur ein Chaos verursachen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 08. Dezember 2017 (05:02)
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„Der Individualverkehr stößt irgendwann an seine Grenzen“, sagt FP-Stadträtin Brigitte Kashofer.
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Die Firma Snizek hat der Politik nun ihre Analyse vorgelegt, welche Auswirkungen eine Veränderung des Verkehrssystems in der Innenstadt haben würde. Dabei ging es unter anderem darum, ob man auf der Rathausstraße wieder Gegenverkehr zulassen solle und auch, ob es Sinn macht, Autos, die aus der Kirchenstraße und der Rathausstraße kommen, nach links auf die Linzer Straße ausbiegen zu lassen.

Das Ergebnis lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig: „Alle Berechnungen haben gezeigt, dass eine Verbesserung der Verkehrslage mit einfachen Mitteln nicht zu erreichen ist“, berichtet Verkehrsstadträtin Brigitte Kashofer. Zudem sei für die Innenstadt ja neben dem Auto- auch der Rad- und Fußgängerverkehr wichtig. „Auf die Radstreifen wollen wir daher keinesfalls verzichten.“

Das sieht auch SP-Verkehrssprecher Bernhard Wagner so. „Wir haben ein radfahrerfreundliches Verkehrskonzept und es wäre unsinnig, wenn wir das um teures Geld verschlechtern würden, noch dazu, wo sich für die Autofahrer auch nichts verbessern würde.“

„Wir brauchen eine Grundsatzentscheidung“

Das Snizek-Modell habe ganz klar aufgezeigt, dass alle diskutierten Maßnahmen im Zentrum eine negative Auswirkung auf andere Bereiche haben würden. Belastet würde dadurch vor allem der Kreisverkehr Linzer Straße. Wagner erinnert zudem daran, dass man das Europan-Projekt nicht außer Acht lassen dürfe. „Denn das wird die Verkehrssituation im Zentrum gravierend verändern.“

Für ÖVP-Mobilitätssprecher Markus Brandstetter haben die Snizek-Berechnungen nur das ergeben, was er ohnehin erwartet hatte. „Im Endeffekt würden wir mit jeder Systemveränderung derzeit nur eine Verschlechterung erreichen.“ Für den VP-Gemeinderat gilt es nun im Verkehrsauschuss eine Grundsatzentscheidung zu treffen: „Welche Technologie wollen wir forcieren und welche Verkehrsmittel setzen wir künftig ein?“ In diese Überlegungen müssten, so Brandstetter, auch die Umlandgemeinden eingebunden werden. „Vielleicht können wir das wieder in einer Art Stadterneuerungsprozess machen. Ich lade jedenfalls jetzt schon alle Bürger ein, mir Ideen und Anregungen per E-Mail zu senden.“

Begegnungszone würde Verschlechterung bringen

Für Verkehrsstadträtin Brigitte Kashofer ist klar, dass der Individualverkehr in Amstetten irgendwann an seine Grenzen stoßen wird. „Daher muss in Zukunft der Schwerpunkt der Politik auf dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs liegen. Da geht es um eine Erweiterung der Betriebszeiten ebenso wie um neue Verkehrssysteme. Die Stadt beteiligt sich deshalb auch am Regionalen Mobilitätsmanagement des Landes und wurde erst am 23. November als Mobilitätsgemeinde ausgezeichnet“, berichtet die FP-Politikerin.

Auch für die Grünen ist klar, dass man der ständigen Zunahme des Individualverkehrs einen Riegel vorschieben muss. „Da wird man um den Ausbau des öffentlichen Verkehrs nicht herumkommen. Überlegenswert ist sicher auch, Parkplätze am Stadtrand zu schaffen und die Pendler mit einem engmaschigen Busnetz zum Bahnhof zu transportieren“, sagt Gemeinderätin Sarah Huber.

Eine Umgestaltung des Verkehrskonzeptes im Zentrum kommt derzeit auch für sie nicht infrage: „Wenn wir Autos von der Kirchenstraße und Rathausstraße nach links ausbiegen lassen, dann würden wir oben beim C&A eine tägliche Frequenz von 23.000 Fahrzeugen haben. Da bricht dort alles zusammen. Auch die Einrichtung einer Begegnungszone in der Rathausstraße würde nur eine Verschlechterung bringen. Das wäre ein Topfen, wenn wir das machen würden.“