Amstetten

Erstellt am 18. Januar 2017, 05:26

von Doris Schleifer-Höderl

Vom Hirten zum Jedermann. Josef Maderthaner, Leiter der Theatergruppe „TheSaStA“, feiert seinen 80. Geburtstag. Seit seinem achten Lebensjahr steht er auf der Bühne, bis dato in 90 verschiedenen Rollen.

Josef Maderthaner mit der von seiner Gattin gestalteten Tonfigur des Herrn Karl, den er von 2003 bis 2005 zwölf Mal spielte, und mit dessen Verkörperung er einen großen Publikumserfolg erzielte. Sein Credo: „Jede Rolle muss man verinnerlichen und mit der eigenen Persönlichkeit wiedergeben.“Schleifer-Höderl  |  NOEN, Doris

„Ich bin unendlich dankbar für mein Leben“, berichtet Josef Maderthaner. „Ein runder Geburtstag animiert ja dazu, zurückzublicken, und ich kann wirklich sagen, ich hätte es nicht besser haben können!“ Der Achtziger ist für den Theaterleiter überhaupt keine große Sache. „Er ist kein Verdienst, wie auch die Gesundheit, die mir geschenkt wurde. Das Theater hat mich quasi jung gehalten.“

Texte lernen und auf der Bühne oft auch körperlicher Einsatz sind für den Amstettner ein wahrer Jungbrunnen. „Mein Lebtag habe ich kein Fitnesscenter gebraucht! Und die kleinen grauen Zellen funktionieren noch immer tadellos. Nur um eines habe ich meine Gattin gebeten, wenn sie merkt, dass ich auf der Bühne nachlasse, dann soll sie es mir sagen. Dann trete ich gerne ab, denn auf die Nerven fallen will ich wirklich niemandem.“

„Karrierestart“ als Hirte im Weihnachtsspiel

Begonnen hat alles im Jahr 1945, als der achtjährige Joschi bei der Weihnachtsfeier des Kriegsopferverbands im Am

stettner Stadtsaal einen Hirten mimte. „Ich weiß zwar nicht mehr, ob ich schon damals auf den Geschmack gekommen bin, aber es war tatsächlich der Beginn von allem.“ Fünf Jahre später spielte Josef Maderthaner schon in diversen Sketches und Weihespielen der Pfadfinder und Salesianer.

Mit 20 gab er zum ersten Mal den Jedermann, nahm Schauspielunterricht bei Emo Cingl am Linzer Landestheater sowie Sprachunterricht bei Gustav Dieffenbacher am Volkstheater Wien. „Kurz dachte ich daran, den Schauspielberuf als Profi auszuüben, doch ich bereue es heute keinen Moment, es nicht getan zu haben. Denn wenn man sich die Branche so betrachtet, so ist der Broterwerb des Schauspielers mehr als hart. Nur wenige schaffen es an die Spitze.“

So blieb Josef Maderthaner Banker und war vor seiner Pensionierung Leiter der Innenrevision der Volksbank Amstetten. Das Theater war und ist seine große Leidenschaft. „Wenn mich meine Frau nicht so unterstützt hätte, wäre es allerdings nicht gegangen“, meint Mader thaner, Vater von zwei Töchtern und einem Sohn, siebenfacher Großvater und mittlerweile auch schon Urgroßvater. „Dafür bin ich ihr ewig dankbar und auch dafür, dass sie meine größte Kritikerin ist. Auf ihr Urteil konnte und kann ich mich stets verlassen.“

Theater fängt das Leben auf kleinstem Raum ein

Im Laufe der Jahrzehnte, im Herbst 1966, kam es unter Mitwirkung des damaligen Kaplans Erich Resch zur Gründung der Theatergruppe „TheSaStA“. Maderthaner spielte über die Jahre an die 90 verschiedene Rollen. Vorbilder hatte er nie. „Es ist einfach nicht gut, wenn man jemanden nachahmt. Für mich waren Authentizität, die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Figur sowie der Inhalt des Stückes und sein geschichtlicher Hintergrund immer enorm wichtig. Eine Rolle spielen heißt nämlich nicht, sich zu verstellen, sondern sie zu verinnerlichen und mit der eigenen Persönlichkeit wiederzugeben.“

Josef Maderthaner steht jedoch nicht nur selber auf der Bühne, er liebt es, auch Zuschauer zu sein. Mit seiner Gattin besucht er daher immer wieder gerne das Burgtheater oder das Linzer Landestheater. „Es ist einfach eine andere Welt, in die man eintauchen kann. Dabei kann man tatsächlich Leben leben lernen, denn nichts anderes ist Theater. Es fängt das Leben auf kleinstem Raum ein.“