Westbahn bietet keine Zeitkarten Richtung Linz mehr an. Pendler sind verärgert. Westbahn fährt nur noch im Stundentakt und bietet auch keine Monats- und Jahreskarten mehr an.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 24. Dezember 2019 (04:42)
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Viele Pendler, die bislang die Westbahn genutzt haben, überlegen, mit der Fahrplanänderung wieder auf das Auto umzusteigen.
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Matthias Lueger ist nicht gut auf die Westbahn zu sprechen, weil es aus seiner Sicht mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember zu massiven Verschlechterungen für Pendler von Amstetten nach Linz gekommen ist. „Ich habe bisher die Westbahn für meinen Weg zur Arbeit und retour genutzt, die letzten zwei Jahre sogar zu einem überdurchschnittlich günstigen Preis von 599 Euro“, berichtet Lueger. Jetzt habe das Unternehmen aber den Halbstundentakt eingestellt. Der Grund dafür: Die Westbahn plant die Hälfte ihrer Zuggarnituren zu wechseln und hat für die alten rascher einen Abnehmer gefunden, als erwartet. Da die neuen Garnituren erst in zwei Jahren geliefert werden, kann der Halbstundentakt nicht aufrecht erhalten werden. Das Problem für die Pendler ist, dass nun für die Strecke Amstetten–Linz von der Westbahn überhaupt keine Monats- oder Jahreskarten mehr angeboten werden. Sie müssten also jeden Tag eine Karte kaufen oder auf die ÖBB-Railjets umsteigen, in denen dann aber der Platz knapp werden dürfte.

Falsches Signal in Zeiten der Klimakrise

„Wir sprechen da ja von ein paar hundert Leuten, die vernünftig in die Arbeit fahren und nicht, wie in einen Hühnerstall in überfüllte Waggons gepfercht werden wollen. Da ist es sonst angenehmer und auch wirtschaftlicher mit dem Auto zur Arbeit zu fahren“, sagt Lueger. Gerade in Zeiten der Klimakrise sei das natürlich aber das völlig falsche Signal. Lueger fordert daher, dass die Westbahn ihre Zuggarnituren auch wieder den Pendlern zur Verfügung stellt, zwar nicht mehr so günstig wie bisher, aber doch um einen Preis von rund 1.000 Euro im Jahr. „Das wäre ein Ansporn auch weiterhin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.“

Übrigens: Richtung St. Pölten gibt es Monats- und Jahreskarten.

Pressesprecherin Ines Volpert betont, dass die Westbahn ein privatwirtschaftliches Unternehmen ohne staatliche Unterstützung sei und daher nach streng wirtschaftlichen Kriterien Entscheidungen treffen müsse: „Die sehr günstige Jahreskarte um 599 Euro von Amstetten Richtung Linz haben wir vor zwei Jahren nur deshalb aufgelegt, weil durch die Einführung unserer zweiten Linie vor allem Pendler, die aus dem Ybbstal gekommen und bislang auf den Railjet umgestiegen sind, diesen nicht mehr erreichen konnten. Ihnen wollten wir damit entgegenkommen.“

Durch die Rücknahme des Halbstunden-Taktes werde die Uhr aber nun wieder auf die Zeit vor Dezember 2017 zurückgedreht und die Pendler könnten wieder mit dem Railjet fahren. Daher gäbe es keinen Grund mehr für die vergünstigten Zeitkarten. „Ich habe natürlich volles Verständnis dafür, dass die Pendler nicht begeistert sind, aber wir als Unternehmen müssen eben entscheiden, welche Produkte wir für sinnvoll erachten und welche nicht“, sagt Volpert.