NSDAP übernahm Macht in Amstetten

Erstellt am 17. März 2022 | 04:27
Lesezeit: 3 Min
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Tausende Menschen jubelten am 14. März 1938 Adolf Hitler zu, als er nach Amstetten kam.
Foto: Stadtarchiv Amstetten
Noch vor dem Rücktritt Schuschniggs übernahm die NSDAP die Macht in der Stadt. Am 14. März wurde Adolf Hitler von tausenden Menschen bejubelt.
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In Amstetten, wie in vielen anderen österreichischen Klein- bzw. Bezirksstädten, war im März 1938 die NSDAP schon überdurchschnittlich stark. Bei den letzten freien Landtagswahlen 1932 erreichte die Partei 26,5%, während sie im niederösterreichischen Schnitt „nur“ auf 14,1% kam. Nicht zuletzt auf Basis dieser Stärke war in Amstetten bereits im Laufe des 11. März, also noch vor dem Rücktritt von Bundeskanzler Schuschnigg, der schließlich dem Druck Hitlers wich, die lokale Machtübernahme durch Nazis im Gange.

Der spätere Bürgermeister Mitterdorfer hatte in der Nacht zuvor in Wien Direktiven erhalten, wie sich die lokalen Organisationen der österreichischen NSDAP verhalten sollen. Am Nachmittag wurde die lange Zeit gesperrte Parteizentrale der NSDAP im Gasthaus Kronberger auf dem Hauptplatz wieder in Betrieb genommen. Noch um 17 Uhr ließ Bezirkshauptmann Allinger dort die Gendarmerie mit Stahlhelm, Karabinern und aufgepflanztem Bajonett aufmarschieren, um seine Entschlossenheit, einen Umsturz zu vereiteln, deutlich zu machen. Zu einer offenen Konfrontation kam es aber nicht. Ab 19 Uhr bewegte sich ein Fackelzug in Richtung Hauptplatz, wo man die Schuschnigg-Rücktrittsrede verfolgte. Danach war allen klar, dass die Nazis die Oberhand hatten. Auf dem Rathaus und zahlreichen anderen Häusern wurden Hakenkreuzfahnen gehisst, noch in der Nacht wurde das Kommando in den lokalen Schaltstellen (Gendarmerie, Polizei, etc.) übernommen.

In den Morgenstunden des 12. März überschritten deutsche Truppen die Grenzen. Auf Widerstand stießen sie nirgends. In den folgenden Tagen zogen tausende Wehrmachtssoldaten durch Amstetten. Die ersten repressiven Maßnahmen der Nazis setzten ein: Unter anderem wurde Bürgermeister Hans Höller in Gestapohaft gebracht.
Die Durchfahrt Hitlers wurde am 13. März erwartet. Tausende Menschen wurden für einen festlichen Empfang mobilisiert, Schulen und Betriebe geschlossen. Doch sie warteten zunächst vergeblich. Erst am darauffolgenden Tag konnten sie Hitler bejubeln.

Wir danken dem Stadtarchiv Amstetten und Archivar Thomas Buchner für die Mitarbeit.

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