Neues Modell: Anreiz für Verkauf von Bauland. Aschbach will seine Reserven reduzieren. Verkäufer erhält 5.000 Euro, wenn gebaut wird.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 07. Juni 2017 (04:53)
Präsentierten das Anreizsystem für die Baulandmobilisierung: (v.l.) Bürgermeister Martin Schlöglhofer, Hannes Stiefelbauer, Bettina Harreither, Monika Mautz, Erwin Zeitlhofer, Stefan Aufhauser von der Firma kommunal dialog, Michael Sturl, Anita Grubhofer, Rupert Mayrhofer und Vizebürgermeister Gottfried Bühringer. Foto: Knapp
Hermann Knapp

Viele Gemeinden im Bezirk haben das Problem, dass sie große, voll aufgeschlossene (Kanal, Wasser, Zufahrtsstraßen) Baulandreserven haben, die aber nicht verfügbar sind, weil die Besitzer sie selbst nicht nutzen, aber auch nicht verkaufen. In der Gemeinde Aschbach sind es fast unglaubliche 27 Hektar, die über die Jahrzehnte gewidmet, aber nie bebaut wurden. „Auf dieser Fläche könnte man etwa 260 Einfamilienhäuser für rund 750 neue Bürger errichten“, sagt Ortschef Martin Schlöglhofer.

An einer Lösung, solche großen Baulandreserven zu mobilisieren, tüfteln viele Bürgermeister. Manche wünschen sich eine Infrastrukturabgabe, um zumindest die laufenden Kosten (etwa für die Kanalerhaltung) zu decken. In Aschbach beschreitet man jetzt einen völlig anderen Weg.

Der Bau- und der Sozialausschuss haben in drei Arbeitssitzungen ein Anreizsystem zur Baulandmobilisierung entwickelt. „Wir wollen mit einer gezielten Förderung den Besitzern die Nutzung oder den Verkauf ihrer voll aufgeschlossenen Baugründe schmackhaft machen“, sagt Schlöglhofer.

Konkret geht es vorerst um rund 10,8 Hektar im Kerngebiet von Aschbach-Markt, Aschbach-Dorf und Krenstetten. Die Aktion richtet sich somit an rund 120 Grundbesitzer. Wer von ihnen bis 31. Dezember 2018 ein Grundstück verkauft, erhält von der Gemeinde eine einmalige Förderung von 5.000 Euro.

Bebauung ist „ein Muss für die Förderung“

„Diese gibt es allerdings nur, wenn durch den Verkäufer auch tatsächlich die Bebauung sichergestellt wird“, betont der Bürgermeister. Konkret heißt das: Das Geld wird erst ausbezahlt, wenn das Grundstück zum Bauplatz erklärt und ein Baulandsicherungsvertrag zwischen dem Käufer und der Gemeinde abgeschlossen ist. Das muss bis 30. Juni 2019 passiert sein.

Außerdem wird von der Gemeinde vorerst nur der Verkauf von 20 Grundstücken gefördert – gereiht nach dem Zeitpunkt des Ansuchens. „Wir hoffen, dass wir damit den Leuten wirklich einen Anreiz bieten, über die Verwertung ihrer ungenutzten Grundstücke nachzudenken – auch in einer Zeit, in der man sich nicht gerne Geld auf die Bank legt“, sagt Schlöglhofer. Die Gemeinde ist auch bereit, eine Vermittlungsfunktion zu übernehmen. „Wenn sich bei uns Interessenten melden, werden wir sie natürlich gerne mit den verkaufswilligen Grundbesitzern in Kontakt bringen.“

Für Aschbach wäre die Aktion trotz Förderung unter dem Strich ein Gewinn. Warum, erklärt Stefan Aufhauser von der Raumplanungsfirma kommunal dialog: „Wenn die Gemeinde ein neues Siedlungsgebiet mit knapp elf Hektar Fläche aufschließt, kostet sie das – gerechnet auf 20 Jahre – rund 4,8 Millionen Euro, die Straßen, Kanal und Wasser verursachen. Das ist also die Summe, die die Gemeinde für das bestehende Areal schon ausgegeben hat. Mit jedem Grundstück, das bebaut wird, fließt ein Teil der Aufschließungskosten zurück. Davon profitierten letztlich alle Bürger und Aschbach erspart sich zudem das Geld für die Aufschließung neuer Gründe.“

Die Gemeinde wird alle betroffenen Grundbesitzer mit einem Schreiben über die neue Förderung informieren und ihr Modell natürlich auch in der Gemeindezeitung vorstellen.

Bei Gesprächen mit Bürgermeisterkollegen ortete Schlöglhofer zwar Skepsis, aber davon lässt er sich nicht irritieren. „Es stehen bei uns alle Fraktionen hinter diesem Modell. Wir wissen, dass wir da etwas völlig Neues versuchen und vorpreschen. Aber es ist einfach Zeit, dieses Problem anzugehen. Wir sind eine blühende Gemeinde mit hoher Lebensqualität, über 90 Betrieben und knapp 4.000 Einwohnern. Wir wollen auch in Zukunft für junge Familien als Wohnort attraktiv bleiben.“

Rein rechtlich, erklärt Raumplaner Aufhauser, seien die 5.000 Euro pro Grundstück als Wirtschaftsförderung zu betrachten, und diese zu vergeben liege im Ermessen der Kommune.
Sollte sich das Aschbacher Modell bewähren, könnte es eine Vorbildwirkung für andere Gemeinden haben. Wissen wird man das spätestens Ende 2018.

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