Erstellt am 08. Juni 2015, 09:22

von Desiree Haselsteiner

Familie droht Abschiebung. Einer irakischen Flüchtlingsfamilie droht die Abschiebung nach Italien. Mittels einer Petition soll dem Einhalt geboten werden.

Hoffen darauf, dass es nicht zur Abschiebung kommt (v.l.n.r.): Monika Distelberger, Sundos Alomari, Abdallah Alissawi, Lucia Distelberger und Ricarda Kolck-Thudt. Wolfgang Kapf  |  NOEN
Einer irakischen Flüchtlingsfamilie aus Amstetten droht die Abschiebung nach Italien. Monika Distelberger setzt sich gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Verein „Lernpaten“ für das Bleiberecht der Familie ein. Mittels einer Unterschriftenpetition werben sie um Unterstützung.

„In Italien bekommen Flüchtlingsfamilien keinerlei Unterstützung und werden im schlimmsten Fall am Brenner ausgesetzt“, erzählt Monika Distelberger, die der Familie dieses Schicksal ersparen will.

Familienvater schaffte es nicht aufs Boot

Die Frau und ihre zwei Söhne mussten in den letzten Monaten viel durchmachen. Ihr Matyrium begann im September 2014.

Sundos Alomari wollte gemeinsam mit ihrem schwerst zuckerkranken Mann und ihren vier Kindern in einem Flüchtlingsboot von Libyen (wo sie wegen ihres sunnitischen Glaubens um ihr Leben fürchteten) in eine bessere Welt flüchten.

Der Familienvater schaffte es aufgrund seiner Erkrankung nicht rechtzeitig auf das Flüchtlingsboot und musste mit zwei Kindern zurückbleiben.



Sundos Alomari machte sich gemeinsam mit ihren 20 und neun Jahre alten Söhnen auf den Weg übers Mittelmeer, wo sie in Seenot gerieten. Ein Tanker nahm die im Meer treibenden Flüchtlinge auf und brachte sie an die Küste Italiens.

Dort wurden sie registriert und laut eigenen Aussagen des ältesten Sohnes körperlich misshandelt. „Er würde lieber sterben als nochmals in die Hände der italienischen Behörden zu geraten“, schildert Distelberger.

Familie erhielt bereits ersten Negativbescheid

Da die Familie bereits ihren ersten Negativbescheid von den österreichischen Behörden erhalten hat, bleibt ihr nicht mehr viel Zeit, bis die Abschiebung droht, weiß auch der Leiter der Caritas Amstetten, Christian Köstler:

„Da das neue Asylverfahren die Abschiebungen relativ schnell beschleunigen soll, ist damit zu rechnen, dass die Betroffenen nach der ersten eingereichten Berufung maximal noch zwei Wochen in Österreich bleiben, bevor sie abgeschoben werden. Allerdings legt die Diakonie am Montag gegen diesen Entwurf Einspruch ein“, sagt Köstler.

Monika und Lucia Distelberger wollen etwas dagegen tun. „Jeder Einzelne kann die Welt ein Stückchen besser machen. Ist man persönlich mit individuellen Schicksalen vertraut und kennt Stimmen und Gesichter dazu, kann man nicht mehr wegschauen“, berichtet Lucia Distelberger, Initiatorin der Unterschriftenpetition für die Familie Alomari.

Familie vollends in Gemeinschaft integriert

Die gesamte Familie, die seit Jänner dieses Jahres in Amstetten eine Asylwohnung bewohnt, integriert sich vollends in die Gemeinschaft. Die Mutter Sundos Alomari hilft beim Nähkaffé, kochte bei der Langen Nacht der Kirchen, erlernt die deutsche Sprache und möchte sich gemeinsam mit ihren Söhnen als Teil der Gemeinschaft fühlen.

„Sundos und ihre Söhne sollen in Amstetten bleiben dürfen und ein sicheres Zuhause finden. Setzen Sie ein Zeichen gegen die Abschiebung von Menschen aus unserer Mitte, die sich bereits eingelebt und integriert haben“, ruft Monika Distelberger alle Menschen auf, für ein Stück mehr Offenheit und Mithilfe für andere Menschen. „Wenn auch Sie helfen möchten, zögern Sie nicht und setzen Sie ein Zeichen mit ihrer Unterschrift.“