Julian Schutting erhält H. C. Artmann-Preis

Erstellt am 03. Juni 2022 | 05:30
Lesezeit: 3 Min
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Julian Schutting
Foto: Kühn
Julian Schutting aus Amstetten erhält den mit 10.000 Euro dotierten H. C. Artmann-Preis 2022. Die seit 2004 biennal verliehene Auszeichnung wird von der Stadt Wien für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik vergeben.
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Die Preisverleihung findet am 5. September im Kabinetttheater statt. Schutting, der am 25. Oktober seinen 85. Geburtstag feiert, hat an die 60 Bücher veröffentlicht. Im Vorjahr erschien eine Neudichtung von Wilhelm Müllers "Winterreise" samt "Nachsommer"-Zyklus.

Julian Schuttings umfangreiches Werk sei "in höchstem Maß geprägt von einem poetischen Grundgestus, der sich auch in der Prosa widerspiegelt. Der Autor, zwar hochgeschätzt, aber immer bescheiden an den Rändern des 'großen Literaturbetriebs' zugange, beweist über die Jahrzehnte eine ebenso souveräne wie kontinuierliche Auseinandersetzung mit Dichtung, die er in seiner unverwechselbaren, präzisen, geschliffenen Sprache präsentiert", heißt es in der Jurybegründung. "Wer sich auf Julian Schuttings Kunst einlässt, wird gefordert und beschenkt." Von Schutting sei "weiterhin Brillantes zu erwarten".

Der Preis wird an Wiener Autorinnen und Autoren verliehen, deren Werke eine Verbindung mit dem Werk Hans Carl Artmanns (1921-2000) aufweisen. "Artmann war ein wirklicher Dichter. Ich habe allen Respekt vor ihm, weil er auch ein Troubadour war. Aber ästhetisch war er ein genauer Gegenpol zu dem, was ich mache", meinte Schutting gegenüber der APA. Artmann sei ein wahrer Fabulierer gewesen. "Ich habe Gott sei Dank keine Fantasie. Ich bin ein Rationalist durch und durch."

Er habe aber "nichts dagegen", dass der Preis H.C. Artmann-Preis heiße. "Ich habe ja auch den Georg Trakl-Preis entgegen genommen. Am wohlsten habe ich mich aber mit dem Gert Jonke-Preis gefühlt." Bisherige Preisträger des H. C. Artmann-Preises waren Peter Waterhouse, Ferdinand Schmatz, Oswald Egger, Erwin Einzinger, Franz Josef Czernin, Elfriede Czurda, Anselm Glück, Gundi Feyrer und Gerhard Ruiss.

Julian Schutting wurde am 25. Oktober 1937 als Jutta in Amstetten geboren und absolvierte zunächst eine fotografische Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Nach dem Ablegen der Externistenmatura studierte sie Geschichte und Germanistik an der Universität Wien, promovierte über ein rechtshistorisches Thema und unterrichtete ab 1965 vor allem Deutsch an der Höheren Technischen Lehranstalt in Wien. Anlässlich seiner 1989 vorgenommenen Geschlechtsumwandlung ließ er über seinen Verlag erklären, er suche mit diesem Schritt "Übereinstimmung mit meinem lebenslangen Selbstgefühl". Seitdem lebt er unter dem offiziellen Namen Julian Schutting als freier Schriftsteller in Wien.

Schuttings literarischer wie fotografischer Vorlass liegt im "Archiv der Zeitgenossen" in Krems. Anlässlich seines Geburtstags soll im Oktober in der Literaturedition Niederösterreich unter dem Titel "Das Los der Irdischen. Szenen und Dialoge" ein Band mit szenisch-dramatischen Werken erscheinen.

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