Patienten beunruhigt Sorge um Hautarzt-Nachfolge. Hautarzt Fritz Gruber schließt seine Amstettner Ordination mit Ende September. Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 03. Februar 2021 (06:03)
Hautarzt Fritz Gruber mit seinen Assistentinnen Roswitha Raab und Gisela Waidhofer. Sie hoffen, dass im Oktober ein junger Mediziner die Ordination im Ärztezentrum übernimmt.
Knapp

Seit 31 Jahren ordiniert Hautarzt Fritz Gruber in der Stadt Amstetten. Seine Praxis im Ärztecenter in der Nikolaus-Lenau-Straße ist sehr gut frequentiert. Doch seine Patienten sind in Sorge, denn der Facharzt will mit Ende September in Pension gehen und ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

„Ich übe meinen Beruf sehr gerne aus, aber nach so langer Zeit möchte ich nun gerne an einen jüngeren Kollegen übergeben. Er könnte die Ordination, meine gut ausgebildeten Assistentinnen und natürlich auch alle Patienten übernehmen“, sagt Gruber.

Der Facharzt hat auch schon mit der Gebietskrankenkasse und der Ärztekammer Kontakt aufgenommen und sie über seinen Entschluss informiert. „Da hat man aber nur gemeint, dass der Kassenvertrag ausgeschrieben wird“, sagt Gruber. Für ihn ist das zu wenig, denn er will Gewissheit, dass seine Patienten auch in Zukunft gut versorgt sind.

Der Mediziner ist davon überzeugt, dass Hautärzte künftig noch dringender benötigt werden. „Denn man sieht schon bei den 50-Jährigen, vor allem aber bei den Über-60-Jährigen, dass die durch Sonneneinstrahlung verursachten Hautschäden mehr werden“, berichtet der Facharzt. Da lasse auch der Klimawandel grüßen.

Junge Hautärzte wollen lieber im Spital arbeiten

Für Gruber ist es unverständlich, dass junge Hautärzte lieber in einem Spital arbeiten, als in einer eigenen Praxis. „Es geht da auch um eine soziale Verantwortung der Bevölkerung gegenüber. Vielleicht sollte man junge Ärzte auch schon bei der Ausbildung dazu verpflichten, eine Kassenpraxis zu übernehmen.“

Mit Bürgermeister Christian Haberhauer hat der Hautarzt auch schon zwei Mal ein Gespräch geführt. „Ich habe ihn gebeten, sich des Themas anzunehmen, denn schließlich geht es ja um die Grundversorgung der Bevölkerung. Aber bisher war den politischen Bemühungen kein Erfolg beschieden“, bedauert Gruber. Er weist nochmals ausdrücklich darauf hin, dass viele seiner Patienten sich Sorgen über ihre künftige Behandlung machen, weil es in der Region nur noch Hautärzte mit Kassenvertrag in Scheibbs und in St. Valentin gibt und in Waidhofen eine Wahlärztin.

Einer der betroffenen Patienten ist der Amstettner Jürgen Wahl. „Ich habe schwere Neurodermitis und bin schon viele Jahre bei Facharzt Gruber in Behandlung. Es muss da unbedingt etwas geschehen. In einer Stadt wie Amstetten, muss es auch künftig einen Hautarzt geben“, fordert er.

Bürgermeister Christian Haberhauer (ÖVP) betont, dass die Stadt alles unternehme, um für Ärzte optimale Bedingungen zu schaffen. „Es stünde ja für einen neuen Hautarzt die Praxis im Ärztezentrum zur Verfügung, er könnte sich aber auch im geplanten Primärversorgungszentrum in Mauer ansiedeln, wo die Medizinier dann eine gemeinsame Verwaltungsinfrastruktur nutzen können, was ihnen auch die Arbeit erleichtern wird!“ Die Stadt stehe mit der Landesgesundheitsagentur in Kontakt und tue alles, um die medizinische Versorgung der Bürger sicher zustellen.

Auch Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) hat bezüglich Gruber-Nachfolge schon Kontakt mit der Gebietskrankenkasse aufgenommen. „Es sind ja noch einige Monate Zeit, bis der Vertrag von Doktor Gruber endet. Im Augenblick läuft ein ganz normales Ausschreibungsverfahren und wir werden natürlich ein Auge darauf haben, ob sich jemand bewirbt.“

Dass immer mehr junge Ärzte lieber eine Wahlarztpraxis eröffnen, um den Formalismen einer Kassenstelle zu entgehen, ist in ihren Augen ein Problem. Es sei nämlich wichtig, das öffentliche Gesundheitssystem zu stärken, damit wirklich alle Menschen Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung hätten und nicht nur jene, die sich das leisten können. „Da wird sich die Gebietskrankenkasse etwas einfallen lassen müssen“, sagt die Landesrätin.

Umfrage beendet

  • Macht ihr euch Sorgen um eure ärztliche Versorgung?