Erstellt am 22. Juni 2015, 09:12

von Daniela Führer

Bank-Fusionsgegner: „Ball zu den Bürgern“. Nach der geplatzten Fusion der Raiffeisenbank St. Georgen mit Amstetten wollen die Gegner einen neuen Vorstand und Aufsichtsrat.

Sehen in der Fusion die beste Zukunft der Raiffeisenbank St. Georgen/Ybbsfelde (v.l.): Obmann Karl Loibl, Aufsichtsratsvorsitzende Margit Sattler sowie die beiden Bankgeschäftsführer Johann Preßl und Gerhard Eder. Foto: Schlemmer  |  NOEN, Daniela Schlemmer

Nach der geplatzten Fusion der Raiffeisenbank St. Georgen mit der Raiba Region Amstetten vor gut zwei Monaten ( <strong>die NÖN berichtete, siehe hier den entsprechenden Artikel</strong> ) läuteten die Gegner der Fusion in der Vorwoche die nächste Runde ein.



In einem Flugblatt an alle St. Georgner Haushalte richteten sich Karl Stadler, Martin Tüchler, Leopold Sattler und Frank Untersmayr an die Bevölkerung.

Sie erklärten darin ihre Absicht, eine außerordentliche Generalversammlung einberufen zu wollen, um einen neuen Vorstand und Aufsichtsrat zu wählen. „Unserer Meinung nach ist das die einzige Möglichkeit, um den Fortbestand unserer Bank zu sichern“, erklären sie.



Zur Erinnerung: Bei der Generalversammlung am 19. April stimmten 57 Prozent für die Fusion der Raiba St. Georgen mit der Region Amstetten. Ees hätte dafür aber eine Zweidrittelmehrheit gebraucht. 17 Stimmen fehlten dafür.

„Die Mitglieder wollen eine eigenständige Bank, die Funktionäre wollen sie verschenken“, sind die Fusionsgegner überzeugt. „Uns ist wichtig, dass unsere Bank eigenständig bleibt“, erklären sie.

Die Verantwortlichen der Bank verweisen darauf, dass bereits eine Mehrheit der Mitglieder für die Fusion gestimmt hat. Und das sei nach ihrer Überzeugung der einzige Weg um die Bank in St. Georgen nachhaltig zu sichern: „Wir erhielten ein faires Angebot von der Raiffeisenbank Region Amstetten, auf die wir aktiv zugegangen sind. Druck von Amstetten gab und gibt es da überhaupt nicht. Der Standort wurde uns auf Jahre garantiert, die Kontinuität in der Betreuung der Kunden ebenso“, erklären Obmann Karl Loibl, Aufsichtsratsvorsitzende Margit Sattler sowie die Bankgeschäftsführer Johann Preßl und Gerhard Eder.



„Es geht uns um die Verantwortung gegenüber den Menschen in der Region.“ Bereits für das laufende Geschäftsjahr 2015 müsse man mit einem deutlich negativen Betriebsergebnis rechnen. Die niedrige Kreditausleihungsquote sowie die aufsichtsrechtlichen Erfordernisse seien für die Kleinbank nicht mehr zu stemmen. „Wir stehen daher einstimmig hinter der Empfehlung, mit der Raiffeisenbank Region Amstetten zu fusionieren.“

Die Fusionsgegner benötigen für die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung samt Neuwahl 300 Unterstützungserklärungen von Mitgliedern der Raiba St. Georgen. „Wir werfen den Ball jetzt zu den Bürgern“, erklärt Untersmayr. Gelingt das Vorhaben, dann wäre das laut Raiffeisen Revisionsverband NÖ-Wien ein Novum in der Geschichte der niederösterreichischen Raiffeisenbanken.

„Es ist nicht wahnsinnig wahrscheinlich, dass wir
die 300 Erklärungen zusammenbekommen.“
Frank Untersmayr, Sprecher der Fusionsgegner

Recht zuversichtlich ist die Fusionsgegner-Gruppe selbst nicht: „Es ist nicht wahnsinnig wahrscheinlich, dass wir die 300 Erklärungen zusammenbekommen. Aber wir versuchen es, da wir glauben, dass vielen Menschen etwas daran liegt“, erklärt Untersmayr.

Er und sein Team werfen den Raiba-Funktionären auch vor, dass sie zu keinen Gesprächen mit ihnen bereit seien. Diese argumentieren wiederum: „Wir hatten so viel Arbeit mit Maßnahmen und Schritten, die nach der letzten Generalversammlung gesetzt werden mussten. Und man muss auch verstehen, dass die Stimmung nach der Versammlung aufgeheizt und emotional war. Jetzt ist aber der Punkt gekommen, mit den Kritikern das sachliche Gespräch zu suchen.“

In den nächsten Tagen werde ein Termin vereinbart. Man versuche auch, einen Vertreter des Revisionsverbandes als neutralen, fachkundigen Teilnehmer beizuziehen. „Wir wollen nochmals die wirtschaftliche Situation klar auf den Tisch legen und deutlich machen, warum wir für die Fusion sind“, sagen Loibl, Sattler, Preßl und Eder.

„Änderung der AGBs war gesetzlich erforderlich“

Die Forderungen nach einem neuen Vorstand und Aufsichtsrat verstehen die Bankgeschäftsführer übrigens nicht. „Die fünf Spitzenfunktionäre wurden bei der Generalversammlung, direkt vor der Abstimmung über die Fusion, von den Mitgliedern einstimmig gewählt“, betonen Preßl und Eder. „Warum wählt man sie, wenn man sagt, sie gehen einen falschen Weg?“

Die in den letzten Wochen erfolgten Änderungen bei Geschäftszeiten und AGBs der Bank sind übrigens nicht auf die geplatzte Fusion zurückzuführen. „Die Änderung der AGBs war gesetzlich erforderlich und die geänderten Öffnungszeiten hatten wir schon länger vor“, erklären die Geschäftsführer.

Ab 1. Juli legen die Fusionsgegner online unter www.unserebank.at ihre Sicht der Dinge sowie Entwicklungen dar. Außerdem planen sie im Juli Diskussionsrunden.

Auch Raiba-Vorstand und Aufsichtsrat werden zusätzliche Maßnahmen setzen. Darüber beraten sie diesen Montag.