Bankraub-Prozess: Hohe Strafe für "eingespieltes Team" gefordert

Erstellt am 24. Jänner 2011 | 12:25
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Justizia Gericht Symbolbild
Foto: NOEN
Mit den Schlussplädoyers hat am Montag am Landesgericht St. Pölten der letzte Tag im Prozess gegen drei mutmaßliche Serienbankräuber begonnen.
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Schon seit einer Woche müssen sich die drei Brüder (25, 27 und 43) wegen 14 Raubüberfällen in Ober-, Niederösterreich und der Steiermark verantworten. Wegen einer Schießerei mit einem privaten Wachmann, bei dem der 25-Jährige schwer verletzt wurde, wird den Jüngeren auch versuchter Mord vorgeworfen. Gegen Mittag zogen sich die Geschworenen zurück, um über die rund 30 Fragen zu beraten. Ein Urteil wurde für den Nachmittag erwartet.

"Hasta la vista und frohe Weihnachten": Über 40 Opfern sei genau das passiert, was man hofft, in einer Bank nie erleben zu müssen, sagte Staatsanwältin Michaela Obenaus-Zimmel. Sie gerieten in die 14 Überfälle, bei denen die Männer 1,2 Mio. Euro erbeutet haben sollen. "Ein eingespieltes Team waren die Brüder", meinte sie. Auch jetzt gebe es "keine übermäßige Reue", wollte sie eine Strafe im oberen Bereich erwirken.

Mit der Zeit hätten die Angeklagten immer mehr aufgerüstet - bis hin zu Maschinenpistolen. "Eine kriminelle Entwicklung, die ihresgleichen sucht und die als gefährlich einzustufen ist", betonte die Anklägerin und verwies auf das aggressive und brutale Vorgehen des Trios. Bei bekennenden Waffennarren sei es "unwahrscheinlich", dass sich der erste Schuss auf den Wachmann in Blindenmarkt zufällig gelöst habe. "Natürlich wollten sie flüchten, aber das eben ohne Rücksicht auf Verluste. Ihnen war klar: Wenn man einen Schuss auf einen Menschen abgibt, kann das zum Tod führen", plädierte sie auf bedingten Vorsatz und daher versuchten Mord.

 "Bankräuber ist nicht gleich Mörder", widersprach Verteidigerin Irmtraud Oraz. Der 25-Jährige habe - wie er auch selbst abschließend betonte und sich entschuldigte - nicht gezielt geschossen und auch nur drei, der Wachmann hingegen sechs Schüsse abgefeuert. "Waffennarren gibt es viele", sagte die Anwältin und forderte einen Freispruch vom versuchten Mord. Für die Überfälle "werden sie ihre Strafe eh bekommen".

Am Schluss hatte die Verteidigung noch beantragt, sämtliche Observationsberichte zu verlesen und Kriminalbeamte, die mit der Überwachung betraut waren, als Zeugen einzuvernehmen. Letzteres lehnte Richterin Andrea Humer ab - weil es rechtsunerheblich sei, wie sie meinte: "Es wird ja hoffentlich niemand im Saal daran glauben - und am allerwenigsten die beiden Angeklagten -, dass die Kriminalpolizei daran schuld ist, dass sie am 4. Dezember die Bank in Blindenmarkt überfallen haben."

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