Klinikum Amstetten: „Hoffen auf Sogwirkung“. Bauteil 5 abgeschlossen. Modernes Haus soll auch neue Ärzte anlocken.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 20. September 2016 (05:37)
Hermann Knapp
Eröffneten den Bauteil 5 des Klinikums Amstetten, (v.l.): Kaufmännischer Direktor Gernot Artmüller, Regionalmanager Andreas Krauter, Pflegedirektor Robert Döller, der Kaufmännsiche Leiter der NÖ-Landeskliniken-Holding, Helmut Krenn, Landesrat Karl Wilfing, der Ärztliche Leiter des Amstettner Landesklinikums Primar Christian Meznik, Landtagsabgeordneter Helmut Schagerl und Nationalrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Foto: Hermann Knapp

Eine „Operation am offenen Herzen“ nannte Landesrat Karl Wilfing die Arbeiten am Bauteil 5 im Landesklinikum Amstetten, weil sie ja bei vollem Betrieb stattfanden. Im Mai 2012 wurde der Startschuss für die vierjährige Umbauphase gegeben.

Rund 39,8 Millionen Euro wurden investiert. Dialyse, Onkologie, Gynäkologie, Neonatologie, Betriebskindergarten, Radiologie sowie Küche und Speisesaal wurden erneuert. Damit ist Amstetten ein Schwerpunktkrankenhaus, das alle Stückerln spielt oder wie es der ärztliche Leiter Primar Christian Meznik ausdrückte: „Wir sind rund!“

„Im Mittelpunkt müssen Patient und Patientin stehen“

Besonders hob Meznik die Angiographie hervor. Sie sei ein Musterstück, das in Österreich ihresgleichen suche. „Was die Radiologie in Zusammenarbeit mit der Gefäßchirurgie bei uns leistet, kann sich sehen lassen.“

Meznik hofft, dass der gute Ruf des Hauses in Verbindung mit der modernen Ausstattung eine Sogwirkung ausüben und weitere Ärzte nach Amstetten locken wird. Für den zuständigen Landesrat Karl Wilfing muss der Leitspruch der Krankenhausseelsorge „Ich bin mit Dir“ auch das oberste Prinzip für die ärztliche Betreuung und die Pflege sein. „Im Mittelpunkt müssen der Patient und die Patientin stehen.“

Höchste menschliche Kompetenz in der Diagnose, Intuition, um aus den Befunden die richtigen Schlüsse zu ziehen und natürlich Empathie im Umgang mit den Menschen sei von Ärzten und Pflegepersonal gefordert. Und in Amstetten, aber auch in den anderen 26 Landeskliniken, so der Landesrat, werde das auch geboten.

Rund 187.000 Patienten werden jährlich versorgt

Wolfgang Kapf
Der Bauteil 5 des Landesklinikums Amstetten wurde in der Vorwoche offiziell eröffnet. Seit 2012 wurden 39,1 Millionen Euro verbaut.  Foto: Kapf

129 Mitarbeiter am Landesklinikum versorgen jährlich 164.074 Patienten ambulant (über 450 täglich) und 22.800 stationär. Dass die Belastung hoch ist und sich Ärzte und Pflegepersonal manchmal überfordert fühlen, ist Wilfing bewusst. „Wir bemühen uns daher auch ständig darum, dass genügend Personal da ist. Seit 1.1.2008, seit das Land das letzte Spital übernommen hat, gibt es 540 Ärzte mehr“, strich er hervor. Man tue alles, um das „knappe Gut Arzt“ in Niederösterreich zu vermehren, daher auch die Gründung der Karl-Landsteiner-Privatuni in Krems.

„Zum Teil schreiben wir Stellen auch schon international aus“, betonte der VP-Politiker. Es werde zudem versucht, die Arbeit in den Häusern besser zu verteilen, indem Tätigkeiten, die bisher den Ärzten vorbehalten waren, auf das Pflegepersonal übertragen werden. „Wir werden dem natürlich auch in der Ausbildung für die Gesundheits- und Krankenpflege Rechnung tragen“, versicherte Wilfing.

Besonders hob der Landesrat die gute Gesprächskultur in den niederösterreichischen Kliniken hervor. „Es ist wichtig, dass wir ehrlich und auf Augenhöhe miteinander reden. Dass sich natürlich nicht immer alle Wünsche erfüllen lassen, ist aber auch klar.“

Guten Anklang findet in Amstetten übrigens auch der Betriebskindergarten, dessen Öffnungszeiten (6.30 bis 19.30 Uhr) auf die Dienstzeiten im Landesklinikum abgestimmt sind. 30 Kinder werden dort bereits in zwei Gruppen betreut, doch der Bedarf ist bereits wesentlich höher. Daher soll der Kindergarten auch noch erweitert werden.

Projektphasen

  • Im Februar 2014 konnten Dialyse, Onkologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Neonatologie, die kaufmännische Direktion und der Betriebskindergarten in Betrieb genommen werden.
  • 2015 wurden in der neuen Radiologie auf einer Fläche von 1.940 m² zwei Magnetresonanz-tomographen und ein Computertomograph in Betrieb genommen und seit April 2016 können das neue Angiographiesystem und digitale Röntgenaufnahmesysteme eingesetzt werden.
  • Im Sommer 2016 wurden die Küche und der Speisesaal mit rund 1.200 m² in Betrieb genommen. In der letzten Bauphase wurden die Eingangshalle angepasst, die Krankenhauskapelle renoviert und der Spielplatz für die betriebliche Kinderbetreuungseinrichtung erweitert.