Coronavirus: Männer schweigen oft. Beratungsstelle lädt Männer ab sofort auch zu regelmäßigen virtuellen Treffen ein.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 11. März 2021 (05:29)
Männerberater Dieter Tober.
Caritas/Lahmer, Caritas/Lahmer

Seit dem Jahr 2003 bieten die Familienberatungsstellen der Caritas auch Männern Beratung und Begleitung in schwierigen Lebenssituationen an. „Männer kommen mit unterschiedlichen Themen zu uns“, berichten die beiden Männerberater Dieter Tober und Josef Aigner. „Wegen Schwierigkeiten in der Partnerschaft, Belastungen im Beruf, Sexualität, Gesundheit oder Einsamkeit. Die Corona-Pandemie hat zusätzlich Angst um den Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen und Spannungen in der Familie geschürt.“

2020 wurden in der Beratungsstelle Amstetten 63 Männer in 252 Beratungseinheiten betreut. Tober und Aigner rechnen heuer mit einem weiteren Anstieg. Vor allem Männer im Alter von 40 bis 49 Jahren wenden sich an die Beratungsstelle, gefolgt von der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen. Zudem gibt es in Amstetten wegen der angebotenen Burschen-Gruppe auch eine stabile Zahl an 11- bis 15-Jährigen in der Beratung.

Corona hat natürlich den Kontakt mit den Klienten verkompliziert. „Im ersten Lockdown gab es bis Ende Mai/Anfang Juni, bis auf persönliche Termine in Krisensituationen, fast ausschließlich Telefongespräche und einige wenige Videoberatungen“, berichten Tober und Aigner. Danach nutzten die Männer wieder fast ausschließlich die Möglichkeit der persönlichen Beratung.

Die Lockdown-Bestimmungen, die Angst, das Gegenüber eventuell anzustecken oder selbst angesteckt zu werden, bringen viele Männer aber überhaupt eher zum Schweigen. „Sie beschließen, Dinge mit sich selbst auszumachen und nicht mit anderen Menschen darüber zu sprechen“, sagen die Berater.

Und Corona brachte noch ein weiteres Problem mit sich: mehr Konflikte in der Familie und Männer, die wegen häuslicher Gewalt weggewiesen wurden und nicht wussten, wo sie unterkommen sollten.

Um Männern noch eine weitere Form der Unterstützung zu bieten, lädt die Beratungsstelle ab sofort zu virtuellen Treffen ein – anonym und spontan. „Unkompliziert, von daheim aus können sich Männer in offenen 14-tägigen Treffen gegenseitig unterstützen und zu Wort kommen“, sagen Tober und Aigner.

Anmelden können sich Männer jeden Alters per SMS unter: 0676/838 44 7376 oder per Mail unter maennerberatung@caritas-st-poelten.at. Danach bekommt man die Einladung zur Online-Männerrunde zugeschickt. „Wir wollen dort Erfahrungen und Erlebtes miteinander austauschen sowie unsere Belastungen und Herausforderungen teilen. Wir freuen uns auf die Begegnungen“, sagen Tober und Aigner.