„Betonwand muss her!“

Erstellt am 11. Juni 2013 | 00:00
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Foto: NOEN
Dramatischer Einsatz / Dank eines Großaufgebots der Feuerwehr und des Bundesheeres konnte die Siedlung Freyenstein geschützt werden. Bürgermeister fordert nun massiveren Schutz.
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Von Hannes Hirtenlehner

NEUSTADTL/DONAU / Am zwölf Kilometer langen Abschnitt von Tiefenbach bis Freyenstein war die Gemeinde Neustadtl in der Vorwoche vom Donauhochwasser betroffen. „Am Hößgang war die Hochwasserwelle sogar 40 Zentimeter höher als in Grein und als 2002“, berichtete Bürgermeister Franz Kriener.

Besonders dramatisch war die Lage in Freyenstein. Insgesamt waren hier rund 20 Feuerwehren mit etwa 140 Mitgliedern und rund 80 Soldaten des Bundesheers im Einsatz, um die Siedlung vor den Wassermassen zu schützen. „Ohne diesen Wahnsinnseinsatz hätten die Freyensteiner das Wasser im Wohnbereich gehabt. Zum Schutz dieser Siedlung brauchen wir künftig unbedingt eine 70 bis 80 Zentimeter hohe Betonleitwand - das ist die größte Erkenntnis aus diesem Hochwasser“, betonte Kriener.

In der Vorwoche konnten die Häuser noch mit enormem Arbeitsaufwand gegen die Flut geschützt werden. Um den bestehenden Erdwall zu verstärken, mussten die Einsatzkräfte während des zweitägigen Dauerregens insgesamt 25.000 Sandsäcke füllen und beim Damm aufschlichten. Mit 50 Tauchpumpen wurde das Wasser, das unter dem Erddamm durchsickerte ebenso wie das Regenwasser ständig wieder abgepumpt. „Ohne diese Maßnahmen hätte es uns die Häuser angefüllt“, sagte auch Bezirksfeuerwehrkommandant Armin Blutsch in seiner Einsatzbilanz.

„Gott sei Dank haben wir die Wehrpflicht nicht abgeschafft - diesen Satz habe ich in den letzten Tagen sehr oft gehört“, hob Bürgermeister Kriener hervor, der das Militär bereits am Sonntag angefordert hatte. „Die Zusammenarbeit mit dem Bundesheer hat hervorragend geklappt“, pflichtete Hauptbrandinspektor Karl Berger bei. „Was die Leute alles freiwillig geleistet haben - da kann man nur sagen: Hut ab! Alle haben gearbeitet, als ob es um ihr eigenes Haus gegangen wäre. Dabei gab es aber keine Hektik und keinen Stress, sondern nur konzentriertes ruhiges Arbeiten“, ergänzte Brandrat Karl Radinger.

Nicht alle Neustadlter blieben verschont 

„Sehr wichtig war auch, dass der Bürgermeister uns schon am Sonntag gewarnt hat. So konnten wir rechtzeitig ausräumen. Kühlhaus, Heizung und Waschmaschine - wir haben ja alles im Kellerbereich“, meinte Gastwirt Peter Ziseritsch, der letztlich aber wie die anderen Freyensteiner vor einer Überflutung verschont blieb. So glimpflich ging es allerdings nicht für alle Neustadtler aus: Weil Zufahrtswege überschwemmt oder verschüttet waren, waren fünf Liegenschaften tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Die Gemeinde hielt telefonisch mit ihnen Kontakt.

Bei insgesamt drei Häusern im langen Uferbereich drang das Wasser in den Wohnbereich ein, bei sieben in den Keller. „14 Aussiedler grinsen jetzt über das ganze Gesicht. Vielleicht überlegen es sich jetzt die anderen auch noch“, meinte Kriener.

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