100 Jahre Niederösterreich: Eine Erfolgsgeschichte

100 Jahre im Zeitraffer: Der Weltkrieg war die größte Zäsur. Seitdem ging es mit dem Bezirk Amstetten kontinuierlich bergauf.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 03:30
Lesezeit: 5 Min

Am 1. Jänner 1922 wurde Wien vollständig von Niederösterreich getrennt. das Land feiert heuer also sein hundertjähriges Bestehen.

Grund genug für die NÖN, auch die historischen Meilensteine im Bezirk in den letzten 100 Jahren zu beleuchten und deren gab es viele.

Insgesamt gesehen, ist die Entwicklung der Region, ebenso wie jene des Bundeslandes, eine Erfolgsgeschichte. Gerade der Bezirk Amstetten ist einer der stärksten und florierendsten Wirtschaftsregionen des Landes, wie erst kürzlich die Einkommensanalyse der Arbeiterkammer eindrucksvoll bestätigt hat. Seit Jahren rangiert das westliche Mostviertel da an der Spitze des Rankings aller niederösterreichischen Bezirke.

Auch Ertl wird 100 Jahre alt

Im Bezirk Amstetten gibt es heuer auch ein großes Jubiläum, das mit dem des Bundeslandes in engem Zusammenhang steht. Denn 1922 wurde nicht nur Niederösterreich geboren, sondern auch die Gemeinde Ertl – aus Teilen der Gemeinden St. Michael am Bruckbach, St. Peter/Au-Dorf, Waidhofen-Land und Kürnberg.

In Ertl plant man deshalb auch umfangreiche Feiern. „Anfang Juli soll es einen Festakt geben. Dabei hoffen wir auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner begrüßen zu dürfen“, freut sich Bürgermeister Josef Forster schon darauf. Bereits im März wird das neue mehr als 400 Seiten starke Heimatbuch präsentiert, das die Geschichte Ertls aus vielen Blickwinkeln beleuchtet.

Amstetten als Hochburg der Nationalsozialisten

Zu den prägendsten Negativereignissen im Bezirk in den letzten 100 Jahren gehören natürlich der Zweite Weltkrieg und vermutlich die aktuelle Corona-Krise mit ihrer besorgniserregenden Spaltung der Gesellschaft.

Schon ab 1930 waren auch im Bezirk Amstetten und vor allem in der Bezirkshauptstadt die zunehmenden innenpolitischen Spannungen der Ersten Republik zu spüren. Dazu trugen die Wirtschaftskrise ab 1930 und das in Amstetten früh bemerkbare Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung, schon lange vor dem Anschluss, bei.

Amstetten vollzog auch noch vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in vorauseilendem Gehorsam seinen eigenen „Anschluss“ – in der Nacht von 11. auf 12. März. Adolf Hitler kam am 14. März 1938 auf seiner „Triumphfahrt durch die Ostmark“ in die Stadt und wurde frenetisch bejubelt. Schon Ende 1938 brüstete sich die örtliche Führung der NSDAP, dass Amstetten als eine der ersten Städte Niederdonaus „judenfrei“ sei. Ein besonders dunkles Kapitel der Geschichte wurde in den Kriegsjahren auch in der „Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling“ geschrieben. Etwa 2.380 Patienten wurden bis 1945 in Todeslager deportiert, wie viele hundert in der Anstalt selbst ermordet wurden, ist bis heute nicht gänzlich geklärt.

Gegen Kriegsende war der Bezirk immer wieder Ziel von alliierten Fliegerangriffen. Am 23. März 1945 wurden die Bahnanlagen und das Nibelungenwerk in St. Valentin schwer beschädigt. Auch der Bahnhof in Amstetten war ein oftmaliges Ziel. Am 16. April 1945 bombardierten russische Flugzeuge zudem die Stadtpfarrkirche St. Stephan und das Kloster Amstetten.

Nach dem Krieg begann auch im Bezirk der Wiederaufbau, der um 1960 abgeschlossen war. Die Stadt Amstetten profitierte zu dieser Zeit vom „österreichischen Wirtschaftswunder“, das einen Investitionsschub brachte. Sicher war dafür auch die Westbahnstrecke ein wichtiger Faktor. Schon im Juni 1951 wurde auf dem Abschnitt zwischen Linz und Amstetten der elektrische Betrieb aufgenommen. 1952 folgte der Abschnitt von Amstetten nach Wien.

Hochwasserkatastrophen und Absiedelung

Die Donau war und ist ein wirtschaftlicher und touristischer Faktor im Bezirk und ein wichtiger Naturraum. Doch für die Donaugemeinden war der Fluss in den letzten 100 Jahren auch immer wieder eine große Bedrohung. Um ihn zu entschärfen, tätigten Kommunen und Land hohe Investitionen.

Im Jahr 1956 suchte eine große Flutkatastrophe den Bezirk heim und richtete enorme Schäden an. In Ardagger Markt wurde daraufhin ein Hochwasserschutzdamm errichtet und im Jahr 1979 eröffnet. Der Flut im Jahr 2002 hielt er gerade noch stand. Zahlreiche Keller mussten aber geflutet werden.

In Stephanshart standen im Jahr 1954 62 Häuser bis zur Firsthöhe im Wasser und waren nachher so gut wie unbewohnbar. 1971 begann das Land NÖ in der Stephansharter Au daher mit der europaweit größten Aussiedlungsaktion: 43 Bauernhöfe wurden auf hochwassersicheres Gebiet umgesiedelt.

Im Jahr 2002 versank die Strengberger Au im Wasser. Auch dort begann daraufhin eine große Aussiedlungsaktion. 55 Familien zogen weg und schufen sich ein neues Heim. Absiedelungen gab es aber auch in den Ortsteilen Wiesen und Hößgang der Gemeinde Neustadtl. In Wallsee wurde ein mobiler Schutzwall geschaffen, der im Jahr 2013 seine erste große Bewährungsprobe bestehen musste.

Gemeinden im Bezirk zusammengelegt

Ein Meilenstein in der Entwicklung des Bezirks waren ohne Zweifel die großen Gemeindezusammenlegungen in den Jahren 1971 und 1972. Mit 1. Jänner 1972 verschmolzen etwa Amstetten, Ulmerfeld-Hausmening, Preinsbach und Mauer zur jetzigen Bezirkshauptstadt. Aber auch noch viele andere Gemeinden erhielten ihre nunmehrige Form: Seitenstetten, St. Peter, Aschbach, Winklarn, Strengberg, Oed-Oehling, Ardagger und andere.

Aufschwung für den Tourismus

Ein wichtiger Beschluss für den Bezirk war vor der Landesausstellung Ostarrichi in Neuhofen im Jahr 1996 die Gründung des Tourismusverbands Mostarrichi, dessen erster Geschäftsführer Christian Kresse war. Hauptziel war, die Wiederbelebung der Mostkultur und die 1.000-Jahr-Feier der erstmaligen urkundlichen Nennung Österreichs für eine Neu-Positionierung im Tourismus zu nutzen, was im Zusammenspiel mit Pionieren wie Toni Distelberger, Monika Zarl und Andreas Ennser, um nur einige zu nennen, auch gelang. Aus dem Verband entwickelten sich letztlich die Moststraße und auch die Mostviertel Tourismus GmbH. Der Tourismus im Bezirk ist eine Erfolgsgeschichte, den erst die Corona-Krise etwas gebremst hat.

Die Leitbetriebe im Bezirk Amstetten

Nicht unerwähnt dürfen bei einem Rückblick auf die letzten 100 Jahre natürlich die Leitbetriebe der Region bleiben, die viel dazu beigetragen haben, dass der Bezirk zu den stärksten Wirtschaftsregionen im Land gehört. Die Firma Umdasch, deren Anfänge in das 19. Jahrhundert zurückreichen, hat sich mit den Unternehmensbereichen Ladenbau (Umdasch) und Schalungstechnik (Doka) zu einem internationalen Player mit Niederlassungen in 170 Ländern und 8.800 Beschäftigten entwickelt.

1961 gründete Peter Lisec die Glastechnische Industrie als Einzelfirma, aus der sich ein international tätiges Unternehmen entwickelte, das innovative Einzel- und Gesamtlösungen im Bereich der Flachglasverarbeitung und -veredelung anbietet. Die Lisec Gmbh hat Standorte in 20 Ländern und 1.250 Beschäftigte.

Im Westen des Bezirks haben sich vor allem die großen Unternehmen in St. Valentin weltweit einen Namen gemacht. Im CNH-Werk werden Traktoren der Marken Case IH und Steyr für Kunden in Europa, Afrika, dem Nahen Osten, Asien und rund um den Pazifischen Ozean produziert. Die 1945 gegründete Firma Engel ist Weltmarktführer im Bereich Spritzguss. Sie hat Niederlassungen und Vertretungen in über 85 Ländern und weltweit 6.400 Angestellte.

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