20 Jahre Jahrhundert-Hochwasser: Als die Flut kam

Erstellt am 10. August 2022 | 10:07
Lesezeit: 4 Min
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Der Damm in Ardagger hielt stand, dennoch sorgten die Wassermassen auch hier für verheerende Folgen.
Foto: Archiv
Genau vor 20 Jahren kam es im Bezirk Amstetten in mehreren Gemeinden zur Jahrhundert-Katastrophe.
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Das Jahrhunderthochwasser 2002 jährt sich Mitte August zum 20. Mal. Die größte Niederschlagsmenge gab es am 13. und 14. August. Zu schwerwiegenden Schäden kam es im Bezirk etwa in den Gemeinden Wallsee-Sindelburg, Ardagger und Neustadtl.

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Foto: Archiv

In Wallsee-Sindelburg bereitete man sich intensiv auf die nahende Katastrophe vor. „Dank der guten Kontakte zu Donaukraftwerksleiter Edmund Bacher haben wir früh geahnt, was da auf uns zukommt und uns gerüstet“, erinnert sich Leo Bruckner, damals Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, zurück. In Wallsee und in der Sommerau waren 20 Häuser betroffen. Die Mannschaft stand von Montag, 12. August, 9 Uhr, bis Sonntag, 18. August, 19 Uhr, im Einsatz. Stark in Mitleidenschaft wurden auch das Wassersportzentrum und die Kläranlage gezogen.

„Wir haben das Gebäude gut abgedichtet und verhindert, dass die Schaltanlage nass wird. Da waren wir rund um die Uhr vor Ort“, sagt Bruckner. Der Pegel stand übrigens 85 Zentimeter über dem Pegel des Hochwassers 1954. Es war eines der größten Hochwasser der letzten 500 Jahre und für die Freiwillige Feuerwehr Wallsee der bis dato größte Einsatz. Zwischendurch musste auch die Wasserversorgung von den Feuerwehren sichergestellt werden. Insgesamt wurden von Mittwoch bis Montag 950.000 Liter Trinkwasser zugeführt. Vor dem Hochwasser 2013 errichtete man einen Hochwasserschutz, der 2011 fertiggestellt wurde.

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In Zukunft soll ein neuer Hochwasserschutz die Bewohner in Freyenstein (Neustadtl) schützen.
Foto: Archiv

In Ardagger Markt bewährte sich der Damm, er hielt den Fluten stand. Auf einem Teilstück rutschte allerdings die Böschung ab. Das führte dazu, dass die Sile aufgemacht werden mussten und eine Flutung nach innen erfolgte. Sepp Kürner, damals Ortsvorsteher, musste vom Pumpwerk aus sehen, wie seine Werkstatt nach dem Öffnen der Schleusen unter Wasser geriet. Seither wurde die Hangschulter verbreitert und die Dämme mit Drainagen und Poldagräben gesichert. Unter Wasser stand etwa das Musikheim, insgesamt kam es an 60 Liegenschaften zu Schäden. „Von 2002 bis zum nächsten Hochwasser 2013 sind 2,7 Millionen Euro für die Sanierung in den Damm investiert worden. Der hat dann auch 2013 gehalten, dann wurden noch einmal 1,7 Millionen Euro in die Hand genommen“, erinnert sich Bürgermeister Hannes Pressl.

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Neustadtls Bürgermeister Franz Kriener machte sich in Wiesen einen Eindruck vom Ausmaß der Katastrophe.
Foto: Archiv

Infolge des Hochwassers kam es zu Aussiedlungen. Der landwirtschaftliche Schaden in der Au belief sich auf 1,4 Millionen Euro. Das Gasthaus Parlament, das ebenfalls schwer betroffen war, errichtete man auf einer höheren Lage neu. Es sind am Rand des Hochwassergebietes auch neue Siedlungen mit Aussiedlern entstanden. „Wir haben auch riesige Summen investiert, um die Wege-Infrastruktur in der Au neu zumachen. Das war wirklich viel Aufwand“, sagt Pressl. Insgesamt haben das Hochwasser und dessen Folgen die Gemeindefinanzen der nächsten drei, vier Jahre dominiert.

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Schwer betroffen war das Schifffahrtsunternehmen Brandner in Wallsee-Sindelburg.
Foto: Feuerwehr

In Neustadtl waren 40 Liegenschaften betroffen, bei 20 davon stand Wasser bis zu zwei Meter hoch. Und zwar in den Wohnräumen. Im privaten Bereich betrug der Schaden 900.000 Euro an den Gebäuden, zusätzlich 500.000 Euro an beweglichem Inventar. Franz Kriener, seit 2000 Bürgermeister, strebte schon vor dem Hochwasser eine neue Hochwasserstudie des Landes an. „Die ist dann kurz davor fertig geworden, war aber dann freilich nicht mehr aktuell und musste wiederholt werden“, schildert er. Im Zuge der Einsatzarbeiten forderte er auch das Bundesheer an, das mit drei Kompanien vor Ort war. Zusätzlich zu 30 Feuerwehren. Es war eine strapaziöse Zeit. „Einige Nächte hab ich in der Kaffeekuchl im Gemeindeamt geschlafen, weil das immer besetzt sein musste. Nach der Studie gab es dann übrigens auch die Zusage, dass alle Häuser in Neustadtl, die Wassser im Wohnbereich hatten, ein Absiedlungsangebot erhalten. Das haben dann 17 Personen genützt“, sagt Kriener. In Freyenstein forderte man die Umsetzung eines Hochwasserschutzes, für den es nun, 20 Jahre später, die Zusage des Landes gibt. „Wir werden diesen in den nächsten zwei Jahren projektieren und dann umsetzen“, blickt Kriener in die Zukunft.

Schwer zu kämpfen hatte die Landwirtschaft im gesamten Bezirk. So wurden 1.000 Hektar Ackerkulturen, Futterflächen und Wechselwiesen vernichtet. Besonders betroffen war der Mais.

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Mittels Zillen mussten viele Bürger auch in Ardagger mit dem Notwendigsten versorgt werden.
Foto: Archiv

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