Abgeriegelte Pflegezentren: „Die Nervosität ist groß“. Besuchsverbot für Angehörige. Bewohner gehören natürlich zur Risikogruppe.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 17. März 2020 (05:23)
In den Pflege- und Betreuungszentren der Region sind schon seit der Vorwoche alle Besuche von Angehörigen untersagt. Der Schutz der Bewohner, die ja zu der Risikogruppe gehören, hat Vorrang.
Hudler

Höchste Alarmstufe herrscht ob des Coronavirus in den Seniorenheimen der Region. „Da unsere Bewohner zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören, ist die Nervosität bei uns natürlich groß“, sagt die Direktorin des Pflege und Betreuungszentrums in Wallsee, Ulrike Hierner.

Das Land hat ja den Heimen inzwischen ein strenges Besuchsverbot verordnet. Für Hierner war das eine sehr gute Entscheidung. „Denn wir ersparen uns dadurch viele Telefonate und auch viele Erklärungen“, sagt sie. Die Anordnung werde von den Angehörigen der Patienten auch durchwegs akzeptiert. „Die meisten Bewohner haben ja auch Handys und können so mit ihren Verwandten in Kontakt bleiben und den Übrigen ermöglichen wir mit den Haustelefonen Gespräche zu führen“, sagt die Direktorin.

„Die letzten Tage waren auch für mich eine Hochschaubahn der Gefühle!“ Ulrike Hierner, Direktorin des Pflege- und Betreuungszentrums Wallsee

Ins Haus dürfen auch in den nächsten Wochen Angehörige von Sterbenden, um Abschied zu nehmen. Dabei wird natürlich aber vermieden, dass sie mit anderen Bewohnern in Kontakt kommen. Der Frisör hat sein Geschäft im Haus bereits geschlossen.

Direktorin Ulrike Hierner.
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Für das Personal im Pflegezentrum ist es ohnehin selbstverständlich, strenge Hygienestandards einzuhalten. „Denn wir müssen unsere Bewohner ja auch vor der Grippe und vor Keimen schützen. Jetzt werden die Hände aber noch öfter gewaschen“, sagt Hierner. Für das Personal gilt natürlich ebenfalls die Regel, im Privatbereich soziale Kontakte und damit auch die Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

Hierner ist voll des Lobs für ihre Mitarbeiterinnen, die sich sehr gut um die Bewohner kümmern und auch beruhigend auf sie einwirken. „Denn natürlich sind die Leute durch die Situation verunsichert“, sagt die Direktorin.

Für sie selbst waren „die letzten Tage eine Hochschaubahn der Gefühle. Immerhin trage ich ja die Hauptverantwortung für 102 gefährdete Personen. Mir hilft aber der gute Zusammenhalt im Haus und auch der Krisenstab in St. Pölten, der uns betreut ist eine große Unterstützung. Die Vernetzung mit den anderen Betreuungszentren in der Region ist ebenfalls sehr gut, wir haben ja alle die gleichen Probleme“, sagt Hierner. Sie ist zurzeit immer telefonisch für ihre Mitarbeiterinnen erreichbar, und dreht auch täglich eine Runde im Haus, um mit Bewohnern zu sprechen.

„Auf das besinnen, was wichtig ist“

Die Versorgung des Pflegezentrums ist natürlich sichergestellt, auch Desinfektionsmittel steht ausreichend zur Verfügung. „Interessant ist da schon, dass sich da bei manchen Firmen der Preis bei einem Stück von 1,60 Euro auf 17 Euro erhöht hat. Das zeigt auch, wie groß die Nachfrage von verunsicherten Bürgen ist.“

Hierner ist zuversichtlich, dass das Betreuungszentrum die kommenden Wochen gut bewältigen wird. „Und vielleicht ist dieser Schritt zurück von der sonstigen Aktivität und dem übervollen Angebot ja auch eine Chance, sich wieder einmal darauf zu besinnen, was im Leben wirklich wichtig ist.“

Programm nur noch in den Wohngruppen

Auch im Pflege- und Betreuungszentrum in Amstetten sind natürlich keine Besuche mehr erlaubt und auch wohngruppenübergreifende Veranstaltungen oder Beschäftigungsprogramme wurden abgesagt. „Unsere Bewohner gehören ja zur großen Risikogruppe und deshalb setzen wir auf Präventivmaßnahmen. Es ist zum Beispiel das Reinigungspersonal angewiesen, Türgriffe und auch Stiegengeländer besonders sorgfältig zu putzen“, sagt Direktorin Sabine Weidinger.

Natürlich wird auch in Amstetten mit allen Einschränkungen sehr behutsam umgegangen. „Wenn sich jemand in der letzten Lebensphase befindet, dann dürfen sich bei uns die Angehörigen verabschieden“, sagt die Heimleiterin.

Seit Samstag herrscht auch im Betreuungszentrum St. Peter/Au ein vollständiges Besuchsverbot. „So geht es uns aber gut. Es gibt keinen Verdachtsfall“, sagt Direktorin Sylvia Seibert. Die Bewohner würden sehr verständnisvoll mit der einschneidenden Regelung umgehen. „Wir haben die Tagesbetreuung geschlossen und auch unsere laufenden Projekte mit dem Kindergarten und den Schulen abgesagt. Auch alle Hausfeiern finden derzeit nicht mehr statt“, informiert die Pflegeheim-Leiterin weiter. All das dient natürlich dazu, die Gefahr der Ansteckung für die Bewohner, die ja zur größten Risikogruppe zählen, zu minimieren. Deshalb werden alle Tätigkeiten auf die einzelnen Wohngruppen beschränkt.

Mitarbeiter sorgen für Abwechslung

Für einen abwechslungsreichen Tagesablauf der Bewohner sorgen nun ganz verstärkt die Mitarbeiter des PBZ. „Wir haben ein wirklich tolles und sehr kreatives Team. Sie singen, basteln und spielen – zum Beispiel Bingo oder Mensch ärgere dich nicht – mit den Senioren. Das traditionelle Eierfärben wird in den Wohngruppen abgehalten. Spazierfahrten finden nur noch im Hausareal statt, wir sind ja gesegnet mit unserem schönen Garten“, sagt Seibert.

Alle Infos, die sie vom Krisenstab der Landesdirektion erhält, leitet die Direktorin eins zu eins an alle Mitarbeiter weiter: „Information ist jetzt ganz wichtig. Zwar kann man eine Ansteckung nie ganz ausschließen, wir hoffen aber, dass wir die Krise gut überstehen.“ Sie hofft, dass das Maibaumsetzen Ende April wieder in gewohnter Weise durchgeführt werden kann.