Ärzte: Nachfolger schwer zu finden. Viele Mediziner gehen in nächster Zeit in Pension. Bewerber für Kassenstellen sind oft rar – auch schon bei den Fachärzten.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 29. Mai 2018 (06:00)
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Shutterstock.com/Evgeny Atamanenko
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In NÖ wird in den nächsten fünf Jahren ein Drittel der Allgemeinmediziner in Pension gehen. Dass es schwierig wird, für sie Nachfolger zu finden, zeigt sich auch im Bezirk. Schon im Jänner berichtete die NÖN, dass in Mauer der Praktiker Leopold Klem einen Arzt oder eine Ärztin sucht, der seine Ordination übernimmt. Inzwischen wurde die Kassenstelle von der Ärztekammer mehrmals ausgeschrieben, bislang hat sich aber niemand beworben. Im Juni wird erneut ausgeschrieben. Auch in Weistrach wird bislang vergeblich ein Nachfolger für den praktischen Arzt Gerhard Imb gesucht.

Ärztevertreter Christian Eglseer aus Amstetten schätzt die Situation im Bezirk als „eher bedrohlich ein, weil in den nächsten fünf Jahren etwa zehn Ärzte ins Pensionsalter kommen werden, darunter auch Fachärzte.“ Für diese werde es ebenfalls immer schwieriger, Nachfolger zu finden, sagt Eglseer. Er suche selbst schon seit mehreren Jahren einen regelmäßigen Vertreter, dem er später auch reibungslos seine Ordination übergeben könne, bislang aber vergeblich. Prekär sei die Situation vor allem auch bei den Kinderärzten. Die Regierung, klagt der Ärztevertreter, tue nun mit den Plänen zur Kassenfusionierung das Ihre dazu, die Situation noch undurchsichtiger zu machen. Ebenso die SPÖ mit ihrem Vorschlag, dass Ärzte künftig von Ländern angestellt werden sollten.

Bezirksärztevertreter Christian Eglseer
Archiv

Für gut bis sehr gut hält Eglseer die Idee der Primärversorgungszentren, die künftig von mehreren praktischen Ärzten gemeinsam betrieben werden sollen, um sich gegenseitig zu entlasten und den Patienten längere Öffnungszeiten bieten zu können. „Die Umsetzung wird allerdings schwierig. Denn zuerst müssen sich die Ärzte einmal zusammenraufen und dann hohe Investitionen tätigen, denn die Einrichtung eines solchen Primärversorgungszentrums kostet sehr viel Geld. Die 50.000 Euro Anschubförderung sind da nur Peanuts“, betont der Bezirksärztevertreter. Problematisch sei auch, dass das Pilotprojekt ja nur bis zum Jahr 2021 laufe. „Was ist, wenn es dann nicht verlängert wird?“, fragt Eglseer.

 

„Situation ist noch nicht dramatisch“

Für den Obmann des VP-Gemeindevertreterverbandes, Ardaggers Bürgermeister Hannes Pressl, ist die Situation im Bezirk derzeit noch nicht dramatisch. „Im Moment sind es nur Einzelfälle, wo Stellen längere Zeit nicht besetzt werden können.“ Grundsätzlich brauche es ein Einzugsgebiet von etwa 2.500 Patienten, um eine Praxis gut führen zu können. In Mauer sei das gegeben, weswegen Pressl zuversichtlich ist, dass sich dort wieder ein praktischer Arzt ansiedeln wird. „In ländlichen Gegenden ist das problematischer. Deshalb ist es auch leichter, eine Stelle mit einer Hausapotheke zu besetzen, weil diese doch einen wesentlichen Zusatzertrag bringt“, sagt der VP-Politiker.

Hannes Pressl plädiert dafür, dass Ärzte andere Ärzte anstellen dürfen.
Gemeinde

Im Gemeindebund beschäftige man sich derzeit viel mit dem Thema Hausärzte. Das Hauptproblem sei, dass Studenten und Praktikanten eher zur Ausbildung zum Facharzt tendierten, weil man sich da spezialisieren und weiterentwickeln könne und das viele spannender fänden. Hinzu komme noch, dass der Arztberuf zunehmend weiblich werde. „Eine praktische Ordination lässt sich aber mit Familie nur schwer vereinbaren, weil man da ja auch rund um die Uhr gefordert ist. Viele Frauen streben daher eine Teilzeitbeschäftigung an, die im Krankenhaus natürlich leichter zu bewerkstelligen ist.“

Ein guter Ansatz scheint Pressl die Einrichtung von Gruppenpraxen zu sein. Dazu sei es aber nötig, dass eine zentrale Forderung des Gemeindebundes erfüllt werde, dass nämlich Ärzte andere Ärzte anstellen können. „Wenn das möglich wird, dann werden sich größere Ordinationen entwickeln, wo sich die Ärzte die Zeiten besser einteilen können und auch Teilzeitarbeit möglich wird“, sagt Pressl.

Kerstin Suchan-Mayr findet, dass Ärzte den Gemeinden etwas wert sein müssen.
Gemeinde

Die Primärversorgungszentren sind für ihn hingegen noch nicht der Weisheit letzter Schluss. „Das ist im städtischen Bereich, wo die Standortfrage kein Problem ist, sicher leichter möglich, im ländlichen Raum aber schwierig.“ Er habe selbst schon mit Ärzten in Viehdorf, Neustadtl und St. Georgen Gespräche geführt. Derzeit sei da ein Primärversorgungszentrum noch kein Thema. Andenken könne man, so Pressl, schon eher eine gemeinsame Patientenverwaltung von mehreren praktischen Ärzten. „Dann hat man zwar drei Standorte, aber jeder Arzt könnte auf die jeweiligen Patientendaten zugreifen, was die gegenseitige Vertretung vereinfachen würde. Außerdem könnten Ärzte die Ordinationszeiten besser aufeinander abstimmen. Noch sind wir aber nicht soweit. Es gilt da natürlich auch Fragen bezüglich des Schutzes von Patientendaten zu klären“, sagt der GVV-Obmann.

Ärzte müssen jetzt die Weichen stellen

Keinesfalls aus der Pflicht entlassen, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, will Pressl jene Ärzte, die bald in Pension gehen. „Es ist an ihnen die Weichen so zu stellen, dass ein Nachfolger gut arbeiten kann, damit ihre Patienten auch künftig gut versorgt sind.“

Positive Signale an die Allgemeinmediziner

Auch die Obfrau des SP-Gemeindevertreterverbands im Bezirk, St. Valentins Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr, sieht in den nächsten Jahren bei den praktischen Ärzten einen Engpass kommen. „Der Tenor ist, dass dort, wo es keine Hausapotheke gibt, eine Ordination nicht attraktiv ist. Man muss also grundsätzlich die Rahmenbedingungen überdenken und überlegen, welche Verdienstmöglichkeit Hausärzte haben.“

Auch die Gemeinden müssten Signale aussenden, dass ihnen ein Allgemeinmediziner vor Ort etwas wert sei. „Das kann eine gewisse Startförderung sein oder auch die Unterstützung, wenn es darum geht, eine Ordination barrierefrei zu machen“, sagt Suchan-Mayr.

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