Erstellt am 08. Mai 2015, 05:45

von Daniela Führer

Aktive Selbsthilfegruppe: „Stillstand ist Rückschritt“. Wilhelm Schmutz und Franz Schlemmer gründeten 2009 die Selbsthilfegruppe JUPPS Parkinson aktiv NÖ-West. Sie berichten vom Leben mit der Krankheit.

„Bewegung! Gemeinsam, aktiv mit Körper und Geist“ lautet der Leitspruch der Parkinson-Selbsthilfegruppe JUPPS, die vom Amstettner Wilhelm Schmutz und dem Euratsfelder Franz Schlemmer 2009 federführend gegründet wurde. Seither unternimmt die Gruppe viele gemeinsame Aktivitäten.  |  NOEN, privat

„2003 erhielt ich die niederschmetternde Diagnose. Ich war 46 Jahre und habe überhaupt nicht damit gerechnet“, erinnert sich Franz Schlemmer noch gut an seine erste Begegnung mit seiner nunmehr ständigen Wegbegleiterin: der Krankheit Morbus Parkinson. Drei lange Jahre hielt er die neurodegenerative Krankheit vor Freunden und Kollegen geheim, nur seine engste Familie wusste davon. Als er es schließlich wagte, anderen seine Krankheit mitzuteilen, fühlte er sich befreit: „Ich war froh, diesen Schritt geschafft zu haben!“

„Wir sind zu jung und es ist zu bald, um aufzugeben"

Im November 2008 lernte Franz Schlemmer bei einer Reha in Bad Pirawarth den Amstettner Wilhelm Schmutz kennen, der 2004 von seiner Krankheit erfuhr. „Wir haben gesagt, wir sind zu jung und es ist zu bald, um aufzugeben. Daher haben wir uns entschlossen, wir tun etwas!“, erzählen die beiden.

Daraufhin gründeten sie 2009 die Selbsthilfegruppe JUPPS Parkinson aktiv NÖ-West. „Am Anfang standen wir vor dem Nichts. Mit privaten Sponsoren und der Unterstützung des Landesklinikums Mauer haben wir es aber geschafft. Jeden ersten Donnerstag im Monat gibt es jetzt ein Treffen“, informieren sie. Ob Physiotherpie, QiGong, Smovey-Einheiten, bewegter, offener Tanz, Logopädie oder Singen – das Angebot in der aktiven Selbsthilfegruppe ist sehr vielfältig.

„Gemeinsam aktiv sein und am Leben teilnehmen, das steht bei uns im Vordergrund, denn Stillstand ist Rückschritt“, sagt Willi Schmutz. „Es ist auch immer eine Frage, wie lasse ich mich von der Krankheit vereinnahmen. Es geht viel um die geistige Haltung, die ist so wichtig“, erklärt Willi Schmutz einen weiteren wichtigen Ansatz der Selbsthilfegruppe: den Informationsaustausch. „Es ist einfach so: Die Reaktionen von Gesunden können nie so sein wie von Gleicherkrankten“, weiß er.

Fahrradstaffel mit Rad-Profi Gattringer

Um die breite Bevölkerung der Region auf die Krankheit Parkinson aufmerksam zu machen, beteiligt sich die Selbsthilfegruppe auch an der „Sympath on Tour/Fahrradstaffel 2015“. Im Mittelpunkt dieser Tour stehen Betroffene, die es trotz körperlicher Einschränkungen schaffen, auf einer Radtour quer durch Österreich weite Strecken zurückzulegen. Begleitet werden sie unter anderem von Paralympics-Teilnehmer und Rennrad-Profi Manfred Gattringer.

Am 3. Juni macht die Staffel Halt in Amstetten. „Jeder kann mitfahren und uns begleiten. Wir starten in Wallsee beim Kraftwerk-Parkplatz und fahren bis nach Amstetten zum Hauptplatz“, informiert Schmutz. Dort gibt es dann eine Ausstellung über die Geschichte der Krankheit Parkinson samt Ausblick in die Zukunft. Auch Parkinson-Experten sind zu Gast.

Wilhelm Schmutz (0676/579 90 08), Franz Schlemmer (0664/731 448 84) und Maria Anna Strabler (0664/496 46 35) geben jederzeit nähere Auskünfte über ihre Selbsthilfegruppe.