Arbeitslosigkeit: Rekordniveau im 1. Halbjahr

Arbeitslosigkeit Im März und April höchste Rate seit Weltkrieg. Bezirk Amstetten dennoch deutlich unter Landesschnitt.

Hermann Knapp
Hermann Knapp Erstellt am 26. August 2020 | 04:57
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Prozentuell sind die Zuwächse der Arbeitslosenzahlen nirgends in Niederösterreich so hoch wie im Mostviertel. Und dennoch liegt die Region mit einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent im ersten Halbjahr 2020 deutlich unter dem NÖ-Wert von 9,2 Prozent.

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AMS-Chef Harald Vetter befürchtet im Herbst steigende Arbeitslosenrate.
AMS

Auch im Bezirk Amstetten stieg die Arbeitslosigkeit im 1. Halbjahr auf ein Rekordniveau. „Durch den Lockdown Mitte März hat sie sich in den Monaten März und April gegenüber dem Vorjahr verdoppelt“, berichtet der Leiter der AMS-Bezirksstelle Amstetten, Harald Vetter. In diesen beiden Monaten habe der Bezirk die höchsten Arbeitslosenzahlen seit dem 2. Weltkrieg verzeichnet. Im März 2019 seien rund 500 Personen arbeitslos gemeldet gewesen, heuer 1.700. Durchschnittlich waren im ersten Halbjahr pro Monat 3.015 Personen (1.632 Männer und 1.383 Frauen) arbeitslos, um 1.039 oder 52,6 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2019.

Einen kleinen Lichtblick hat Vetter aber auch zu vermelden. „Obwohl die Betriebe weniger Personal suchten, haben heuer von Jänner bis Juli 3.205 Personen (um 18 % mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres) den Wiedereinstieg in das Berufsleben aus der Arbeitslosigkeit heraus geschafft – das ist sozusagen die positive Schlagzeile im ersten Halbjahr!“

Im Juli ist die Arbeitslosenrate im Bezirk auf 5,6 Prozent gesunken (NÖ-weit 8,8 Prozent).

Dass die Arbeitslosigkeit im Bezirk im ersten Halbjahr nicht noch höhere Dimensionen erreicht hat, führt Vetter auf das Kurzarbeitszeitmodell zurück. „Mitte Juni waren über 900 Betriebe im Bezirk mit fast 15.000 Beschäftigten in Kurzarbeit“, berichtet der AMS-Chef.

Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 waren in ganz NÖ 140 Betriebe von Kurzarbeit betroffen. Ab Juli wurde in vielen Firmen wieder normal gearbeitet.

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Quelle: AMS; NÖN-Grafik: Gastegger Illustration: Golden Sikorka /Shutterstock.com

Stand Mitte August sind noch 459 Betriebe in Kurzarbeit – mit 9.164 Arbeitnehmern. „Die Kurzarbeit stabilisiert ohne Zweifel den Arbeitsmarkt. Wir werden erst nach Ende der Verlängerungen und der Behaltefrist wissen, wie viele Menschen nun doch ihre Arbeit verlieren und wie viele Unternehmen durch die Krise nicht durchtauchen können“, sagt Vetter.

Er geht davon aus, dass die Auswirkungen der Coronakrise die Betriebe im Bezirk noch lange beschäftigen werden und die Arbeitslosigkeit im Herbst auch wieder steigen wird. 2021 werde sie zwar niedriger sein als 2020, prognostiziert er, aber deutlich über dem Vorkrisen-Niveau liegen. „Wir als AMS werden mit maßgeschneiderten Maßnahmen versuchen, Betroffenen den Wiedereinstieg trotz schwieriger Arbeitsmarktlage zu erleichtern. Wir lassen am Arbeitsmarkt niemanden zurück“, versichert der AMS-Chef.

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