Bauern sind besorgt wegen Käferplage

Erstellt am 26. September 2018 | 03:56
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Bei der Begehung in Ertl: Landeskammerrat Andreas Ehrenbrandtner, Hubert Gartlehner, Ortsbauernratsobmann Alfred Losbichler, Kammerobmann Josef Aigner und Bauernbund-Präsident Georg Strasser.
Foto: NOEN
Engerlinge des Maikäfers befallen Grünland, aber auch Hausgärten, und richten großen Schaden an. Bauernkammern Amstetten und Waidhofen/Ybbs luden zu Fachtag ein.
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Die Fraßschäden sind allgegenwärtig: „Der Engerling kommt mittlerweile in allen Gebieten des Bezirkes Amstetten vor, wenn auch mit unterschiedlichem Befallsdruck“, sagen die Kammerobleute Josef Aigner und Klaus Hirner. Am stärksten betroffen sind jene Bereiche, in denen der Grünlandschädling schon am längsten „zu Gast“ ist – von der Kleinregion Herz Mostviertel bis zum oberen Ybbstal.

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Foto: Hudler

Die Bezirksbauernkammern Amstetten und Waidhofen/Ybbs veranstalteten in der Vorwoche in Zusammenarbeit mit dem Maschinenring in Hollenstein/Ybbs einen Fachtag „Bodenschädlinge im Grünland“ mit Vorführungen zur mechanischen Engerlingbekämpfung. Rund 120 Landwirte von Neustadtl/Donau über Ertl bis St. Georgen/Reith informierten sich, wie man die Plage in den Griff bekommen kann.

Bis zu 60 Prozent der Flächen geschädigt

„In den neuen Engerling-Gebieten ist der Befall heuer zum ersten Mal großräumig sichtbar geworden, nachdem braune Flecken früher oft der Dürre zugeschrieben worden sind“, sagte Kammerobmann Josef Aigner bei seinem Besuch mit Bauerbundpräsidenten Georg Strasser am landwirtschaftlichen Anwesen von Hubert Gartlehner in Ertl, dessen Wiesen bis zu 60 Prozent geschädigt sind.

„Wenn ich 100 bis 150 Engerlinge pro Quadratmeter zählen kann, ist das ein Zeichen dafür, dass der Maikäfer schon seit mindestens zwei Flugzyklen da ist“, erklären Aigner und Hirner.

Die Befallsflächen in den hauptbetroffenen Regionen weisen zum Teil 300 bis 400 und noch mehr Engerlinge pro Quadratmeter auf. Betroffen sind aber nicht nur landwirtschaftliche Flächen, sondern auch Privatgärten. Ja sogar in Blumenkistchen und Hochbeeten sind die kleinen Plagegeister zu finden.

Der Maikäfer hat sehr geregelte Entwicklungszyklen. Eine Massenvermehrung tritt etwa alle 30 bis 40 Jahre auf. 1950 bis 1970 wurde Niederösterreich von den Schädlingen heimgesucht, dann erst wieder ab 2005.

„Ich gehe davon aus, dass uns das Thema noch die nächsten 15 Jahre erhalten bleiben wird“, sagt Strasser. Der aktuelle Engerlingbefall werde seine Auswirkungen vor allem im kommenden Jahr zeigen, wenn die Fressleistung der Engerlinge nach der Winterruhe steige.

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Beim Fachtag in Hollenstein: Kammerobmann Josef Aigner, von der NÖ Landwirtschaftskammer Rita Biber, Kammerobmann Klaus Hirner und Bodenexperte Christian Enzenhuber.
Foto: Heribert Hudler

„Dieses Hitzejahr hat in der Landwirtschaft starke Spuren hinterlassen. Auch diese extreme Befallssituation ist sowohl der Trockenheit als auch der Gradation des Maikäfers geschuldet. Unser Ziel ist eine nachhaltige und fachgerechte Bekämpfung. Um dies effizient umzusetzen, gilt es mit fundierter Beratung auf die Bäuerinnen und Bauern zuzugehen“, betont Kammerobmann Aigner.

Die mechanische Bekämpfung ist teuer

Was den Erfahrungen nach sicher funktioniert, ist die mechanische Bekämpfung der Engerlinge. Die Kammer empfiehlt den Landwirten, den Boden mit einem Kreiselgrubber oder einer Kreiselegge zweimal im Abstand von wenigen Tagen zu bearbeiten. Die Zinken müssen dabei auf Griff gestellt sein. „Das könne jetzt noch gemacht werden, bei geringem Befall auch erst im nächsten Jahr. Dann aber frühestens Ende Mai, denn davor sind die Engerlinge noch zu tief im Boden“, sagt Bodenexperte Bernhard Fromhund.

Billig ist das Verfahren nicht

Die mechanische Bodenbearbeitung kostet pro Hektar rund 500 Euro und die alternative Behandlung von Steilhanglagen mit Pilzgerste bis zu 1.000 Euro. Der Maschinenring hat spezielle Einsaatmaschinen, die betroffene Wiesen aufschlitzen und die sogenannte Melocont-Pilzgerste einbringen. „Sie bringt den Pilz in den Unterboden, dieser ernährt sich von Maikäferengerlingen und tötet sie ab. Andere Larven werden nicht angegriffen“, sagt Fromhund.

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