Baustoffmangel spitzt sich zu. Die Wirtschaft kämpft mit den Folgen. Als Gründe gelten höhere Nachfrage und geringere Produktion. Die Folgen: Preissteigerungen und lange Wartezeiten.

Von Peter Führer. Erstellt am 28. April 2021 (05:36)
Edith Jungwirth, Prokuristin bei Ing. W. Jungwirth in Amstetten, verweist unter anderem auf eine schwierige Materialbeschaffung.
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Noch volle Auftragsbücher und eine weiterhin hohe Nachfrage. Der Bauboom hält an. Dennoch steht die Branche vor einer großen Herausforderung, die sich in den vergangenen Monaten immer weiter verschärft hat: dem Baustoffmangel. Der betrifft mehrere Bereiche.

„Begonnen hat die Situation damit, dass die Materialbeschaffung im Jänner beim Baustahlgitter schleichend teurer geworden ist. Da gab es innerhalb einer Woche eine Preissteigerung von zehn Prozent, gegenüber Jänner liegen wir mittlerweile bei 50 Prozent“, erklärt Edith Jungwirth, Prokuristin bei Ing. W. Jungwirth in Amstetten.

In den vergangenen Monaten kamen dann auch noch Probleme bei anderen Materialien, etwa Dämmstoffen und PVC, hinzu. „Wir haben einige Angebote mit Fixpreisen gelegt, da wirkt sich so eine extreme Preiserhöhung bei den Materialien für uns natürlich nicht günstig aus“, berichtet Jungwirth weiter.

Sorgen trotz noch voller Auftragsbücher

Als Gründe für den Baustoffmangel dürften mehrere Faktoren zusammenspielen. Zum einen verweise die Industrie immer wieder auf Rohstoffknappheit. Zum anderen sind aber viele Industriebetriebe seit längerer Zeit in Kurzarbeit.

„Früher ist man im Drei-Schicht-Betrieb gefahren, heute nur in Ein-Schicht. Das verringert natürlich die Produktion. Alle Faktoren für dieses Problem sind wirklich nicht genau nachvollziehbar“, erklärt Jungwirth. Man sei bemüht, alle laufenden Aufträge termingerecht abzuarbeiten und hoffe, dass sich der „überhitzte“ Markt bis Sommer 2021 etwas beruhigen wird. Eine Preiserhöhung werde jedoch vermutlich bestehen bleiben.

Auch bei Mayr Bau (Steyr/Ertl) berichtet man von Auswirkungen eines Baustoffmangels. Das betrifft zum Beispiel Dämmstoffe oder Bewehrungen. Das Ganze führt nicht nur zu eklatanten Preissteigerungen, sondern auch zu höheren Lieferzeiten. „Ganz extrem ist es auch bei den Fertigteilen. Vorher gab es eine Vorlaufzeit von 14 Tagen, mittlerweile sind wir da bei drei bis vier Monaten“, berichtet Prokurist Franz Forster.

Die Entwicklung habe sich in den vergangenen Monaten hochgeschaukelt, verschärft ab Mitte März. Der Baustoffmangel und seine Konsequenzen erschweren die Planungen und seien insbesondere bei jenen Projekten, bei denen man Fixpreise angeboten hat, problematisch für die Firmen. Noch sei die Auftragslage auch bei der Firma Mayr sehr gut. „Aber das wird sich ändern, weil es teurer wird. Ich glaube sowieso, dass es Corona-bedingt eher rückläufig werden wird“, blickt Forster in die Zukunft.

Der Holzbau kämpft auch mit Mangel

Auch beim Holz und beim Holzbau steigen die Lieferzeiten an und erhöhten beziehungsweise erhöhen sich die Preise. Helmut Michlmayer (Holzbaumeister in Strengberg) sieht dafür drei Gründe. „Erstens wird von der Industrie immer mehr nach Amerika exportiert. Der Weltmarkt zieht massiv an. Zweitens ist auch bei uns die Nachfrage, unter anderem wegen der aus meiner Sicht unnötigen Investitionsförderung, im Baubereich massiv gestiegen. Und drittens wird von der Industrie auch aufgrund der Kurzarbeit weniger produziert. All das zusammen führt eben zu einer Knappheit, steigenden Preisen und längeren Lieferzeiten“, erklärt der Unternehmer.

Das Problem betreffe unter anderem Leimbinder, OSB-Platten, Brettsperrholz sowie Dreischichtplatten. Michlmayer habe bei einigen Baustellen zum Glück schon vorbestellt und einiges auf Lager, doch die Situation spitzt sich immer mehr zu. „Ich verstehe nicht, warum man, obwohl die Nachfrage so hoch ist, vom Bund noch Förderungen vergibt. Das ist in Wahrheit eine reine Industrieförderung“, kritisiert Michlmayer.

PV-Module werden ebenfalls rar

Die Entwicklung habe zur Folge, dass er bei einigen Baustellen mit Verlusten konfrontiert ist. „Im Winter macht man sich mit den Kunden die Preise aus, dann gibt es so massive Preissteigerungen beim Material, dass die Projekte dann eigentlich nicht mal mehr kostendeckend umgesetzt werden können“, erklärt Michlmayer. Ein Beispiel: Bei Leimbindern in Industriequalität stieg der Preis von Februar 2020 bis heute von 410 Euro auf 750 Euro an.

Neben der Baubranche kämpft auch die Elektrobranche zusehends mit Materialknappheit. Das betrifft zum Beispiel PV-Module. „Es gibt hier eine massive Preisschlacht und es wird immer schwieriger, dass man zu PV-Modulen kommt. Bei Dachhaken gibt es Preissteigerungen von 15 bis 30 Prozent. Auch bei Kabeln, Eisen, Kunststoff gibt es derartige Preissteigerungen. Das macht natürlich die Angebotslegung schwierig“, erklärt Peter Pfaffeneder von ELTE Elektrotechnik aus Neuhofen. Neben dem Preis ist auch die Verfügbarkeit zusehends ein Problem.

Glücklicherweise konnte Pfaffeneder allerdings in der Vorwoche noch eine Modul-Lieferung mit zehn Paletten auftreiben. „Das ist auch schon wieder verkauft. Ich glaube, dass der Mangel eine künstliche Blase ist, die von der Industrie erzeugt wird. Wir sind aber froh, dass wir Partner haben, die uns zugesagt haben, dass wir immer Module erhalten“, führt der Unternehmer weiter aus.

Die Entwicklung bestätigt auch die Firma Elektro Göbl in Neustadtl. „Wir sind bemüht und achten darauf, dass wir die Materialien rechtzeitig bestellen, damit es keinen Engpass gibt. Da braucht es natürlich viel Weitblick“, erklärt Projektleiter Johannes Berger. Das sei insbesondere bei Großprojekten, wie derzeit dem Marks-Tower in Wien, von entscheidender Bedeutung.

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