Biogas: „Wird Förderung geben“. Öko-Strom-Verträge laufen aus. Anlagenbetreiber drängen seit Monaten auf Nachfolgeregelung. Regierungspakt gibt effizienten Anlagen – wie in Wallsee – nun Hoffnung.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 07. Februar 2017 (03:57)
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Sind davon überzeugt, dass Biogas noch immer eine sinnvolle ökologische Alternative zur Strom- und Wärmeerzeugung ist (v.l.): Stefan Schadauer, Klaus-Peter Schadauer, Bundesrat Andreas Pum, Franz Gruber und Walter Rosenberger.
NOEN, Knapp

Die Betreiber der Biogasanlage in Wallsee können aufatmen. Denn im neuen Regierungspakt ist eine Nachfolgeregelung für die auslaufenden Verträge zur Ökostromeinspeisung vorgesehen: In den nächsten fünf Jahren jeweils fünf Millionen Euro (bisher waren es jährlich 80 Millionen Euro). „Es wird also eine Förderung geben. In den Genuss kommen aber nur besonders effiziente Anlagen, die Strom und Wärme erzeugen“, sagt VP-Bundesrat Andreas Pum.

2018 läuft der Vertrag aus

Eine Biogasanlage, die da auf jeden Fall dazugehört, ist für ihn jene in Wallsee.

2005 wurde sie von fünf Landwirten errichtet. Damals haben sie auf 13 Jahre einen geförderten Strom-Einspeisetarif von 18 Cent pro Kilowattstunde garantiert bekommen. 2018 läuft der Vertrag aus, dann würden die Betreiber für den produzierten Strom nur noch drei Cent lukrieren (den derzeitigen Marktpreis), was die Anlage unrentabel machen würde.

Allerdings ist in Wallsee die Wärmeerzeugung mindestens so wichtig wie die Stromerzeugung. „Wir haben die Anlage damals ja auch deshalb errichtet, um damit die Wärmeversorgung des Landespensionistenheimes sicherzustellen“, sagt Walter Rosenberger, einer der fünf Landwirte, die die Anlage betreiben. Inzwischen werden auch die Hauptschule, die Volksschule, der Kindergarten und rund 70 Einfamilienhäuser von der Biogasanlage mit Wärme versorgt. Die Verträge laufen auf 20 Jahre.

„Auch deshalb ist es natürlich unbedingt notwendig, dass die Biogasanlage in Wallsee weiterhin Förderungen erhält. Die Betreiber müssen ja auch künftig ihrer Verpflichtung zur Wärmelieferung nachkommen“, sagt Pum.

Sinkender Strompreis Grund für die Misere

Geplant war ja ursprünglich, dass sich die Biogasanlagen in Österreich nach 13 Jahren selbst erhalten. Allerdings rechnete niemand damit, dass der Strompreis so drastisch sinken könnte. Damals lag er bei acht Cent pro Kilowattstunde, jetzt eben nur noch bei drei.

Dass ihre Anlage sehr effizient ist, können die Betreiber anhand einiger Zahlen beweisen. Jährlich werden rund 5.300 Megawattstunden Strom und rund 4.000 Megawattstunden Wärme erzeugt. „Mit dem Strom, den wir ins Netz der EVN einspeisen, könnten wir ganz Wallsee versorgen. Und mit unserer Wärme decken wir immerhin 35 Prozent des Gesamtbedarfs der Gemeinde ab“, sagt Rosenberger.

Die künftige Regelung sieht übrigens vor, dass in geförderten Biogasanlagen maximal nur noch 60 Prozent Mais verarbeitet werden dürfen. Das schreckt die Wallseer aber nicht. „Denn wir liegen ja jetzt schon unter dieser Quote. Neben Silomais werden bei uns Rüben, Energiegetreide und auch Puten- und Hühnermist verarbeitet. Aber auch eine große Menge Grasschnitt. Da tragen wir natürlich auch zur Landschaftspflege bei“, sagt Rosenberger.

Noch ein Blick ins neue Regierungsprogramm: Für jene Anlagen, die künftig nicht mehr in den Genuss einer Förderung kommen, solle es eine „Abwrack-Prämie“ geben.