Briefe gegen die Einsamkeit in der Coronakrise

Erstellt am 19. April 2020 | 10:34
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Die Initiative "Brieffreund" will die Einsamkeit von älteren Menschen lindern, die unter den Ausgangsbeschränkungen besonders leiden.
Foto: privat
Die Gesamtzahl der Erkrankten ist im Bezirk Amstetten von Samstag auf Sonntag (19.4., 10 Uhr) um eine Person auf 280 gestiegen. Ein Großteil der Betroffenen dürfte inzwischen wieder gesund sein. Genau Zahlen gibt es dazu vonseiten der Behörde aber nicht. Auf der Drive-in-Station in Amstetten wurde inzwischen damit begonnen, das mobile Pflegepersonal der Hilfsorganisationen (Hilfswerk, Volkshilfe, Caritas, Rotes Kreuz) in der Region zu testen. Die Initiative "Brieffreund" hat indessen das Wohl älterer Menschen im Sinn, die jetzt besonders unter Einsamkeit leiden.
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"Unsere Mitarbeiterinnen in der Pflege sind natürlich besonders von Ansteckung gefährdet. Das Personal der Sozialstation Amstetten wurde bereits getestet, das der anderen Sozialstationen im Bezirk folgt in den nächsten Tagen", berichtet NÖ-Hilfswerkspräsidentin Michaela Hinterholzer.  Sie betont aber auch, dass die Ergebnisse natürlich immer nur Momentaufnahmen sind. Aus diesem Grund sollen die Testungen auch im Rhythmus von zehn Tagen wiederholt werden. Die Kapazitäten dafür stehen in den Drive-in-Stationen zur Verfügung.

Initiative "Brieffreund" gegen Einsamkeit

Das Coronavirus macht aber nicht nur den direkt davon Betroffenen zu schaffen, sondern vor allem auch älteren Personen, die nicht so gut mit den elektronischen Medien umgehen können und besonders unter den Ausgangssperren leiden, weil sie einsam sind. "Tägliche Routinen fallen weg, wie zum Beispiel in die Kirche und auf den Friedhof gehen, dann zum Einkaufen oder zum Arzt – alles, wo man sonst Leute trifft, mit denen man kurz plaudern und sich austauschen kann. Für viele Menschen sind aber gerade das über weite Strecken ihre einzigen regelmäßigen Sozialkontakte. Wenn diese Tagesstruktur zerbricht, entsteht viel Raum für Depression, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Traurigkeit", weiß die Amstettner Psychologin Sylvia Hintersteiner. 

Um dem ein wenig entgegenzuwirken, hat sie die Initiative „Brieffreund“ ins Leben gerufen. Diese richtet sich insbesondere an Personen ab 60 Jahren, die gerne handschriftliche Briefe schreiben und erhalten. Es soll sein, wie es früher war, als man in dieser Weise Gedanken austauschte, sich Fotos und Karten schickte und darauf freute, alsbald eine Antwort im Briefkasten zu finden. 

"Im besten Fall entsteht eine lebenslange (Brief-)Freundschaft"

"Wenn Sie sich angesprochen fühlen, so schreiben Sie bitte handschriftlich an einen Unbekannten einen persönlichen Brief, in dem Sie ein wenig von sich erzählen. Stecken Sie diesen Brief in ein vorfrankiertes Kuvert und schreiben Sie Ihre Adresse als Absender darauf. Den Bereich für den Adressaten lassen Sie frei. Dieser Brief wird dann an eine zufällig ausgewählte Person weitergeleitet, die ebenfalls auf der Suche nach einem Brieffreund ist. Sie erhalten also in jedem Fall einen Brief von jemanden, im besten Fall entsteht so eine lebenslange (Brief-)Freundschaft", sagt Hintersteiner.

Sie hofft, dass ehrenamtlich Engagierte und Beschäftigte in Pflegeheimen, betreubarem Wohnen aber auch betreuende Angehörige die Senioren auf diese Möglichkeit aufmerksam machen und gegebenenfalls etwas „Starthilfe“ leisten könnten.  

Die Briefe mit der Absenderadresse sollen in einem weiteren Kuvert an die Adresse "Initiative Brieffreund, Postfach 0012, 3300 Amstetten
" geschickt werden.

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