Bürgermeister: Nähe zu Bürgern dank Apps und Internet. Digitale Möglichkeiten helfen Ortschefs aus dem Bezirk Amstetten bei Kontakt mit den Bürgern.

Von Peter Führer und Ingrid Vogl. Erstellt am 04. November 2020 (04:43)
Bürgermeister Christian Haberhauer nützt für die Kommunikation mit den Bürgern in der Coronakrise auch die Sozialen Medien intensiv.
Stadtgemeinde

Keine Veranstaltungen, eingeschränkter Verkehr auf den Gemeindämtern, Distanz auch durch Abstand und Masken. Die Coronavirus-Pandemie stellt die Bürgermeister vor eine große Herausforderung. Jetzt kommt auch noch der nächste Lockdown dazu, daher stellt sich für viele Ortschefs die Frage: Wie schafft man es, trotz der Einschränkungen den Kontakt zu den Bürgern nicht zu verlieren? Dringen Sorgen und Anregungen trotzdem durch?

Für Amstettens Ortschef Christian Haberhauer kommt gerade in dieser Zeit der Digitalisierung eine große Rolle zu. „Wir informieren unsere Bürger über unsere Homepage und die Sozialen Medien über aktuelle Entwicklungen. Dass das Interesse sehr groß ist, zeigen die Zugriffszahlen. Da es sehr schnell zu Veränderungen kommt, ist es schwierig, in gedruckter Form zu informieren“, erklärt er. Mittlerweile seien auch viele ältere Menschen im Internet unterwegs und nützen die Informationsmöglichkeiten.

Nach individuellen Vereinbarungen gibt es auch weiterhin Sprechstunden. „Auf der einen Seite hilft uns Social Media bei der Information, auf der anderen Seite gibt es die große Herausforderung der Polarisierung und der Fake News. Es kann ja jeder alles reinstellen, ohne Beweise antreten zu müssen“, kennt Haberhauer auch die Schattenseiten Sozialer Medien. Dass der Bürgerkontakt trotz aller Einschränkungen in Amstetten nicht abgerissen ist, zeige die Tatsache, dass er aktuell „das Fünffache seines normalen Pensums“ bewältige. „Ich bekomme derzeit 50 bis 80 Mails pro Tag und versuche, alle zeitnah zu beantworten. Das ist eindeutig mehr geworden. Auch über Facebook nehmen immer mehr Menschen Kontakt auf. Ich habe derzeit 16-Stunden-Tage. Das ist sehr anstrengend, aber es macht mir auch Spaß, so viele Rückmeldungen zu bekommen.“

Gemeinde-App wird viel von der Jugend genützt

St. Georgens Ortschef Christoph Haselsteiner erklärt, dass er nun vermehrt Projektbesprechungen vor Ort zum Bürgerkontakt nütze. Er führe zudem zahlreiche Telefonate und informiere auch über die Sozialen Medien. Um die Sicherheit zu erhöhen, hat man für die Sprechstunden Plexiwände im Gemeindeamt angeschafft. Als weiteren Informationskanal rief die Gemeinde zudem eine Gemeinde-App ins Leben. Diese wird derzeit weiter optimiert, verantwortlich dafür ist geschäftsführender Gemeinderat Markus Huber. „Die App soll bis Weihnachten weiter verfeinert werden und wird vor allem von Jugendlichen genützt“, erläutert Haselsteiner.

Trotz all der Möglichkeiten ist der Ortschef sicher: „Der gesellschaftliche Kontakt ist sehr wichtig und ich hoffe, dass bald wieder Normalität einkehrt. In der jetzigen Situation ist auch wieder deutlich geworden, wie wichtig die Gemeinderäte sind, um den Kontakt zu den Bürgern zu pflegen.“

„Persönlicher Kontakt geht natürlich ab“

Sehr geändert hat sich der Alltag in den letzten Monaten für St. Valentins Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr. „Der persönliche Kontakt zu den Bürgern geht natürlich ab. Es fehlen einfach die Veranstaltungen, bei denen man mit den Leuten in Kontakt kommt“, erklärt die Stadtchefin. Um die Bürger weiterhin informieren zu können, nutzt man in St. Valentin verstärkt die Sozialen Medien.

So gibt es regelmäßig aktuelle Informationen der Bürgermeisterin auf der Gemeinde-Homepage zu lesen und natürlich ist man auch auf Facebook und Instagram aktiv. Wenig geändert hat sich hingegen bei den Sprechstunden, bei denen man schon vor Ausbruch der Coronapandemie auf Terminvereinbarung gesetzt hat. Das hält man auch in Zeiten von Corona aufrecht. „Wenn jemand ein Anliegen hat, dann vereinbaren wir trotzdem einen Termin“, betont Suchan-Mayr, dass dabei natürlich der nötige Abstand eingehalten werde. Die Nachfrage nach einem Sprechstundentermin sei derzeit aber geringer, berichtet die Bürgermeisterin.

In Wallsee-Sindelburg berichtet man ebenfalls von einer stark gesunkenen Nachfrage nach Sprechstunden. „Wir informieren über die Gemeindezeitung, die Homepage, über das Handy oder Telefonate. Und wenn Besprechungen notwendig sind, finden diese unter Einhaltung der Bestimmungen statt“, erklärt Bürgermeister Johann Bachinger. Da man aber auch sämtliche Veranstaltungen wie Jubelfeiern abgesagt hat, sei es natürlich auch in Wallsee zu weniger Kontakten zu den Bürgern gekommen.

In Ardagger berichtet Bürgermeister Hannes Pressl auf seinem Blog seit Anbeginn der Pandemie fleißig und beinahe täglich über die aktuellen Entwicklungen in der Gemeinde. Und zwar nicht nur über die Zahl der positiv Getesteten, sondern auch über aktuelle Projekte und Neuigkeiten in der Gemeinde. Das Ganze läuft unter dem Titel „Frühstücksnews“ und ist eine weitere Möglichkeit, die Bürger auf dem aktuellen Stand zu halten.

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