Corona-Impfung: „Durchseuchung ist keine gute Option“

Ärztevertreter klären über die Impfung auf.

Erstellt am 17. November 2021 | 05:41
Corona-Imfpung
Corona-Imfpung
Foto: dpa-Zentralbild/POOL

Die Impfquote im Bezirk liegt derzeit bei knapp über 60 Prozent. Damit befindet man sich im Bezirksvergleich im hinteren Bereich. Bezirksärztevertreter Christian Eglseer und der Vertreter der Allgemeinmediziner im Bezirk Amstetten, Franz Gabler, weisen gemeinsam darauf hin, dass die Impfung für das Ende der Pandemie von entscheidender Bedeutung ist. Es gebe zwar keinen 100-prozentigen Schutz, doch, wie Gabler betont, sehe man anhand der Zahlen, dass weit mehr als 70 Prozent bei Vollimmunisierung vor einer Ansteckung geschützt sind. „Nach dem Booster wird diese Zahl noch steigen, wie erste Daten aus Israel belegen“, erklärt er.

Das Wichtigste sei, dass die Impfung zu mehr als 90 Prozent schwere Verläufe verhindert. Das Risiko, trotz Impfung auf der Intensivstation zu landen, ist sehr gering und hängt von zusätzlichen Erkrankungen ab. „Wer Risikopatient ist, hat eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit. Jedenfalls liegt sie im einstelligen Prozentbereich“, erklärt der Euratsfelder.
Wie Eglseer ergänzt, gibt es für immungeschwächte Personen nach Organtransplantationen oder jene mit chronischen Erkrankungen, sehr alte Menschen oder sehr kranke Menschen, die keine oder nur eine schwache Immunabwehr aufbauen können, ein höheres Risiko. „Diese können sich sehr leicht mit Corona infizieren. Ein gesunder junger Mensch mit Impfschutz und Einhaltung aller Hygienemaßnahmen kann sich kaum anstecken. Und wenn ja, dann hat er einen symptomlosen oder sehr milden Verlauf und ist nur selten Überträger“, sagt Eglseer.

Keine Unfruchtbarkeit als Folge der Impfung

Freilich gibt es auch im Bezirk Personen mit Ängsten. So fürchten einige etwa Unfruchtbarkeit oder die Veränderung des Genmaterials durch die Impfung. „Es ist sehr schwer, Menschen, die weder Biologie, Medizin oder Ähnliches studiert haben, zu erklären, dass dies nicht möglich ist“, sagt Eglseer. „Weltweit wurden mehrere Milliarden Menschen mit den hochwirksamen und ungefährlichen mRNA-Impfstoffen geimpft. Wer Sorge hat, kann sich beim Arzt des Vertrauens beraten lassen. Man kann sich aber auch mit dem derzeit noch verfügbaren Vektorimpfstoff Janssen impfen lassen, wenn das Vertrauen in die mRNA-Technologie absolut nicht herstellbar ist“, unterstreicht Gabler. Es sei jedenfalls nicht möglich, dass die in den Muskel gespritzte mRNA, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregt, in die Zellkerne eindringt und dort die DNA verändert.

Für die Pandemiebekämpfung sei eine hohe Durchimpfungsrate entscheidend, um die Viruslast in der Luft zu reduzieren. Geimpfte seien weniger ansteckend. „Die Ansteckungsgefahr ist geringer, wenn weniger Menschen ansteckbar sind und weniger angesteckt sind. Dies ist durch Impfung oder Durchseuchung zu erreichen. Die Durchseuchung kostet weit mehr Menschenleben und ist somit keine gute Option“, erklärt Gabler. Er appelliert: „Impfen, Impfen, Impfen! Wenn von den Impfskeptikern bei einer Demo ‚Solidarität‘ gefordert wird, so erwarte ich mir von genau diesen Menschen Solidarität mit allen im Gesundheitsbereich Tätigen.“