Debatte um Hundehaltegesetz: "Nicht akzeptabel“. Vor allem gegen die verschärfte Maulkorbpflicht regt sich in der Region massiver Widerstand.

Von Peter Führer. Erstellt am 12. November 2019 (04:32)
Jürgen Gebetsberger, Obmann des Hundesportvereines ÖRV HSV Amstetten, mit seinem Flat Coated Retriever Zita. Er übt heftige Kritik an den Verschärfungen im Hundehaltegesetz.
Peter Führer

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Maulkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Kein Verständnis für die Verschärfungen hat etwa Jürgen Gebetsberger, Obmann des Hundesportvereines ÖRV HSV Amstetten. „Meiner Meinung nach ist das Gesetz nicht akzeptabel. Es fallen alle Bereiche ein, die öffentlich zugänglich und im Ortsbereich (Siedlungsgebiet) sind, also können auch Wiesen, Wald- und Feldwege betroffen sein. Es herrscht also eigentlich überall Leinen und/oder Maulkorbpflicht. Der Freilauf beschränkt sich damit auf Hundezone.“

„Widerspruch zum Tierschutzgesetz“

Das Gesetz stehe im Widerspruch zum Tierschutzgesetz, weil der Hund sich nicht frei entfalten könne. „Dazu kommt, dass auch schon Welpen einen Maulkorb tragen müssen!“ Er betont, dass das ständige Tragen eines Maulkorbs für den Hund auf Dauer belastend werden kann. „Er hat dann fast immer was am Kopf, das dann auch zu scheuern beginnen kann, wenn nicht der richtige, passende Maulkorb verwendet wird. Der Hund ist in seinem Leben und Handeln ganz einfach massiv eingeschränkt.“

Gebetsberger spricht sich dafür aus, präventive Maßnahmen zu setzen, anstatt mittels Verbote die Bürger zu entmündigen. „Besser wäre es, die Hundehalter zu schulen, statt wenn es zu spät ist, zu strafen. Man hätte das bestehende Gesetz einfach exekutieren müssen.“

Es sei zudem sinnvoll, bereits im Kindergarten Kindern den richtigen Umgang mit Hunden zu vermitteln, ebenso deren Eltern, um präventiv Hundeattacken verhindern zu können. In den Hundesportvereinen gäbe es jedenfalls umfangreiche Kritik und viele hätten die Petition gegen das Gesetz bereits unterschrieben.

Dass nur selten der Hund, sondern zumeist der Hundebesitzer „schuld“ ist, wenn es zu Hundeattacken kommt, davon ist Tierarzt Konrad Hehenberger aus Zeillern überzeugt. „Es ist so wie beim Autofahren. Der Lenker steigt aufs Gas. In den wenigsten Fällen liegt es am Hund. Eine generelle Maulkorbpflicht ist übertrieben.“

Tier muss lernen, den Maulkorb zu akzeptieren

Wie Hehenberger weiter ausführt, müssen Maulkörbe dem Hund sein normales Verhalten weiter ermöglichen und dürfen zum Beispiel das „Hecheln“ nicht verhindern. Das Tier müsse lernen, den Maulkorb zu tolerieren. Zur Debatte, ob „Listenhunde“ – also jene Hunderassen, die laut Gesetz über ein erhöhtes Gefährdungspotenzial verfügen – per se gefährlicher sind, erklärt Hehenberger: „Diverse Listenhunde haben ein höheres Aggressionspotenzial, aber es gibt mehr Probleme mit anderen Hunden. Das so pauschal zu sagen, ist aber schwierig.

Es kommt immer ganz auf das Individuum an.“ Es gibt aber auch Zustimmung zu strengeren Richtlinien. Unter anderem berichten Läufer immer wieder von Zwischenfällen mit nicht angeleinten Hunden, die ohne Maulkorb unterwegs sind. „Wenn man in der Natur läuft oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, dann ist es schon äußerst nervend, wenn Hunde frei herumlaufen und man ganz einfach nicht weiß, wie man reagieren soll“, sagt Daniel Punz, Obmann des LCU Euratsfeld. Er berichtet davon, dass es vor wenigen Jahren in Euratsfeld eine Bissattacke an einem Läufer, der in einer Gruppe unterwegs war, gab.

Der Hund ist dabei mitten in die Gruppe gelaufen. „Man weiß oft gar nicht mehr, wo man noch laufen soll. Vor allem, wenn man alleine ist, kann das schon ungut werden.“

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