Die vergessenen Studios: Warten auf Öffnung. Fitnessstudio-Betreiber aus dem Bezirk Amstetten berichten über ihre derzeitige schwierige Situation und verweisen auf die Vorteile von Sport für das Immunsystem.

Von Peter Führer. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:52)

Mittlerweile ist es beinahe ein Jahr her, dass Christoph Haider seinen Betrieb „FitFam Health & Fitness“ in Amstetten eröffnete. Von den zwölf Monaten war das Fitnessstudio nur fünf Monate geöffnet: von Juni bis Oktober. „Da ist es auch extrem gut gelaufen und wir konnten den Mitgliederstand verdoppeln“, sagt Haider. Prinzipiell sei sein Unternehmen trotz Krise sogar gewachsen. Womöglich ein Unikum in der Branche.

Während der normale Betrieb im Fitnessstudio derzeit nicht ermöglicht wird, fand Haider andere Schienen. So gibt es Physiotherapie, Solarium und ein Vitalcenter. „Unsere Zielgruppe ist auch nicht nur der klassische Kraftsportler, sondern sind alle, die fit werden wollen und etwas Gutes für ihren Körper tun möchten“, sagt Haider.

„Seit dem Lockdown kein freier Tag“

Trotz dieser Möglichkeiten wünscht sich der Unternehmer, dass bald Normalbetrieb an den Fitnessgeräten herrscht. „Persönlich finde ich die Situation unhaltbar. Ich habe unzählige Stunden gearbeitet, seit dem Lockdown keinen freien Tag gehabt, damit der Betrieb weitergeht. Zum Glück haben wir treue Mitglieder und ein großartiges Team, auf das ich stolz bin und das wir auch halten konnten. Es sind alle in Kurzarbeit“, erklärt Haider zur Situation.

Sein Ziel sei es, mit dem erweiterten Angebot im April wieder das Geld zu verdienen, das für das wirtschaftliche Überleben gebraucht wird. Bis dahin muss er natürlich auf staatliche Unterstützungen zurückgreifen. Diese würden auch funktionieren, kämen sie immer rechtzeitig an.

Haider macht deutlich, warum eine baldige Öffnung Sinn macht: „Sport ist gesund, fördert den Stoffwechsel, stärkt das Immunsystem und schützt vor Depression. Die Abstände werden eingehalten und bei den Lüftungen haben wir Vorgaben, die weit über jene des Handels hinausgehen. Zudem können wir lückenloses Contact Tracing garantieren. Bei jedem Besucher wird genau aufgezeichnet, wann und wie lange er sich in den Räumlichkeiten aufhält“, unterstreicht Haider.

Michael Gröbl (Coloseum Fitness Amstetten) schildert die Lage ähnlich. „Das wahrscheinlich größte Problem ist, dass wir in der Zeit des Lockdowns so gut wie keine neuen Mitglieder bekommen, aber naturgemäß regelmäßig welche kündigen. Die Fitnessstudios zählen meiner Meinung nach zu den ‚vergessenen‘‘ Branchen, die meist nicht einmal mehr erwähnt werden, was es umso schwieriger macht, irgendwelche Planungen anzustellen“, erklärt er.

So habe die Fitnessbranche mittlerweile 25 bis 30 Prozent der Mitglieder verloren. Förderungen würde es zwar geben, aber doch sehr zaghaft ausbezahlt werden. Für Gröbl könnte es auch Sinn machen, ähnlich den Regelungen für körpernahe Dienstleister, mit einem negativen Test, oder einer Quadratmeter-Regel das Training wieder zu ermöglichen. Die Kunden erreiche man über die sozialen Medien. Das Coloseum bietet immer am Dienstag und Donnerstag von 18.30 bis 19.30 Uhr auch Onlinekurse an.

Ob nach dem Lockdown das Bedürfnis nach Bewegung und Training größer wird? Der Unternehmer glaubt, ja: „Weil der physische und psychische Zustand durch Ausgangssperren, Home Office, geschürte Ängste durch diverse Medien, und vieles mehr sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Für die nächsten Monate hoffe er auf einen normalen Betrieb, damit man einen Beitrag zur Gesundheit vieler Mitglieder leisten kann.

Zeit genützt, um die Studios zu verbessern

Einen Beitrag zur Gesundheit will auch Martin Freudenschuss (Energy Fitness) leisten. Er betreibt unter anderem Fitnessstudios in Amstetten, Blindenmarkt, Waidhofen und Ennsdorf. „Was passiert, ist spannend für die Branche. Uns kommt zugute, dass wir in den vergangenen Jahren gut gearbeitet haben. Die Zeit haben wir jetzt genützt, um die Studios zu verbessern“, sagt Freudenschuss.

Unter anderem erhält das Studio in der WestSideCity in Amstetten einen Freibereich mit insgesamt 2.000 Quadratmetern. Ganz leer stehen die Räumlichkeiten übrigens bereits auch jetzt nicht. So trainieren die Spieler des SKU Amstetten, von Amstetten Thunder, die Stage Time Company und der VCA vor Ort. Wann ein Besuch wieder für alle möglich sein wird?

„Leider darf man den Ansagen kein Vertrauen schenken. Zuerst hat es ja geheißen, wir können im Dezember öffnen. Jetzt wäre es wichtig, wenn es zumindest Ostern wird“, sagt Martin Freudenschuss, der auch von einem Mitgliederrückgang berichtet. „Aber zum Glück haben wir viele treue Kunden. Bei ihnen werden wir uns nach der Krise auch erkenntlich zeigen.“