Duo zu Corona-Krise: „Tiefpunkt liegt hinter uns“

Abgeordnete Michaela Hinterholzer und Gottfried Pilz von der Wirtschaftskammer über Folgen der Krise.

Erstellt am 19. August 2020 | 04:05
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Michaela Hinterholzer und Gottfried Pilz berichteten im Schloss Zeillern über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung.
Foto: Peter Führer

Vorsichtig optimistisch blicken Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer und Gottfried Pilz, Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer Amstetten, in die Zukunft. Vor einem Jahr hätte noch keiner eine derartig schwierige wirtschaftliche Entwicklung vorhersehen können.

„Der Tiefpunkt liegt hinter uns. Es gibt allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Die Baubranche oder auch die Versicherungsbranche sind zum Beispiel gut unterwegs. In anderen Bereichen gibt es aber nach wie vor große Probleme. Etwa in Tourismus, Gastronomie oder der Eventbranche“, erläutert Hinterholzer.

Für die Baubranche hätte sich besonders die Gemeindemilliarde als wichtige Initiative entpuppt. Dennoch würden viele Unternehmer noch zögern, neue Investitionen zu tätigen.

Hoffnung auf einen Aufschwung 2021

„Es bleibt spannend. Für das heurige Jahr wird beim Wirtschaftswachstum ein Minus von 7,3 Prozent erwartet. Im nächsten Jahr prognostizieren Wifo, Nationalbank und Institut für Höhere Studien aber schon wieder ein Plus von 5 Prozent“, führt Hinterholzer aus.

Für die kommenden Monate sei Optimismus bei Konsumenten und Unternehmern entscheidend. Dafür habe die Regierung laut Hinterholzer auch mit einigen Maßnahmen, darunter die Kurzarbeit oder Unterstützung bei den Fixkosten, positive Akzente gesetzt.

Auf dem Höhepunkt setzten 917 Betriebe im Bezirk bei 14.000 Arbeitnehmern auf Kurzarbeit. Aktuell sind es noch 461 Betriebe mit 9.000 Mitarbeitern.

„Außerdem ist es wichtig, dass die Unternehmer ihre Liquidität erhalten. Hier hilft zum Beispiel die Möglichkeit zur Stundung der Beiträge“, weiß Hinterholzer. Als besonders sinnvolles Element bezeichnet die VP-Politikerin die vollzogene Steuerentlastung für niedrigere Einkommen. „Das Geld, das hier den Menschen mehr bleibt, wird sofort wieder investiert.“

Ein Fragezeichen steht hinter der Industrie

Die große Unbekannte für die nahe Zukunft ist die Situation der Industrie. So seien es viele Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit halten werden.

„Sie wollen die Arbeitskräfte nicht verlieren, weil es ja vorher schon einen Fachkräftemangel gegeben hat“, berichtet die Landtagsabgeordnete. Sie verweist zugleich daraufhin, dass in Österreich 6 von 10 Euro durch Export verdient werden. Daher sei man als kleines Land und hier besonders die Industrie von der internationalen Entwicklung abhängig.

Im Bezirk mehr Lehrlinge als im Vorjahr

WK-Bezirksstellenobmann Gottfried Pilz unterstreicht, dass es aufgrund der unterschiedlichen Ausgangspositionen sinnvoll ist, branchenspezifische Lösungen zu finden. Vor allem für die Industrie sei daher die Investitionsförderung von 7 bis 14 Prozent sinnvoll. Weiters berichtet Pilz darüber, dass es bei der Entwicklung der Lehrlingszahlen trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation gute Nachrichten gebe.

Die Anzahl der Lehrlinge stieg im Vorjahresvergleich nämlich von 478 auf 503 an. „Das zeigt, dass Unternehmen wieder positiv in die Zukunft blicken und auf Jugendliche setzen. Das ist wichtig“, sagt Pilz. Damit interessierte Jugendliche den passenden Job finden, gebe es auch wertvolle Maßnahmen wie die Bildungsmeile. Für den notwendigen Aufschwung appelliert der Wirtschaftskammer-Bezirksstellenobmann an alle Konsumenten, Geld bei jenen Unternehmen auszugeben, die ihre Steuern in in Österreich abführen.

In Richtung jener Unternehmer, die mehrere Wochen auf ihre beantragten Unterstützungen, etwa beim Härtefallfonds, warten mussten, erklärt Pilz: „Es dauert eben einige Zeit, bis von der Einreichung und Überprüfung auch eine Auszahlung erfolgen kann. Wenn man das Geld sechs bis acht Wochen später am Konto hat, ist es schnell gegangen.“ Ihm sei aber klar, dass man als Wirtschaftskammer manchmal auch Überbringer einer schlechten Nachricht sei.

Trotz all der Schwierigkeiten ist Pilz – wie auch Hinterholzer – zuversichtlich, dass die Krise bald überstanden ist.