Ehrenamt Nikolaus: „Das ist für mich ein Geschenk“. Zwei „Nikolos“ aus dem Mostviertel berichten über ihre herzerwärmenden Erfahrungen.

Von Peter Führer. Erstellt am 03. Dezember 2019 (05:39)
Pater Hans Schwarzl ist bereits seit mehr als 40 Jahren als Nikolaus in Amstetten unterwegs.
Zarl

Der Nikolaus sorgt diese Woche auf zahlreichen Adventmärkten, in Kindergärten, Schulen und natürlich in den Häusern und Wohnungen wieder für leuchtende Kinderaugen. Viele Freiwillige schlüpfen dabei wieder in die Rolle des Bischofs von Myra, der im dritten beziehungsweise vierten Jahrhundert in Lykien – heute eine Region der Türkei – wirkte. Sie treten als Geschenkbringer auf und lassen Kinderherzen höher schlagen.

Die NÖN fragte bei zwei „Nikoläusen“ nach, wie der Brauch heute aufgenommen wird und was für sie das Besondere am „Nikolaus-Sein“ ausmacht.

„Bei Schlechtwetter kommen nur jene, die wirklich neugierig auf den ‚fliegenden Nikolaus‘ sind. Das sind aber trotzdem viele“Martin Stockinger

Eine ganz besondere Aktion ist der Nikolaus-Besuch am Flugplatz Leutzmannsdorf in St. Georgen/Ybbsfelde. Dort landet er alljährlich an einem Tag mittels Flugzeug, überreicht allen Kindern bis 12 Jahre ein „Sackerl“ und singt mit den Anwesenden gemeinsam und lautstark das Lied „Nikolaus ist ein guter Mann“. Das nächste Mal kommt der gern gesehene Gast am Sonntag, 8. Dezember, um 14.30 Uhr.

Ins rote Kostüm schlüpft dabei der Scheibbser Martin Stockinger (50). Seit zehn Jahren ist er bereits als Geschenkbringer tätig. „Mit der Aktion der Sportfliegergruppe wollen wir in den umliegenden Gemeinden des Flugplatzes das Bewusstsein für den aktiven Flugsportverein ‚Union Sportfliegergruppe Ybbs‘ schaffen und die Bevölkerung in das Vereinswesen miteinbinden. Unser Verein ist stets bemüht, mit der Bevölkerung ein gutes Einvernehmen zu haben und dieses auch zu pflegen“, klärt Stockinger über die Hintergründe auf.

Der „fliegende Nikolaus“ landet bald wieder in Leutzmannsdorf und ist eine ganz besondere Aktion der Union Sportfliegergruppe Ybbs. Foto: privat
privat

Die Familien würden die Aktion sehr gut annehmen, in den letzten Jahren habe sich am großen Zuspruch nichts geändert. „Witterungsbedingt kommen bei Schönwetter etwas mehr Kinder, bei Schlechtwetter nur jene, die wirklich neugierig auf den ‚fliegenden Nikolaus‘ sind. Das sind aber trotzdem viele“, verrät er.

Für ihn persönlich sei es wunderbar, hoffnungsvolle und strahlende Kinderaugen ganz nah zu sehen. „Wenn die Kinderaugen die Landung mitverfolgen und komplett still und neugierig warten, bis endlich der Nikolaus eine Geschichte aus seinem goldenen Buch vorliest oder wenn mutige Kinder voller Ehrfurcht ein Gedicht vortragen oder eine Zeichnung überbringen, das sind schon ganz besondere Momente“, schildert Stockinger.

Vier Jahrzehnte als Geschenkebringer

Einer, der schon mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Rolle des Nikolaus hat, ist Pater Hans Schwarzl (74). Er besucht in Amstetten mehrere Kindergärten, eine Volksschule, die Pfadfinder und auch Familien. Verändert habe sich in den vergangenen Jahrzehnten dabei eigentlich kaum etwas. Der Zuspruch ist nach wie vor groß.

„Aber es gibt zwei Arten. Die einen wollen es traditionell, dass der Nikolaus vor der Tür erscheint und dann ganz klassisch mit den Kindern redet und Geschenke überbringt. Ich bin jedoch mehr ein Fan davon, dass alle gemeinsam mit dem Nikolaus feiern und ich erst vor Ort das Kostüm anziehe. Bei den Pfadfindern und in einem Kindergarten mache ich das so. Ich frage dann immer, was der Nikolaus alles braucht und die Kinder geben dann die richtigen Antworten. Wenn man es so macht, dann braucht man auch nicht den Umweg machen und die Kinder anlügen. Die Faszination, wenn ich dann das Kostüm anhabe, ist nämlich trotzdem immer noch groß“, weiß Schwarzl.

Was er immer abgelehnt habe, sei der Krampus. Der wäre bei ihm nie dabei gewesen. „Mir ist wichtig, dass positive Botschaften ankommen und der Nikolaus-Besuch nicht als pädagogisches Mittel genützt wird, um den Kindern die Leviten zu lesen. Man sollte vermitteln, dass da jemand gelebt hat, der viel Positives getan hat und andere beschenkt hat und so die Liebe Gottes gezeigt hat“, führt Schwarzl weiter aus. „Und wenn Kinder dann spontan reagieren, lachen und staunen können, dann ist das auch für mich ein Geschenk.“

Umfrage beendet

  • Ist der Nikolaus noch zeitgemäß?