Ethik an Schulen ist erwünscht. Positive Erfahrungen bei der HAK Amstetten. Einführung wird befürwortet.

Von Peter Führer. Erstellt am 29. Januar 2019 (05:26)
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Die Regierung plant die Einführung eines Ethikunterrichts. Und zwar für jene, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Man wolle dabei keine Konkurrenz zum Religionsunterricht, sondern, wie Bildungsminister Heinz Faßmann erklärte, eine „Alternative zum Kaffeehaus“ schaffen.

Angedacht ist, im Schuljahr 2020/21 damit zu starten. Zunächst bei Allgemeinbildenden und Berufsbildenden Schulen (AHS und BHS). Von der Opposition gibt es zudem den Vorschlag, Ethikunterricht zusätzlich zum Religionsunterricht einzuführen.

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Gespräch, Diskussion sowie kritisches Denken und das Abwägen unterschiedlicher Argumente sind zentrale Elemente des Ethik-Unterrichts.
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Schulversuche mit Ethikunterricht für jene, die sich abgemeldet haben, gibt es bereits einige. Seit mehr als zehn Jahren etwa an der Handelsakademie Amstetten. Die Bilanz dazu fällt positiv aus. „Ich halte dieses System für sehr sinnvoll. Wir haben äußerst positive Erfahrungen damit gemacht“, erklärt Direktorin Brigitte Bartmann. Dass künftig ein Ethikunterricht für alle eingefhrt werden könnte, ist für Bartmann vor allem aus Kostengründen nicht vorstellbar.

Verpflichtend: Religion beim Stitftsgymnasium

Eine spezielle Situation herrscht beim Stiftsgymnasium Seitenstetten. Da es sich bei dieser Bildungseinrichtung um eine konfessionelle Schule handelt, ist dort für alle Schüler Religionsunterricht verpflichtend – auch für konfessionslose. Allerdings muss dieser Unterricht nicht römisch-katholisch sein. So gibt es auch Schüler, die islamischen oder evangelischen Unterricht besuchen.

Für Direktor Josef Wagner ist die Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts für jene, die sich – an anderen Schulen – vom Religionsunterricht abmelden, ein längst fälliger Schritt. „Denn es kann ja nicht sein, dass die Alternative zum Religionsunterricht ist, dass die Schüler nichts tun“, so Wagner. Der Gesetzgeber habe allerdings übersehen, rechtzeitig ausreichend Ethik-Lehrkräfte auszubilden. „Eine Einführung wäre sinnvoll, aber nur, wenn sie den Religionsunterricht nicht ersetzt“, erklärt der Direktor.

Am Gymnasium Amstetten denkt man darüber nach, schulautonom im nächsten Schuljahr Ethikunterricht für all jene einzuführen, die sich vom konfessionellen Religionsunterricht abmelden. Dort gibt es – wie auch an der HAK Amstetten – bereits einen Lehrer mit Ethik-Ausbildung. „Ich bin der Meinung, dass es keinen Schüler geben sollte, der sich in seiner Schulzeit nicht umfassend mit ethischen Grundfragen beschäftigt hat“, unterstreicht Direktor Josef Spreitz. Eine verpflichtende Ergänzung zum konfessionellen Religionsunterricht sei der richtige Weg. „Schüler dürfen keine Alternative zwischen Kaffeehaus oder Unterrichtsstunde haben, vor allem, wenn es um Grundfragen des Lebens geht.“

Andreas Geierlehner, Elternvereinsobmann der HLW Haag, spricht sich ebenfalls für einen Ethikunterricht aus. „Wir leben in einer Kultur, die auf der Basis eines christlichen, humanistischen und aufgeklärten Wertekanons beruht. Es ist auch für Nichtchristen, die Teil unserer Gesellschaft sind, zumutbar, sich mit den Europäischen Werten, den Moralvorstellungen und ethischen Grundsätzen zu beschäftigen.“ Er sehe darin eine Chance zum gegenseitigen Verständnis und damit zu einem konfliktfreien Miteinander.

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