Fasten liegt noch im Trend. Das Intervallfasten wird immer beliebter. Aber auch der seelisch-geistige Aspekt des Fastens ist vielen wichtig.

Von Daniela Führer und Julia Zacher. Erstellt am 25. Februar 2020 (04:34)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eines der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

Für viele beginnt mit der Fastenzeit wieder eine Zeit des Verzichts. Ein Verzicht auf Konsumgüter wie Fleisch, Süßes oder Alkohol, oder ganz allgemein auf einen Teil der Ernährung. Besonders im Trend liegt aktuell das Intervallfasten, „also der periodisch wiederkehrende stunden- oder tageweise Verzicht auf Nahrung“, weiß Ernährungswissenschafterin Elisabeth Pachucki von der zuTisch Ernährungsberatung in Amstetten. Intervallfasten bewertet die Expertin auch als positiv: „Vor allem die Methode 16:8, also 16 Stunden Fasten, 8 Stunden Essen, ist alltagstauglich und lässt sich individuell an den persönlichen Biorhythmus anpassen. Auch Basenfasten ist empfehlenswert und oft der erste Schritt zu einem gesünderen Ernährungsstil“, erklärt sie weiter.

Von Fastenmethoden, die über mehrere Tage bis Wochen ohne professionelle Begleitung durchgeführt werden, rät sie jedoch ab. „Dazu zählt zum Beispiel das Heilfasten nach Buchinger. Von einer Nulldiät ist gänzlich abzuraten, da die Muskeln angegriffen werden und Mineralstoffe verloren gehen, sodass es schlimmstenfalls zu Herzrhythmusstörungen kommen kann“, macht sie deutlich.

Fastenperioden seien aber prinzipiell gesund, denn so könnten Reparatur- und Regenerationsprozesse des Körpers überhaupt erst stattfinden. Der Körper schaltet dabei von einer Ernährung von außen zu einer Ernährung nach innen. „Vergleichbar mit einer körpereigenen Müllabfuhr“, erklärt die Ernährungsexpertin. „Zellschrott, der sich mit zunehmendem Alter ansammelt, dient dem Körper als Brennstoff in der Fastenzeit. Stark geschädigte Zellen können sich sogar selbst verdauen.“ Fastenperioden wirken auch nachweislich bei Zivilisationserkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck.

Ernährungswissenschafterin Elisabeth Pachucki weiß: „Intervallfasten liegt im Trend.“ 
privat

Elisabeth Pachucki empfiehlt Einsteigern ins Intervallfasten, die Nachtstunden dafür zu nutzen und je nach Vorliebe dann das Frühstück oder das Abendessen ausfallen zu lassen. „Fasteneinsteiger können die Stunden des Nahrungsverzichts langsam steigern. Optimal ist es natürlich, wenn die Mahlzeiten in den Phasen des Essens gesund gestaltet sind. Egal, für welche Fastenmethode man sich entscheidet: Man sollte viel trinken und sich moderat bewegen. Dies hilft auch bei typischen Fastenbeschwerden, wie Kopfweh, Frösteln oder Kreislaufproblemen.“ Menschen mit Vorerkrankungen und jene, die Medikamente einnehmen, sollten zudem ihre Fastenvorhaben unbedingt mit dem Arzt besprechen.

Eine beliebte Anlaufstelle im Bezirk Amstetten, wenn es um‘s Fasten geht, ist das Fasten- und Pilgerhaus Maria Seesal in
Ybssitz. Petra Gaßner und Ulrike Ginzler bieten dort seit 2014 diverse Fastenprogramme an. Zu ihren Gästen zählen Menschen aller Berufs- und Altersgruppen, wobei die meisten zwischen 40 und 60 Jahre alt sind. Hochsaison ist im Fastenhaus nicht nur die Fastenzeit, sondern der ganze Frühling, berichtet Gaßner: „Im Frühling erwacht und erblüht die Natur neu, und für viele Menschen ist das Fasten eine Möglichkeit, ihre Batterien aufzuladen“, erzählt sie. „Heute wird der Stress immer mehr, die Menschen wollen Ruhe finden und sich zentrieren, Bewusstsein schaffen, wieder Qualität vor Quantität stellen.“ Obwohl viele auch aus gesundheitlichen Gründen fasten würden – etwa aufgrund von Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit – stehe für die meisten die seelisch-geistige Ebene im Mittelpunkt. Als „Trend“ würde sie das Fasten nicht bezeichnen: „In allen Religionen ist das Fasten in irgendeiner Form verankert, das ist nichts, was neu ist.“

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