FF-Spitze bangt um Image. Debatte um Sommertrend / Landesfeuerwehrverband forderte Feuerwehren auf von „Cold Water Challenges“ Abstand zu nehmen. Teilnehmende Feuerwehren stehen aber zu ihren Videos.

Von Daniela Führer. Erstellt am 18. August 2014 (11:59)
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In ihrem lustigen Video jagen die Kameraden der FF Greinsfurth einem "Hai" in der Ybbs nach. Die Jagd gibt es als YouTube-Video.
NOEN, privat

Die „Cold Water Challenge“ ist ein Phänomen des heurigen Sommers, dem sich bislang neben den Musikvereinen oder der Landjugend auch zahlreiche Freiwillige Feuerwehren angeschlossen haben. Bei dieser „Cold Water Challenge“ geht es darum, ein Video der Gemeinschaft zu machen, das in Bezug zu kaltem Wasser steht. So wurden die Videos etwa gerne im Pool, im Teich oder im Fluss gedreht. Es funktioniert wie ein Kettenbrief. Ein Verein – oder wie im konkreten Fall eine Freiwillige Feuerwehr – wird von einem anderen nominiert, ein „Cold Water Challenge“-Video zu drehen. Tun das die Nominierten nicht, müssten sie den Herausforderern etwa eine Jause bezahlen.

In Niederösterreich gibt es keine Anzeigen

Der NÖ Landesfeuerwehrverband wandte sich in dieser Angelegenheit bereits im Juni an die Funktionäre der Bezirksfeuerwehrkommanden, mit der Aufforderung, von der Teilnahme an diesen Challenges Abstand zu nehmen. „Es gab einen konkreten Anlassfall in Deutschland, wo eine Freiwillige Feuerwehr angezeigt wurde, die mit Blaulicht und Folgetonhorn zu einer ‚Cold Water Challenge‘ ausgerückt ist“, erklärt Pressesprecher Franz Resperger. „Wir wollten unsere Feuerwehren darauf aufmerksam machen, dass sie mit so etwas Probleme bekommen können.“ Anzeigen hätte es laut Resperger aber bislang keine gegeben.

In der Vorwoche wurde erneut ein internes Schreiben an die Funktionäre der Bezirksfeuerwehrkommanden gerichtet. Abgesehen von der rechtlichen Komponente, fürchtet der Landesfeuerwehrverband auch einen Imageschaden für die Freiwilligen Feuerwehren, da manche Videos die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten würden. „Derartige Werbemethoden hat das freiwillige Feuerwehrwesen nicht nötig“, schreibt Franz Resperger.

„Wenn jemand die Grenzen kennt, ist es ja ok“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Armin Blutsch zu dem Thema. „Die Art und Weise, wie sich manche Feuerwehren im Bezirk darstellen, ist auch in Ordnung.“

Kritik am "Sold" bei Nichtteilnahme

Seine Kritik bezieht sich mehr auf den „Sold“, den die Feuerwehren bei einer Nichtteilnahme abzuführen hätten, und die Art, wie diese Aufforderungen in den Raum gestellt werden. „Irgendjemand sagt einfach, die Nominierten müssen eine Jause bezahlen, wenn sie kein Video machen. Und alle springen. Das halte ich schon für bedenklich“, sagt Blutsch. Normalerweise müsste eine Meldung im Feuerwehrwesen immer beim zuständigen Kommandanten auf offiziellen Wegen eintreffen – über ein Schreiben oder einen Anruf. „Es ist der Weg, den ich verurteile“, sagt Blutsch. „Da frage ich mich, was kommt als Nächstes? Keiner weiß, in welchen Gefahren das endet.“

In dasselbe Horn stößt auch Bezirksfeuerwehrkommandant-Stellvertreter und Kommandant der Feuerwehr Euratsfeld, Rudolf Katzengruber: „Man muss sich schon fragen, inwieweit es legitim ist, dass derartige Forderungen gestellt werden.“ Seine Kameraden haben auch an der „Cold Water Challenge“ teilgenommen, dazu steht er aber: „Unsere Burschen hatten viel Spaß, sie haben ein nettes, anständiges Video gemacht mit einer Anti-Alkohol-Botschaft.“

Stefan Schaub, Kommandant der Feuerwehr Greinsfurth, die auch an der „Cold Water Challenge“ teilgenommen hat, betont, seine Feuerwehr hätte viele positive Reaktionen bekommen und er glaube nicht, dass die Aktion dem Image geschadet hätte.

Schaub: „Es ist eine lustige Aktion"

Die Feuerwehr Greinsfurth wird ihr Video auch online lassen. „Wir finden, es ist eine lustige Aktion und wir haben zum Beispiel auch kein Bier in unserem Clip. Ich sehe nichts Schlimmes in unserem Video, außerdem hat es Videos der Feuerwehren immer gegeben. Das ist jung und hip. Wenn es sich die Leute gerne ansehen, hat es auch einen Werbeeffekt“, ist er überzeugt. Einige Feuerwehren wurden zwar nominiert, haben aber eine Teilnahme an der „Cold Water Challenge“ abgelehnt. „Meiner Meinung nach ufert das zu sehr aus“, meint etwa Karl Hammermüller von der Feuerwehr Strengberg. „Bei uns war das keine Diskussion.“