Folgen der Witterung: Zu kalt für Mais und Eis. Temperaturen sorgen für Verzögerungen in der Landwirtschaft. Probleme gibt es etwa für den Mais. Auch Eisverkäufer berichten von geringer Nachfrage.

Von Anna Faltner und Peter Führer. Erstellt am 02. Juni 2021 (05:04)
Insbesondere der Mais hat mit den kühlen Temperaturen zu kämpfen. Der Wuchs ist deutlich niedriger als in den Vorjahren zu diesem Zeitpunkt. Das berichtet Bezirksbauernkammer-Obmann Josef Aigner.
Hudler, Hudler

Im Kalender liest man richtig: Eigentlich ist schon Juni. Das ist allerdings kaum zu spüren, die Temperaturen kletterten in diesem Frühjahr bisher nur selten über die 20 Grad. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurden zuletzt 1991 und 1996 ähnliche Temperaturen gemessen. Die aktuelle Klimalage macht sich auf verschiedenen Ebenen bemerkbar – im Freibad, in der Gastronomie und auch in der Landwirtschaft.

Davon, dass die kalte Witterung vor allem dem Mais zusetzt, berichtet Josef Aigner, Obmann der Bezirksbauernkammer Amstetten. Der Mais sei gelb und nicht – wie ansonsten um diese Jahreszeit üblich – grün und bereits 30 Zentimeter hoch. Hier muss man wohl auch mit einem geringeren Wuchs rechnen. „Ein weiteres Problem für die Landwirtschaft ist, beziehungsweise war, die Grasernte, weil es nie zwei, drei Tage hintereinander warm war. Das Silage-Machen ist aufgrund der immer nur sehr kurzen Schönwetterperioden schwierig“, berichtet er von den aktuellen Herausforderungen. Vom zeitlichen Ablauf her sei man mittlerweile um einige Wochen später dran als in den Vorjahren. Auf der Gegenseite gibt es auch positive Aspekte, vor allem des deutlich angestiegenen Niederschlags. „Schädlinge wie zum Beispiel der Engerling, haben in den vergangenen Wochen noch überhaupt keine Probleme gemacht. Das steht uns erst dann bevor, wenn das Wetter wieder wärmer wird. Für die Futtermenge ist es aufgrund des vielen Regens ebenfalls ein gutes Jahr. Generell wird sich allerdings eben alles etwas verzögern. Das Wetter kann aber schnell umschlagen“, ist Aigner überzeugt. Mit der Feuchtigkeit und wärmeren Temperaturen wird dann auch das Wachstum wieder deutlich ansteigen. Zudem profitiert auch der Wald von der aktuellen Witterung. „Um den Wald mache ich mir überhaupt keine Sorgen, ihm tut die Feuchtigkeit sehr gut. Auch der Borkenkäfer wird derzeit dadurch noch gehemmt“, führt Aigner weiter aus.

„Wenn die nächsten Monate vom Wetter her passen, könnte sich das noch kompensieren.“ Anton Kasser hofft auf wärmere Temperaturen und will noch nicht von einem großen Schaden für die Landwirtschaft sprechen.

Dennoch hofft Bauernbundobmann Anton Kasser auf trockene Tage. „Man spürt, dass die Vegetation entsprechend hinten ist, im Vergleich zu anderen Jahren sind es etwa zwei bis drei Wochen. Die Grünfutterernte ist momentan schwierig, wir sind da schon spät dran. Man könnte eigentlich ernten, weil das Getreide schon stark gewachsen ist, aber das Wetter dazu passt eben nicht“, führt er aus.

Diese Situation sei keine neue, es gab schon Jahre, in denen es auch lange kalt und nass war. Aber so wie in diesem Jahr sei es schon extrem, vor allem der Regen im Mai. Natürlich leide da auch die Qualität darunter. „Wenn ich den Mais anschaue, sieht der noch sehr mickrig und erfroren aus. Auch da sind wir noch weit hinten. Bei der Kälte wächst der einfach nicht“, sagt der Bauernbundobmann.

Ob den Landwirten durch das Klima für das heurige Jahr ein großer Schaden entstehen wird, kann Kasser nicht beantworten. „Davon möchte ich noch nicht reden. Wir warten jetzt einmal ab, wie sich das Jahr entwickelt. Wenn die nächsten Monate vom Wetter her passen, könnte sich das noch kompensieren“, ist er zuversichtlich. Aufzuholen wären zum momentanen Stand etwa zwei bis drei Wochen. „Es ist eine schwierige Situation, aber da geht es zurzeit allen gleich. Man muss halt irgendwie damit umgehen.“

Sinkender Appetit auf Eiskugeln

Abseits der Landwirtschaft haben die kälteren Temperaturen auch Auswirkungen auf ganz andere Bereiche. Ein Beispiel: Eisverkäufer. Auch hier ging die Nachfrage verglichen zum Vorjahr zurück. Reinhard Bertl vom Café Exel in Amstetten berichtet von einer allgemeinen Zurückhaltung, wobei neben der Witterung auch die Corona-Bestimmungen Grund dafür sein könnten. „Ich weiß nicht, ob es an der Kälte oder den Regelungen liegt, aber das Interesse ist noch verhalten. Erst sobald die Sonne da ist, steigt die Nachfrage. Bei zehn Grad ist bei uns keiner ein Eis“, erklärt er.

Nicht zuletzt schlägt sich das kühle und nasse Wetter auch auf den Freibadbesuch nieder. In Amstetten ist der Freibadbereich zwar bereits geöffnet, der Ansturm hielt sich allerdings mangels heißer Tage bis dato in Grenzen. In Neuhofen blieb das Bad bis jetzt überhaupt noch geschlossen. Allerdings gibt es hier gute Nachrichten. „Wir werden, wenn das Wetter passt, diese Woche am Donnerstag, dem Feiertag, aufsperren“, erklärt Neuhofens Bürgermeisterin Maria Kogler.

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