Franz Gabler: „Ärzteleistung besser honorieren“. Sind mehr Hausapotheken die ideale Lösung für den Mangel an Landärzten in der Region?

Von Peter Führer. Erstellt am 03. September 2019 (04:51)
Führer
Apotheker Florian Göttlinger mit seinem Team der Apotheke in Aschbach.

Der Ärztemangel ist Realität. Das zeigt auch ein Blick in den Bezirk. Als Reaktion darauf wird immer wieder diskutiert, ob man Medizinern die Möglichkeit, eine Hausapotheke zu führen, erleichtern soll. Diese ermöglichen ein weiteres Einkommen und sorgen somit für mehr Attraktivität des Landarztberufes.

„Es braucht einen Maßnahmenkatalog“

Arzt Lukas Heschl vom Landarztteam Heschl (Oed und Zeillern) erklärt: „Derzeit ist die Hausapotheke ein gutes Argument für die Eröffnung einer Ordination aufgrund des verbesserten Einkommens. Es sollte aber ein Maßnahmenpaket geschnürt werden, beginnend bei einer besseren Ausbildung, einer finanziellen Unterstützung bei Gründung einer Ordination, einer Erleichterung von Administration und einer verbesserten Honorierung für schwierig zu versorgende Regionen im ländlichen Bereich“, betont er.

Eine ausführliche Beschreibung diesbezüglich sei im Masterplan für Allgemeinmedizin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM, oegam.at/masterplan) zu finden. Er sieht die Versorgung der Bevölkerung in Gefahr. „Selbst öffentliche Apotheken verlieren ihre rezeptausstellenden Hausärzte und sind dadurch in ihrer Existenz gefährdet“, führt Heschl weiter aus.

Als Lösung schlägt er mehrere Maßnahmen vor: keine weitere Eröffnung von neubewilligten Apotheken im ländlichen Raum (um hausärztliche Planstellen zu bewahren), die Abgabe von Medikamenten in dringenden Fällen durch Ärzte und die Förderung von Kooperationsformen zwischen Ärzten und Apothekern. Auch Administrationserleichterungen im Bereich E-Medikation seien sinnvoll.

Für Heschls Kollege Franz Gabler aus Euratsfeld gehört der Honorarkatalog für Ärzte verbessert. „Viele Ärzte sagen, wir brauchen keine Hausapotheke, wenn die Leistung entsprechend honoriert wird. Das ist aber nicht der Fall“, argumentiert er. Ohne Hausapotheken könnte es seiner Ansicht nach zu Problemen kommen, wenn etwa bettlägerige Patienten dringend Medikamente brauchen.

„Wenn der Arzt die Medikamente hat, kann er sie ja mitnehmen. Wenn das nicht geht, dann müssten Apotheken einen kostengünstigen und raschen Lieferservice anbieten. Ob das so leicht umzusetzen ist, ist dann eine andere Frage.“

Einen Konkurrenzkampf zwischen Apothekern und Hausärzten erlebt er – trotz aller Diskussionen – nicht. „Es ist ein gutes Miteinander möglich, auch wenn es Beispiele gibt, bei denen es reizt.“

„Attraktivierung nicht zulasten der Apotheken“

Für Apotheker Florian Göttlinger (Apotheke zum Heiligen Martin in Aschbach) darf eine Attraktivierung des Landarztberufes nicht auf Kosten der Apotheker geschehen. Im Bezirk Amstetten gibt es übrigens insgesamt 16 Apotheken. „Ich habe volles Verständnis für das Ansinnen der Hausärzte. Aber die Lösung kann nicht sein, dass man unsere Branche zerfleddert.“ Die Apotheken würden nämlich eine wichtige Funktion einnehmen. Vor allem bei kleineren „Wehwehchen“.

„Viele kommen zuerst zu uns, bevor sie gleich einen Arzt aufsuchen. Dazu kommt, dass wir verpflichtet sind, von Montag bis Samstag geöffnet zu haben — wenn es keinen Feiertag gibt. Wir sind also oft die erste Anlaufstelle für die Bevölkerung.“

Eine Apotheke zu führen koste viel Geld, man habe etwa 6.000 Artikel lagernd, eine Hausapotheke – so Göttlinger – vielleicht 200 bis 300. Zudem beschäftigt man viele Mitarbeiter. In Aschbach sind neun Personen angestellt. Deren Zukunft wäre durch ein vermehrtes Aufkommen von Hausapotheken gefährdet.

„Ich bin der Meinung, es geht keinem Arzt schlecht. Aber anstatt die Apotheken zu schwächen wäre es für die Attraktivierung des Landarztwesens sinnvoller, die Entschädigungen für Ärzte zu erhöhen. Wir haben ein stabiles System der Gesundheitsversorgung. Das sollten wir nicht gefährden“, argumentiert Göttlinger weiter.

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