Freiwilliges Soziales Jahr: „Bekomme viele schöne Emotionen zurück“

Erstellt am 24. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
Durch die Pandemie hat auch der soziale Einsatz etwas gelitten. Es gibt immer weniger Jugendliche, die sich für ein Freiwilliges, Soziales Jahr entscheiden. Nicole Krieger nennt viele Gründe, warum freiwilliges Engagement erfüllend sein kann.
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Es gibt mehrere Einrichtungen, wo Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren können. Da sind beispielsweise den Verein FSJ, die Caritas, das Rote Kreuz, die Volkshilfe oder den Verein Ju-gend und Umweltplattform.

Mögliche Einsatzstellen sind beispielsweise in der Betreuung von Obdachlosen, Flüchtlingen oder Drogenabhängigen, in Altersheimen, Kinderhorten oder Pflegeeinrichtungen.

Praxiserfahrung und Zusatzqualifikation

Die 20-jährige Nicole Krieger aus Wallsee absolviert seit September ein Freiwilliges, Soziales Jahr im Hilde Umdasch Haus in Amstetten. „Ich wollte nach der Matura etwas Soziales machen, dafür hat sich das Freiwillige, Soziale Jahr gut geeignet. Da ich außerdem danach Soziale Arbeit studieren möchte, ist es sicherlich von Vorteil, Erfahrungswerte und Zusatzqualifikationen zu sammeln“, erzählt die 20-Jährige. Nicole hätte nach der Matura auch reisen können, denn sie wollte etwas Abstand vom Lernen und von der Schule. Die Vorbereitungszeit für die Prüfungen war alles andere als einfach: Home-Schooling, Distance Learning, Lockdowns und die sich ständig ändernden Maßnahmen haben ihr zu schaffen gemacht.

In ihrer Freizeit ist Nicole in der Landjugend und hat gern Kontakt zu Menschen, insbesondere zu Kindern. Beim Verein FSJ hat sie sich aufgrund der verschiedenen Bereiche, die ihr angeboten wurden, beworben. Durch ein Gespräch konnten ihre Interessen herausgefiltert werden und infolgedessen wurde ihr das Hilde Umdasch Haus für das Freiwillige Soziale Jahr vorgeschlagen. „Ich durfte einen Schnuppertag machen und das Hilde Umdasch Haus hat gleich gepasst. Im Vordergrund steht der enge Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. Für sie sind meine Kollegen und ich wichtige Alltagsbegleiter“, sagt Nicole. Derzeit sind zehn Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 18 Jahren im Haus untergebracht. Alle haben unterschiedliche Schicksalsschläge und dementsprechende Bedürfnisse. Als Problem sieht sie den Altersunterschied der Kinder, die im Haus untergebracht sind, nicht, eher als Bereicherung.

Es gibt aber viele Situationen, die eine große Herausforderung sind und die geschulte, pflegerische Kompetenz benötigen. Dann bekommt sie Hilfe und Unterstützung von den Pädagogen und Pflegekräften. „Alle sind sehr nett und ich bekomme Wertschätzung von allen Seiten. Es ist ein Zusammenhalt, der sowohl für das Team als auch für die Kinder unerlässlich ist. Hier merkt man, wie gute und wertschätzende Pflege ablaufen kann“, betont sie. Als große persönliche Herausforderung sieht sie ihre Gefühle gegenüber den Geschichten und Geschehnissen der betroffenen Kinder und Jugendlichen. „Um emotional nicht unterzugehen, habe ich gelernt, alles gleich anzusprechen und die Gedanken nicht mit nach Hause zu nehmen. Diese Erfahrung ist für das Leben. Es ist jeden Tag etwas Neues und ich bekomme so viel von den Kindern zurück, vor allem an schönen Emotionen. Durch ein Lächeln oder eine Berührung weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe“, betont Nicole.

„Diese Einsätze benötigen auch Selbstreflexion“

„Nicole ist mit vollem Ehrgeiz bei der Sache. Sie handelt ohne Scheu und Berührungsängste und kennt ihre eigenen Grenzen. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, loben Pädagogin Sabrina Forsthofer und Krankenpflegerin Marlene Schnabel Nicoles Engagement.

Im Durchschnitt entscheiden sich 80 Prozent der Freiwilligen im Anschluss für eine Ausbildung in einem sozialen oder pädagogischen Beruf. Nicole möchte auf jeden Fall ihre Ausbildung im sozialen Bereich absolvieren und danach in diesem Sektor arbeiten. Für die Zukunft wünscht sie sich mehr Akzeptanz, Respekt und Verständnis von und für die Mitmenschen und gibt jedem Jugendlichen den Tipp, diese Erfahrung im sozialen Bereich zu sammeln: „Es ist ein Wachstum und eine Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit“.

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