Frust bei Bauern: „Da bleibt nichts übrig!“

Erstellt am 24. September 2014 | 07:04
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Foto: NOEN, Knapp
Die Bauern konnten eine gute Getreideernte einbringen. Der Ertrag liegt um 20 Prozent über jenem des Vorjahres. Doch was hilft das, wenn die Preise im Keller sind?
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Die Bauern sollten eigentlich Grund zur Freude haben. Die Getreideernte ist so gut ausgefallen, wie schon lange nicht, die Erträge liegen um fast 20 Prozent über jenen des Vorjahres.

Und trotzdem herrscht bei den Landwirten im Bezirk Katerstimmung: „Was haben wir von einer guten Ernte, wenn dafür die Preise im Keller sind. Wenn ich für den Ertrag eines Hektars 1.400 Euro bekomme und davon Saatgut, Pflege, Kosten für die Maschinen und Arbeitszeit abrechne, bleibt unter dem Strich nichts übrig“, sagt VP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser.

„Können sich anhören, wie reich sie angeblich sind“

Eigentlich, so der Ybbstaler Bauernvertreter, müssten die Landwirte das Getreide lagern und auf eine Erholung des Preises warten – Platzmangel zwingt sie letztlich jedoch zum Verkauf. „Wir leben, aber zum Investieren bleibt da nichts übrig, und das wirkt sich wiederum negativ auf die gesamte Wirtschaft in der Region aus“, sagt Kasser.

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Schon im Frühsommer zeichnete sich eine gute Getreideernte ab. »Doch was helfen gute Erträge, wenn die Preise im Keller sind«, sagt Bezirksbauernbundobmann Andreas Pum.
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Bezirksbauernbundobmann Bundesrat Andreas Pum aus St. Valentin stimmt in der Einschätzung der Lage mit seinem Kollegen überein: „Die Bauern wollen nur, was jeder Unternehmer und jeder Angestellte will, nämlich eine jährliche Lohnerhöhung, die die Inflation abdeckt. Bei diesen Getreidepreisen sind wir davon weit entfernt. Die Bauern leben von der Substanz und können sich dann von der Arbeiterkammer auch noch anhören, wie reich sie angeblich sind.“

Die Landwirte würden sich, so Pum, zurecht gegen Vermögenssteuern und höhere Grundsteuern wehren, weil es da schlicht und einfach um die Existenz ihrer Betriebe ginge.

Schuld an den niedrigen Getreidepreisen sind die weltweit gute Ernte, Spekulationen auf Getreide, aber auch die Krise in der Ukraine.

Viele Betriebe zehren von der Substanz

Pum befürchtet, dass die niedrigen Preise den Strukturwandel in der Region verschärfen und vor allem Nebenerwerbslandwirte das Handtuch werfen. „Wenn wir das nicht wollen, dann brauchen wir endlich Kostenwahrheit. Die Leistungen und Produkte der Bauern müssen in vollem Umfang honoriert werden. Sichere Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln muss auch ihren Preis haben“, fordert der VP-Politiker.

Überhaupt kein Verständnis hat Pum für Handelsketten, die mit Dumpingaktionen auf Nahrungsmittel die Situation für die Landwirte noch verschärfen würden. „Die Kosten für den Rohstoff machen nur zwei Prozent des Gesamtpreises eines Produktes aus. Wenn man ein Bier hernimmt, dann ist das gerade einmal der Schaum.“

Pum-Lob für Konsumenten: Achten auf Regionales

Der Handel streiche hohe Gewinnspannen ein, gebe davon davon aber nichts an die Bauern weiter. Pum versteht den Frust seiner Standeskollegen.

„Man muss sich das vorstellen: Ein Bauer arbeitet monatelang hart, er pflegt seine Felder und hofft, dass es keine Unwetter gibt. Und dann, einmal im Jahr, wird er für seine Mühen entlohnt und bringt die Ernte ein. Er freut sich über einen guten Ertrag – bis er feststellt, dass sein Getreide nichts wert ist, weil plötzlich zu viel davon da ist. Ist es ein Wunder, wenn er sich dann fragt, wofür er eigentlich arbeitet?“

Lob streut Pum den Konsumenten. Denn diese hätten längst begriffen, dass regionale Produkte hohen Wert haben und achteten beim Einkaufen darauf. „Jetzt geht es noch darum, dass Regionalität auch einen entsprechenden Preis haben muss“, sagt der Bauernvertreter.


Daten zum Bezirk:

Von den 55.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im Bezirk sind etwa 35.000 Hektar Ackerland.

Auf 40 Prozent dieser Fläche wird wiederum Mais, auf 35 Prozent Getreide angebaut.

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