Gastronomie: „Können nicht ewig zusperren“. Auch wenn sie sich bei den Angeboten sehr erfinderisch zeigt: Die hofft auf eine baldige Öffnung.

Von Peter Führer und Karl Fuchs. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:28)

Zu Ostern? Davor? Oder erst später? Über die Öffnung der Gastronomie herrscht Ungewissheit. Anfang März soll entschieden werden, ob nicht doch ein früherer Zeitpunkt infrage kommt, wie Kanzler Sebastian Kurz in der Vorwoche erklärte. Bei den Gastronomen sehnt man die Öffnung jedenfalls herbei.

„Insgesamt ist die Situation eine riesengroße Katastrophe. Auch weil man nicht weiß, wie es weitergeht. Ich verstehe nicht, warum wir nicht bald aufsperren können. Die Lage wird in einigen Monaten nicht viel anders aussehen. Auch eine Durchimpfung wird so bald nicht zu schaffen sein“, findet Peter Patzalt von Patzalt Gastronomiebetriebe klare Worte.

Mittlerweile versuchen viele Gastronomen, auch Patzalt, mit Abholmöglichkeiten Kunden zu erreichen. „Im Wallseerhof bieten wir die bekannten Sonntagsmenüs als Take-away an. Seit Neuestem gibt es auch das Sonntags-SorglosPaket, das vom Frühstück bis zum Abendessen alles beinhaltet“, sagt Patzalt. Dennoch kann das alles einen Normalbetrieb nicht ersetzen. Die Gäste würden ja auch gerne wieder einmal auf ein gutes Glas Wein und ein gutes Essen in ein Lokal gehen.

Nur kurzer Kontakt mit den Mitarbeitern

Kein Verständnis hat Peter Patzalt auch dafür, dass es trotz Tests noch nicht möglich ist, ein Lokal zu besuchen. „Wenn ich mit einem Test zum Frisör gehen kann, dann muss auch der Restaurantbesuch möglich sein. Es gibt ja immer nur kurz Kontakt zwischen den Gästen und Mitarbeitern. Beim Frisör oder körpernahen Dienstleistern ist der Kontakt viel länger“, sagt der Unternehmer.

Er hätte auch kein Problem, die Tests zu kontrollieren. Und – die Wirteschaft hätte ja schon bewiesen, dass sie die Gesetze umsetzen kann und die Konzepte funktionieren. „Wir wären schon morgen bereit. Es braucht dringend eine Perspektive. Wir können nicht ewig alles zusperren, sonst wird es viele Betriebe bald nicht mehr geben.“

Übrigens: Patzalt managt auch die Gastronomie in der Johann-Pölz-Halle und im Tierpark Haag. Während in der Pölz-Halle derzeit sowieso Spielpause ist, hat der Tierpark wieder geöffnet. Die kulinarische Verpflegung funktioniert auch hier mit Take-away-Angeboten. Mittlerweile gilt auch die Maskenpflicht im Freien nicht mehr.

„Bei 33 Hektar Freifläche hat sich mir die Logik dahinter nicht erschlossen. Auch die Entscheidung, warum nicht Theater gespielt werden darf, kann ich nicht nachvollziehen. Dort gibt es die ausgereiftesten Hygienekonzepte“, argumentiert Patzalt. Er gibt auch zu bedenken, dass sich viele Menschen laut Handydaten ja mittlerweile wieder so viel bewegen, wie schon vor den Lockdowns. Statt Veranstaltungsbesuche würden jetzt eben mehr private Treffen erfolgen, vermutet er.

Kein Treffen ist derzeit auch im Gasthaus Froschauer in Ardagger möglich. Dort hat Hermann Froschauer aus der Not eine Tugend gemacht und nützt die Zeit nun für einen Umbau des Festsaales und errichtet zugleich eine südwestseitige Sonnenterrasse.

Derzeit laufen die Arbeiten auf Hochtouren, das Lokal bleibt für Besucher geschlossen und bietet auch keine Speisenabholungen mehr an. „Ich hoffe, dass wir den Saal, der dann auch auf drei Räume geteilt werden kann, zum Muttertag wieder öffnen können“, verrät Hermann Froschauer.

Geplant war das Projekt schon längere Zeit, aufgrund des Lockdowns gibt es nun auch keine Doppelbelastung durch den gastronomischen Betrieb. Froschauer berichtet weiter, dass der Betrieb auch im Sommer des Vorjahres gut gelaufen sei, vor allem beim Mittagsgeschäft. Sehr gut ankommen würde die Tatsache, dass sein Haus schon viele Jahre lang regionale Lebensmittel verwendet. „Das Bewusstsein dafür wird immer stärker.“

Als wichtige Unterstützung sieht Froschauer die Kurzarbeit. „Für mich ist das auch ein Modell für die Zukunft. Weil man für die Mitarbeiter flexibler auf die saisonalen Unterschiede und schneller auf die Witterung reagieren kann“, argumentiert er. Für die Wiederöffnung sei man jedenfalls dank Frischluft-Lüftungen, ausreichenden Hygienemaßnahmen und Platz bestens vorbereitet. „Ich bin mir auch sicher, dass die Gäste wieder kommen werden.“

„Gastronomiebetrieb neue Farbe geben“

Mit 1. Jänner 2021 übernahm Wolfgang Pillgrab den elterlichen Betrieb in St. Valentin. Dieser stehe dank umfangreicher Investitionen in den vergangenen Jahren finanziell auf guten Beinen. „Die Corona-Pandemie hat zur Folge, dass es jetzt genügend Zeit gibt, dem Gastronomiebetrieb eine neue Farbe zu geben“, erklärt er.

Im Vordergrund stehe dabei weiterhin die Qualität. Der Betrieb kocht unter anderem auch für Essen auf Rädern. Sehr gut angenommen werde der „REXs-Pillgrab-Automatenverkauf“ mit den Standorten St. Valentin (Franz-Forster-Platz) und Enns (Linzerstraße 4). Hier können rund um die Uhr Speisen wie zum Beispiel Rehragout, Chili oder Rindsgulasch in Einmachgläsern gekauft werden.

Für Pillgrab gibt es dennoch nur ein einziges Ziel: Es muss noch vor Ostern aufgesperrt werden. Was das Eintrittstesten betrifft, pocht er auf Eigenverantwortung, Abstand halten und auf Hygiene. Das funktioniere auch bei den Lebensmittel-Großkonzernen.

Umfrage beendet

  • Sollen die Wirte noch vor Ostern aufsperren dürfen?