Größtes Risiko für Radfahrer birgt der Verkehr. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegenetz in NÖ entbrannt.

Von Stephanie Turner. Erstellt am 13. August 2019 (03:54)
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Will man den Bezirk Amstetten mit dem Rad erkunden, findet sich schnell eine große Auswahl an langen Routen. Erst heuer wurde etwa der Donauradweg mit dem Ybbstalradweg in Haag durch die Most-Radroute verbunden (die NÖN berichtete). Trotzdem gibt es auch hier im Bezirk noch einige Problemstellen im Radwegenetz.

„Amstetten ist eine Stadt wie jede andere auch. Wie gefahren wird, liegt an den Verkehrsteilnehmern selbst"Tourismusgemeinderat Eduard Maier

Als Bürgermeister der Gemeinde Ertl und begeisterter Radfahrer hat Josef Forster den Überblick über die Radwege durch das Urltal:

„Es gibt zwar schon einige Radfahrstreifen, von der Straße getrennte Radwege allerdings kaum. Das sind Insellösungen, die es für Radfahrer gefährlich und auch uninteressant machen, diese Routen zu befahren. Ich bin selbst viel mit dem Rad unterwegs und fühle mich jedes Mal aufs Neue unwohl, wenn mich beispielsweise ein Lastwagen mit Anhänger überholt.“ Er fände es schön, so Forster, wenn das Radnetz überregional auf eine Länge von 60 bis 70 Kilometern ausgebaut werden würde.

Was das Radfahren in und um das Stadtgebiet betrifft, sieht Tourismusgemeinderat Eduard Maier in Amstetten keine Problemstellen. Das Wegenetz sei sehr gut ausgebaut, einzig die Beschilderung könnte noch optimiert werden.

„Amstetten ist eine Stadt wie jede andere auch. Wie gefahren wird, liegt an den Verkehrsteilnehmern selbst. Wenn man sich an die Straßenverkehrsordnung hält, ist die Sicherheit gegeben“ stellt er fest und fügt hinzu: „Sollte es doch Handlungsbedarf geben, haben wir natürlich ein offenes Ohr für die Bevölkerung.“ Der Tourismusgemeinderat spielt derzeit mit der Idee, die Beschilderung der Radwege beim Bahnhof für Radtouristen besser ersichtlich zu machen.

Vom touristischen Schwerpunkt zum alltäglichen Gebrauch wechseln will Hannes Pressl, Ortschef in Ardagger, wo auch der Donauradweg entlangführt. Der Tourismus habe bereits einen großen Ausbau der Fahrradwege gebracht, nun sei es auch wichtig, Leute für Kurzstrecken in der Region aufs Rad zu bringen.

Radwege sollen auch alltagstauglich sein

„Radfahrer sind trotz Eigenverantwortlichkeit immer der schwächere Teilnehmer im Straßenverkehr. Die Radwege im Gemeindegebiet sind fast überall von der Fahrbahn getrennt, um das Gefahrenrisiko bei stark befahrenen Straßen zu reduzieren.

Ziel ist es, das Wegenetz weiter auszubauen, vor allem rund um Amstetten“, erklärt Pressl und betont: „Verkehr ist gefährlich, das kann ich nicht ändern. Deshalb ist es wichtig, Kinder in der Verkehrserziehung zu fördern, während die Gemeinde gleichzeitig auch die Aufgabe hat, laufend für Gefahrenpotenziale sensibel zu sein und bei Bedarf natürlich Maßnahmen zu ergreifen.“

Mit auffallend hellen Trikots sorgt Obmann Andreas Lexmüller für mehr Sicherheit bei den Mitgliedern des Radclubs Stadt Haag. Er sieht generell Handlungsbedarf beim Radnetz im Bezirk. So könnten beispielsweise die bestehenden Radwege oft gar nicht benützt werden, weil sie, anders wie die Straßen, nicht von Verschmutzungen befreit werden.

Zudem sei auch die aggressive und risikobereite Mentalität der Autofahrer speziell für Kinder eine Bedrohung: „Ich habe selbst früher Leistungssport betrieben und bin Vater von zwei Kindern. Deshalb weiß ich auch, wie schwierig es ist, ohne Übung im Straßenverkehr unterwegs zu sein. Die Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Einschätzung sind bei Kindern einfach anders als bei Erwachsenen.“

Er appelliert an die Autofahrer, bei ihrer Fahrweise umzudenken. Genauso weist er auch auf die Notwendigkeit einer Helmpflicht hin. „Unglückliche Ereignisse wird man nicht verhindern können. Trotzdem würden Maßnahmen wie Warnsysteme in Autos, die auf Radfahrer hinweisen, Unfälle reduzieren“, schlägt Lexmüller vor.

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