Hausärzte: „Nicht alles ist Corona!“. Bezirk Amstetten: Ärzte-Appell an die Bevölkerung, nicht auf andere Untersuchungen zu verzichten. Antigentest ist wichtiges Instrument.

Von Peter Führer. Erstellt am 18. November 2020 (05:34)
Sicherheit wird in der Landarztteam-Praxis der Hausärzte Lukas und Martina Heschl groß geschrieben. So gibt es eine räumliche Trennung zwischen „normalen“ Patienten und Coronavirus-Verdachtsfällen, um eine weitere Infektionsgefahr zu reduzieren. Natürlich darf auch die passende Schutzausrüstung nicht fehlen.
Peter Führer

„Bitte verzichten Sie nicht auf den Hausarztbesuch. Wenn Sie krank sind, dann kommen Sie. Dafür sind wir Hausärzte da“, richten Martina und Lukas Heschl (Landarztteam) einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung. Immer öfter würde es nämlich vorkommen, dass Menschen, die krank sind, sich aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht untersuchen lassen wollen. Das kann verheerende Auswirkungen haben.

Patientin hätte schwer erkranken können

„Es gibt immer wieder Fälle, wo sehr lange gewartet wird. Bei einer Patientin, die auch tagelang nicht gekommen ist, haben sich bei einer Untersuchung dann sehr hohe Entzündungswerte gezeigt. Sie ist gerade noch rechtzeitig gekommen, ansonsten hätte sie sehr schwer erkranken oder versterben können“, nennt Lukas Heschl ein Beispiel. Auf alle Fälle soll man immer den Hausarzt kontaktieren. Auch bei Corona-Verdachtsfällen. „Auch wenn wer positiv ist, wird man nicht stigmatisiert. Es sind aber auch alle anderen Untersuchungen, sehr, sehr wichtig“, ergänzt Martina Heschl.

Beim Kampf gegen den Coronavirus haben viele Hausärzte nun ein wichtiges Mittel zur Verfügung: den Antigentest. Dieser wird mittlerweile bei Symptomen von der Krankenkasse bezahlt und fällt – wenn es zu einer Infektion gekommen ist – drei bis fünf Tage nach der Ansteckung positiv aus. „Am besten ist es, bei einem Verdacht mit dem Hausarzt Kontakt aufzunehmen und zu fragen, ob ein Antigentest angeboten wird. Er ist eine wichtige Möglichkeit, das Virus frühzeitig zu entdecken“, betont das Landarztteam. Immer wieder zeigen sich Menschen dann von einem positiven Testergebnis überrascht. Denn nach wie vor gibt es bei den Symptomen – vor allem bei Jüngeren etwa Geruchs- und Geschmacksverlust – große Unterschiede.

Der Antigentest ist, wie die Mediziner unterstreichen, auch eine wichtige Möglichkeit, die Bezirkshauptmannschaften zu entlasten. Ist er positiv, wäre auch ein (genauerer) PCR-Test positiv. Mittlerweile muss laut Gesundheitsministerium bei einem positiven Antigentest auch kein PCR-Test mehr durchgeführt werden, wie ein neuer Erlass des Gesundheitsministeriums besagt.

Räumliche Trennung als Vorsichtsmaßnahme

Für mehr Patientensicherheit sorgt in der Ordination des Landarztteams in Oed auch die räumliche Trennung. So gibt es einen Raum, an dem ein Arzt ausschließlich Coronavirus-Verdachtsfälle untersucht und testet. Andere Patienten kommen mit diesem Arzt und diesen Patienten nicht in Kontakt. Ihre Untersuchung findet ein einem anderen Raum statt. „Das bedeutet natürlich auch einen logistischen Mehraufwand, der zum generell stark gestiegenen Aufwand bei der (Nach-)Betreuung dazukommt“, erläutern die Hausärzte.

Täglich werden in der Praxis des Landarztteams übrigens etwa 30 Menschen mittels Antigentest getestet. „Die Zahl der positiven Fälle ist in den vergangenen Wochen explodiert. Am Anfang waren es vielleicht zwei Fälle pro Woche, derzeit sind es bis zu sieben Fälle täglich. Ich hoffe aber, dass wir das Plateau erreicht haben. Die Zahl der positiven Fälle steigt jetzt zumindest nicht mehr an“, berichtet das Landarztteam.

Ganz wichtig bleibt den Medizinern aber der zentrale Appell: „Wenn Sie sich krank fühlen, dann kommen Sie! Der Hausarzt sollte immer der erste Ansprechpartner sein. Und nicht alles ist Corona!“