Hitze wird öfter zur Belastung am Bau. Seit 1. Mai haben Bauarbeiter ab 32,5 Grad hitzefrei. Was bedeutet diese Regelung für die Baustellen in der Region?

Von Stephanie Turner. Erstellt am 30. Juli 2019 (04:30)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Regionalsekretär der Gewerkschaft für Bau und Holz, Daniel Lachmayr (rechts) war in der Vorwoche in einer Wasserverteilaktion auf Baustellen im Bezirk unterwegs.
privat

Der Sommer gilt als Hochsaison für Baufirmen und Bauarbeiter, weil es gerade in diesen Monaten normalerweise die wenigsten Schlechtwettertage gibt. Seit 1. Mai gelten nun aber auch Stunden, in denen das Thermometer 32,5 Grad überschreitet als Schlechtwetterstunden.

Ist das der Fall, können Arbeitgeber die Arbeiter den Rest des Tages nach Hause schicken. Die Betroffenen bekommen dann den Großteil des Verdienstentgangs ersetzt. Bis zum 1. Mai 2019 lag die Grenze für die Schlechtwetterregelung noch bei 35 Grad.

„Bereits im Juni ist es schon öfter vorgekommen, dass der ,Hitze-60er‘, wie er in der Branche auch genannt wird, stundenweise in Anspruch genommen wurde. Genauso auch in der Vorwoche, weshalb wir bereits mit Wasserflaschen auf den Baustellen unterwegs waren, um die Bauarbeiter vor Ort zu diesem Thema zu informieren“, erklärt Regionalsekretär der Gewerkschaft für Bau und Holz, Daniel Lachmayr. Laut ihm werde diese Sonderregelung immer mehr in Anspruch genommen.

Hitzefrei nicht verpflichtend

Hitzefrei zu geben, ist bisher allerdings nicht verpflichtend – die Gewerkschaft fordert hier eine verpflichtende Regelung. „Bei der Hitze weiterzuarbeiten, würde sowieso nicht viel nützen, weil es zu einem großen Leistungsverlust bei den Arbeitern kommt“, so der Regionalsekretär.

Maria Lehner von der Josef Lehner GmbH hält die Regelung für übertrieben: „Ein gutes Klima bei den Mitarbeitern sowie die Kommunikation mit ihnen zu pflegen, sollte ausreichen, um betriebsintern über die Belastungsgrenze am Bau entscheiden zu können. Das ist auch im Sinne von Mitarbeitern und Kunden.“ Für Mitarbeiter der Firma Lehner gab es heuer schon einmal hitzefrei, bis es soweit kommt, wird laut Lehner aber durch Wasserversorgungs- und Planungsmaßnahmen versucht, der Belastung entgegenzuwirken.

Auf der Baustelle der NMS in Euratsfeld wurde in der Vorwoche von der Hitzefrei-Regelung Gebrauch gemacht.
Peter Führer

Ähnlich sieht auch die Handhabe bei der Firma Jungwirth Hoch- und Tiefbau aus. Hier wird meistens früher mit der Arbeit begonnen und dementsprechend auch früher aufgehört, um der Hitze möglichst zu entgehen. Zudem heben sich die Bauarbeiter gewisse Arbeiten für Schlechtwettertage auf. „Ich denke, dass die Entscheidung jeder für sich treffen muss. Schule sollte diese Hitzefrei-Regelung aber nicht machen, weil es dadurch zu Verzögerungen kommen kann und der Sommer ja doch die Hauptsaison der Branche ist“, erklärt Baumeister Wolfgang Jungwirth. Am Donnerstag hieß es in seiner Firma erstmals „Hitzefrei!“, die Arbeiten auf der Baustelle bei der NMS Euratsfeld wurden für den Nachmittag eingestellt.

Franz-Josef Lichtenberger ist Betriebsrat und hat schon 35 Jahre Erfahrung in der Zimmerei und Dachdeckerei gesammelt. Er sieht in der aktuellen Regelung ein Problem: „Grundsätzlich stehe ich voll dahinter, dass es diese Möglichkeit gibt. Die Belastung am Dach ist enorm und ich bin froh, dass auch die Grad-Grenze heruntergesetzt worden ist. Die ideale Lösung ist es aber nicht, weil die Schattentemperatur herangezogen wird und nicht die am Dach. Wer nicht glauben kann, dass es bei Windstille in der Sonne ganz schlimm ist, sollte sich selbst einmal für eine Woche auf eine Baustelle stellen.“

Umfrage beendet

  • Hitzefrei ab 35 Grad für alle Arbeitnehmer?