Kasser: Regionalität als Chance für Landwirtschaft. Sorge bereiten Anton Kasser zunehmende Unwetter. Chancen für Bauern sieht er in Regionalität und der zunehmenden Forderung nach Herkunftsbezeichnung und Tierwohl.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 05. August 2021 (05:44)
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Allhartsbergs Bürgermeister Anton Kasser sieht Chancen und schwierige Zeiten für Landwirte.
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Keine einfachen Zeiten sieht der Landtagsabgeordnete und Landwirtschaftskammerfunktionär Anton Kasser auf die Bauern der Region zukommen. „Das Wetter wird immer unberechenbarer, die Unwetter richten immer mehr Schäden an, der Klimawandel wird überall spürbar“, sagt er.

So habe heuer die Trockenheit im Frühjahr vor allem die Weizenernte mager ausfallen lassen, die Witterung habe die Getreideernte um drei Wochen verzögert, nur Raps und Mais hätten bisher wetterbedingt keinen Schaden genommen. Jüngste Unwetter haben der Landwirtschaft „vor allem von Allhartsberg talabwärts“ große Schäden angerichtet.

Dabei stünden die Chancen für die Landwirtschaft so gut wie schon lange nicht mehr. „Regionalität bei Agrarprodukten ist gefragter denn je, Bio erlebt einen regelrechten Boom und die Diskussion um das Tierwohl ist in aller Munde“, sagt Kasser.

„Beschaffungsplan bringt 1,3 Millionen Euro täglich für regionale Landwirte.“ Landtagsabgeordneter Anton Kasser

Es stellt sich freilich die Frage: Wer zahlt den durch verbessertes Tierwohl höheren Preis? Die gesetzliche Herabsetzung der Besatzdichten bei Puten von 70 auf 40 Kilogramm pro Quadratmeter habe nämlich keine preisliche Verbesserung für die Landwirte gebracht. Im Gegensatz habe es dazu geführt, dass die meisten Putenzüchter in der Region den dadurch unrentablen Betrieb aufgegeben und auf andere Produkte umgesattelt haben und das Putenfleisch nun importiert wird.

Beschaffungsplan sorgt für Wertschöpfung

Ein Lichtblick sei hier der erst im Juli vom Parlament beschlossene Beschaffungsplan des Bundes. Er schreibt vor, dass Kasernen, Krankenhäuser, Seniorenheime und andere Einrichtungen des Bundes die Produkte für ihre Küchen und Kantinen regional einzukaufen haben.

„Das sind österreichweit 1,3 Millionen Euro täglich, die in die regionale Landwirtschaft fließen“, sagt Kasser. Auch gäbe es viele Wirtshäuser, die freiwillig regional einkaufen und sich damit auch auf der Speisekarte brüsten. Hier fordert die Landwirtschaft ja seit langem verpflichtende Herkunftsbezeichnungen.

Eine weitere Chance für die Landwirtschaft ortet Kasser in der Festlegung der Regierung auf Klimaziele und den Ausbau erneuerbarer Energie. „Bis 2040 muss der Ausstoß an Treibhausgasen um 36 Prozent reduziert werden“, sagt Kasser. Das bedeutet, dass allein im Bezirk Amstetten der Bestand an Photoltaikanlagen von 60.000 auf 240.000 kWpeak vervierfacht werden muss. Kasser: „Nichts eignet sich dafür besser als die großen Dächer der landwirtschaftlichen Gebäude.“ Denn Photovoltaik auf Freiflächen will er in seiner Gemeinde Allhartsberg keine genehmigen. „Erst, wenn die Dächer voll sind!“ Ob allerdings alle Gemeinden da mitziehen, ist nicht sicher. Freiflächen und damit Versiegelungen bis zu zwei Hektar können Gemeinden anstandslos genehmigen.

1.000 neue Ölheizungen versus raus aus dem Öl

Eine wünschenswerte Entwicklung sieht Kasser im NÖ Energieplan. Der sieht vor, dass unter dem Motto „Raus aus dem Öl“ seit 2019 keine Ölheizungen mehr gebaut und laut Bundesgesetz ab 2040 keine Ölheizungen mehr betrieben werden dürfen.

Allerdings haben allein im Bezirk Amstetten in den vergangenen zehn Jahren über 1.000 Haushalte über eine Förderinitiative der Industrie neue Ölheizungen angeschafft. Kasser: „Das sind 14 Prozent des aktuellen Bestands.“ Diese werden gemeinsam mit rund 6.000 Ölheizungen älteren Datums 2040 Geschichte sein.