Kinder in der Coronazeit: „Machen das Beste draus“. Wie Kinder mit den Corona-Beschränkungen umgehen, hängt auch von der Persönlichkeit ab. Wichtig ist jedenfalls ein offener Umgang mit dem Thema.

Von Peter Führer. Erstellt am 10. April 2020 (04:45)
Seit Elena und ihr Bruder Emil zuhause sind, wird im Hause Stopfer sehr viel gespielt, gebastelt, gemalt, gebacken und gemeinsam gekocht. Wenn es das Wetter zulässt, geht es nach draußen. Am Vormittag steht für Elena Lernen für die Schule auf dem Programm. „Da Elena eine sehr fleißige und brave Schülerin ist, klappt das sehr gut“, erzählt Mama Kerstin.
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Eine Alleinerzieherin hat sich an die NÖN gewandt und darauf hingewiesen, wie schlimm die Coronazeit für kleine Kinder sein kann. „Ich habe einen fünfjährigen Sohn, der seine Großeltern und seine Freunde nicht mehr sehen darf und glaubt, dass sie ihn nicht mehr mögen. Oft weint er deswegen. Natürlich erkläre ich ihm, dass das nicht so ist und dass viele Leute krank sind und er deshalb andere nicht besuchen darf. Aber das ist für die Kinder schwer zu verstehen. Auch die Situation im Kindergarten ist für ihn nicht einfach, weil er das einzige Kind ist, das dort betreut wird.“

„Kinder spüren die besondere Situation“

Wie Kinderärztin und Kinderneurologin Dr. Susanne Katzensteiner betont, ist ein offener Umgang mit den Thema Coronavirus sehr wichtig. „Kinder spüren, dass es sich um eine besondere Situation handelt. Man kann durchaus erklären, warum Oma und Opa nicht besucht werden können, nämlich um sie zu schützen. Es stehen viele kindgerechte Informationsmaterialien zur Verfügung. Wichtig ist die altersgerechte Aufbereitung und Rücksichtnahme auf die Persönlichkeit eines Kindes. Manche Kinder sind sensibel und ängstlich, andere zeigen sich unbeschwerter. Kinder jüngeren Alters stellen sich normalerweise sehr leicht auf eine neue Situation ein, zumeist leichter als Erwachsene“.

Aufpassen welche Nachrichten im Beisein der Kinder besprochen werden, Offenheit und den Kindern Sicherheit geben, sind weitere Tipps der Expertin. „Eltern müssen in der jetzigen Zeit enormes leisten“, besonders herausfordernd stellt sich die Situation für alleinerziehende Eltern oder für Familien mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen dar. Bei dringlichem Bedarf einer Beratung gibt es die Möglichkeit, sich über telefonische Beratungsdienste Hilfe zu holen (Rat auf Draht, Kidsnest, Telefonseelsorge).

Sarah Nadlinger (8) erledigt fleißig ihre Schulaufgaben. Vater Reinhard ist stolz über die zunehmende Selbstständigkeit seiner drei Töchter Sarah, Julia und Sophia.
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Und wie verbringen viele Kinder die Coronazeit? Wie Sarah Nadlinger (8) aus Viehdorf berichtet, steht am Vormittag Lernen auf dem Programm. „Wir bekommen von meiner Frau Lehrer einen Wochenplan“, erzählt sie. Am Nachmittag wird gespielt oder es geht in den nahen Wald. Derzeit bastelt sie mit ihren Schwestern Julia (6) und Sophia (4) zudem an einem Haus aus Holzstäben. „Ich freue mich schon, wenn ich meine Freunde und Verwandten wieder sehen kann“, hofft sie, dass bald wieder Normalität einkehrt.

Derzeit sei eine gute Einteilung gefragt, erzählt Kerstin Stopfer. Sie lebt mit ihrem Mann und den Kindern Elena (8) und Emil (3) in St. Georgen. „Mein Mann und ich gehen beide arbeiten. Weil ich aber nur zwei Tage arbeite, können wir uns das gut einteilen. Für eine Zusatzausbildung, für die ich immer am Vormittag Zeit hatte, arbeite ich jetzt am Abend“, berichtet sie. Motiviert zeigen sich alle beim gemeinsamen Training zuhause. Natürlich würden aber Freunde und Verwandte, wie die Oma, sehr fehlen.

„Elena findet die Situation ‚richtig blöd‘. Sie macht sich Sorgen, dass wir im Sommer nicht in den Urlaub nach Griechenland fliegen können. Und dass wir nirgends hinfahren können, kein Hallenbad, keine Ausflüge. Das findet sie sehr schade“, erklärt Kerstin Stopfer und ergänzt: „Wir machen das Beste daraus. An manchen Tagen ist die Laune sehr gut, an anderen Tagen grenzwertig.“